Vom Marktstand zum Onlineshop: Eine Reise durch 170 Jahre Konsumkultur

Ob auf Märkten, an der Haustür, im Warenhaus oder online: Wo und wie wir einkaufen, hat sich in den letzten 170 Jahren stark verändert. Und auch was und wie wir konsumieren, wandelt sich ständig. Davon zeugen unterschiedlichste Fotografien ebenso wie grafische Erzeugnisse vom Plakat bis zur Einkaufstasche.

Die Ausstellung im Landesmuseum Zürich zeigt eine vielschichtige und abwechslungsreiche Bildwelt mitten aus dem Alltag.

Der erste Teil der Ausstellung nimmt die Geschichte der wichtigsten Verkaufsorte in den Blick. Diese haben sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen von der Industrialisierung bis zur Digitalisierung vervielfältigt.


Fahrender Discounter: 1925 tritt die Migros mit einer Niedrigpreisstrategie in den Lebensmittelmarkt ein. Von Quartier zu Quartier ziehende Verkaufswagen führen zu Beginn nur sechs Artikel im Sortiment. Diese sind dafür bis zu 25% günstiger als üblich. Migros-Verkaufswagen im Tösstal, Theo Frey, Weiningen, 1942. Foto:  Theo Frey / Fotostiftung Schweiz

Zu Märkten und dem Strassen- und Hausierhandel gesellten sich im Laufe der Zeit Läden, Grossverteiler, Warenhäuser, Einkaufszentren und Onlineshops. Foto- und Grafikobjekte bezeugen deren je eigenen Charakter sowie historische Aspekte des Detailhandels. Dazu gehören zum Beispiel die Einführung der Selbstbedienung, die Präsentation von Produkten in Schaufenstern, die Werbung oder das Einkaufen als Freizeiterlebnis.


Um die Ecke: Mit zunehmender Ladendichte etabliert sich im 19. Jahrhundert in grösseren Dörfern und Städten ein ständiges Warenangebot um die Ecke. Die persönliche Beratung und Bedienung der Kundschaft findet von früh bis spät an der Theke statt. Obst- und Gemüsehandlung R. Meier in Olten, Friedrich Aeschbacher, Olten, um 1910. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Raffinierte Präsentation: Loeb gehört zu den Vorreitern der gehobenen Schaufenstergestaltung. 1940 inszeniert das Warenhaus schlichte, aber stimmungsvolle Szenerien, die nächtlich illuminiert besonders anziehend wirken. Saisonale Moden regen zum ständigen Auswechseln der Garderobe an. Schaufenster mit Herbstmode, Loeb, Bern, 1940.
Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Ein Herzstück der Ausstellung ist ein Kiosk, der schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Viale Francesco Balli in Locarno stand. Lange Zeit ein klassischer Kiosk mit Zeitungen, Süssigkeiten und Zigaretten, erweiterte sich sein Angebot ab Ende der 1990er-Jahre um abenteuerliche Outdoor-Aktivitäten und Computer mit Internetzugang. Wie das Sortiment hat sich auch das Erscheinungsbild des Kiosks im Laufe der Jahre verändert. Immer neue Anstriche sowie bunte Werbetafeln und -aufkleber verliehen dem für die Ausstellung aufwändig restaurierten Kiosk sein unverwechselbares Aussehen und machen ihn zu einem vielschichtigen Zeugen für Alltags- und Konsumkultur.

Was gekauft wird, will auch konsumiert werden. Und so beschäftigt sich die Ausstellung im zweiten Teil mit Konsummomenten, die in Fotografie und Grafik dokumentiert und idealisiert worden sind. Essen, Trinken, Autofahren, Reisen, Fernsehen und das Befolgen von Moden spiegeln nicht nur Grundbedürfnisse, sondern gesellschaftliche Trends sowie das Streben nach Wohlergehen, Status oder Identität.


Städtische Stammbeiz: Das bis 2006 existierende Restaurant Seebahn an der Zürcher Hohlstrasse gilt als typische Stammbeiz. Die Gäste sind vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Nähe sowie Vereine. Gruppenfoto mit der Wirtin und Stammgästen im Restaurant Seebahn, Zürich, um 1960–1980. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Eine Diashow mit Ferienbildern des Ehepaars Yvonne und Jakob Hohl-Galbiati steht in diesem Teil der Ausstellung beispielhaft für den zunehmenden Wohlstand ab 1950. Wie viele andere Schweizerinnen und Schweizer konnten es sich die Reiseleiterin und der Versicherungsinspektor in den 1960er-Jahren leisten, regelmässig ins Ausland zu verreisen – nicht zuletzt dank einem wachsenden Angebot an erschwinglichen Flugreisen sowie bezahltem Urlaub.


Vielreisende: Jakob und Yvonne Hohl-Galbiati sind ab den 1960er-Jahren viel unterwegs. Das Ehepaar entdeckt die Welt per Flugzeug, Kreuzfahrtschiff, Bus und Auto und geniesst dabei die Angebote der Tourismusindustrie. In den Ferien auf Ischia, Jakob und Yvonne Hohl-Galbiati, Zürich, 1967. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Die Fotos zeigen das Ehepaar auf Kreuzfahrten, beim Sightseeing oder beim entspannten Sonnenbaden am Meer. Die Bilder liessen sich an Dia-Abenden gemeinsam mit Familie und Freunden anschauen und bezeugen die Suche nach Abwechslung und Erholung sowie ein stark ansteigendes Reisefieber.


Rundumversorgung: Zum Erfolg von Einkaufszentren trägt die Verschränkung von kommerziellen mit sozialen Räumen bei. Während Springbrunnen Dorfplatzgefühle erzeugen und Restaurants für Erfrischung sorgen, bieten Hallenbäder Raum für sportliche Betätigung. Shopping Center Spreitenbach, Jules Vogt, Comet Photo AG, Zürich, 1970.
Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Com_L19-0125-0004-0005

Die Ausstellung schöpft aus den Sammlungsbeständen des Schweizerischen Nationalmuseums und gibt mit einer reichen Auswahl an Bildern, Objekten und Geschichten vielfältige Einblicke in die Entwicklung und die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung des Konsumalltags.


Selbstbestimmte Mobilität: Private Fotografien zeugen davon, wie der Besitz eines Autos mit Freude, Stolz und Status verbunden ist. Darüber hinaus transportieren sie auch ein Stück von dem Lebensgefühl, das Autofahrerinnen und -fahrer an der individualisierten und selbstbestimmten Mobilitätsform geniessen. Unterwegs mit dem Auto, aus Privatalbum, 1951.
Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

 

Quelle: Landesmuseum Zürich
Bildquellen: Bild 1: => Landesmuseum Zürich; sonstige Bilder: => siehe Bildlegenden