Nach der Lawine: Diese Spezialmaschinen kommen zum Einsatz
von belmedia Redaktion Allgemein lawine.ch Lawinen Magazine nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse News Organisationen Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen wetter24.ch Wettereinsätze Ⳇ Verbreitung
Wenn eine Lawine Strassen, Bahnlinien oder ganze Geländepassagen verschüttet, beginnt für Rettungskräfte und Räumungsteams ein anspruchsvoller Einsatz. Rettungshelikopter, elektronische Suchsysteme, Bagger, Radlader und leistungsstarke Schneefräsen übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist die richtige Reihenfolge: Zuerst müssen Menschen gerettet und weitere Gefahren beurteilt werden, erst danach können schwere Maschinen die Schneemassen beseitigen.
Lawinenablagerungen bestehen häufig aus stark verdichtetem Schnee, Eisbrocken, Steinen und mitgerissenem Holz. Ein gewöhnlicher Schneepflug reicht deshalb vielerorts nicht aus. Welche Maschinen eingesetzt werden, hängt von der Lage, der Verschüttungstiefe, den Zufahrtsmöglichkeiten und der Gefahr weiterer Lawinen ab.
In der Schweiz sind solche Einsätze besonders auf Alpenpässen, bei Bergbahnen und entlang gefährdeter Bahnstrecken wichtig. Während Rega und Alpine Rettung Schweiz für die Menschenrettung zuständig sind, übernehmen später spezialisierte Unternehmen und die Strassen- beziehungsweise Bahndienste die Räumarbeiten. Vor jeder Arbeitsphase muss beurteilt werden, ob der betroffene Bereich ausreichend gesichert ist.
Rettungshelikopter erreichen schwer zugängliche Lawinengebiete
Nach einem Lawinenunfall ist der Helikopter häufig das wichtigste motorisierte Rettungsmittel.
Die Rega kann Suchgeräte mit Aussenantennen einsetzen, um LVS-Signale aus der Luft zu orten. Zusätzlich stehen RECCO-Detektoren zur Verfügung, mit denen entsprechende Reflektoren in Wintersportausrüstung gefunden werden können.
Helikopter transportieren zudem medizinisches Personal, Bergretter und Lawinensuchhundeteams ins Gelände.
Für die eigentliche Bergung bleiben Menschen unverzichtbar: Sie führen die Feinsuche durch, sondieren den Schnee und graben Verschüttete aus.
Warum Bagger bei Lawinen besonders wichtig sind
Ein Bagger kann auch stark verdichtete Lawinenablagerungen schichtweise abtragen.
Seine Schaufel ermöglicht präzises Arbeiten an verschütteten Strassen, Tunnelportalen und schwer zugänglichen Abschnitten.
Dabei unterscheidet sich die Arbeit erheblich von gewöhnlicher Schneeräumung. Grosse Lawinen können massive Schneeblöcke, Erdmaterial und Baumstämme transportieren.
Bagger kommen insbesondere dort zum Einsatz, wo Schneefräsen das Material nicht unmittelbar bearbeiten können.
Radlader bewegen grosse Schneemengen
Während Bagger Material gezielt lösen, eignen sich Radlader für das Aufnehmen und Verschieben grösserer Schneemengen.
Sie können freigelegte Ablagerungen seitlich aufschichten oder auf Lastwagen verladen.
Bei ausreichendem Platz lässt sich damit eine leistungsfähige Räumkette aufbauen.
Auf engen Passstrassen oder in steilem Gelände sind ihre Einsatzmöglichkeiten allerdings begrenzt.
Schneefräsen schneiden Wege durch Lawinenkegel
Besonders eindrücklich sind die Einsätze grosser Schneefräsen.
Ihre rotierenden Fräswerkzeuge zerkleinern den Schnee und befördern ihn durch einen Auswurfkanal zur Seite.
Ein bekanntes Schweizer Beispiel ist die Dampfbahn Furka-Bergstrecke.
Dort arbeiten speziell ausgerüstete Raupen-Schneefräsen und eine Diesellokomotive mit Anbaufräse an der Freilegung der Bahnstrecke.
Zwischen den Tunnels können sich Lawinenkegel von bis zu 18 Metern Mächtigkeit auftürmen. Teilweise muss zuerst ein Bagger Schnee entfernen, damit anschliessend die Fräse weiterarbeiten kann.
Solche Räumarbeiten können mehrere Tage beanspruchen.
Pistenfahrzeuge unterstützen den Zugang
Auch Pistenfahrzeuge mit Raupenantrieb können bei geeigneten Geländeverhältnissen eingesetzt werden.
Sie transportieren Personal oder Material und helfen bei der Herstellung befahrbarer Zugänge.
Mit entsprechenden Anbaugeräten können sie Schnee verschieben oder bearbeiten.
Für die Bergung tief verschütteter Personen sind sie jedoch keine Alternative zur gezielten Suche mit LVS, Sonde und Schaufel.
Radar und Sprengsysteme sichern gefährliche Hänge
Bevor die Räumung beginnt, müssen Fachleute die Gefahr weiterer Lawinen beurteilen.
Radarsysteme und Erschütterungssensoren können Lawinenbewegungen erkennen. Sie unterstützen die Überwachung gefährdeter Bereiche.
Bei geeigneten Voraussetzungen können Lawinendienste instabile Schneemassen kontrolliert auslösen.
Dafür stehen unter anderem fest installierte Sprengmasten, Gasexplosionssysteme und Sprengungen aus Helikoptern zur Verfügung.
Diese Technik dient der Sicherung, nicht der eigentlichen Schneeräumung.
Nachlawinen sind auch für Maschinenführer lebensgefährlich
Dass selbst grosse Baumaschinen keinen sicheren Schutz bieten, zeigt ein dokumentierter Unfall am Stanserhorn.
Im Winter 2011/12 wurde bei der Räumung einer Forststrasse ein Baggerfahrer von einer weiteren Lawine überrascht und verschüttet.
Das Beispiel verdeutlicht, weshalb Räumarbeiten in gefährdetem Gelände eine klare Einsatzleitung, Überwachung und geeignete Schutzmassnahmen benötigen.
Wann wird eine Strasse wieder geöffnet?
Nach Abschluss der Räumarbeiten kontrollieren die zuständigen Stellen den Verkehrsweg.
Dabei geht es nicht nur um verbliebenen Schnee, sondern auch um beschädigte Leitplanken, Entwässerungen und mögliche Hindernisse.
Entscheidend bleibt die Lawinenlage oberhalb der Strasse.
Erst wenn die zuständigen Sicherheitsverantwortlichen eine Freigabe verantworten können, darf der Verkehr wieder aufgenommen werden.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert