Neue Studie warnt: Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch hormonelle Verhütung
von belmedia Redaktion Allgemein News People Schweiz xund24.ch
Am 21. Mai 2025 wurde auf der renommierten Konferenz der Europäischen Schlaganfall-Organisation (ESOC) in Wien eine bedeutende Studie vorgestellt, die insbesondere für junge Frauen von grossem Interesse ist: Die Einnahme von kombinierten hormonellen Verhütungsmitteln (oft auch «die Pille» genannt) kann das Risiko für einen sogenannten kryptogenen ischämischen Schlaganfall verdreifachen.
Dieser Schlaganfalltyp tritt ohne erkennbare Ursache auf und macht laut Fachliteratur rund 40 Prozent aller ischämischen Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen aus.
Was bedeutet kryptogener ischämischer Schlaganfall?
Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn ein Gefäss im Gehirn verstopft ist und dadurch Hirngewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Die kryptogene Form bedeutet, dass keine eindeutige Ursache gefunden werden kann. Gerade bei jüngeren Patientinnen ist das besonders herausfordernd, da viele der klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen noch nicht vorliegen.
Die SECRETO-Studie: Zahlen und Erkenntnisse
Die von der Neurologin Dr. Mine Sezgin geleitete «SECRETO»-Studie untersuchte 268 Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren, die einen kryptogenen ischämischen Schlaganfall erlitten hatten, und verglich sie mit einer Kontrollgruppe von gleichaltrigen Frauen ohne Schlaganfall. Dabei zeigte sich: Frauen, die kombinierte hormonelle Verhütungsmittel einnahmen, hatten ein drei Mal höheres Risiko für einen solchen Schlaganfall. Diese Risikoerhöhung blieb auch bestehen, wenn andere bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Migräne berücksichtigt wurden.
Welche Hormone sind betroffen?
In den meisten Fällen handelte es sich bei den verwendeten Präparaten um Kombinationen mit Ethinylestradiol in einer üblichen Dosierung von 20 Mikrogramm. Auch andere Östrogentypen wie Östradiolvalerat wurden in der Studie erfasst. Laut Dr. Sezgin haben die Forschenden die Hormondosierung für jede Teilnehmerin sorgfältig berechnet, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Dennoch sei unklar, ob bestimmte Wirkstoffe ein höheres Risiko bergen als andere – dazu brauche es grössere Studien.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Autoren der Studie rufen dazu auf, das Schlaganfallrisiko bei jungen Frauen, die hormonell verhüten möchten, bewusster zu berücksichtigen. Besonders bei Patientinnen mit weiteren gesundheitlichen Risikofaktoren oder bereits bestehenden Gefässproblemen sollten Ärztinnen und Ärzte genau prüfen, ob kombinierte hormonelle Verhütung die beste Option darstellt.
Für Frauen bedeutet das nicht, dass hormonelle Verhütung per se gefährlich ist. Aber: Eine individuelle Risikoabwägung ist sinnvoll. Wer etwa raucht, unter Migräne mit Aura leidet oder starkes Übergewicht hat, sollte mit seiner Ärztin oder seinem Arzt offen über alternative Methoden sprechen.
Wie geht es weiter?
Das Forschungsteam rund um Dr. Sezgin plant nun weitere Untersuchungen zu den biologischen und genetischen Mechanismen, die den beobachteten Zusammenhang erklären könnten. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie hormonelle Verhütung unabhängig von klassischen Risikofaktoren das Schlaganfallrisiko beeinflussen kann. Diese Erkenntnisse könnten langfristig dazu beitragen, Verhütungsberatung individueller und sicherer zu gestalten.
Fazit
Die Studie unterstreicht: Auch vermeintlich gut untersuchte Medikamente wie die Antibabypille sollten regelmässig neu bewertet werden, insbesondere bei jungen Frauen mit weiteren Gesundheitsrisiken. Wer über eine hormonelle Verhütung nachdenkt oder sie bereits verwendet, sollte sich nicht verunsichern lassen, aber gut informieren und bei Bedarf das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der Gynäkologin suchen.
Quelle: Xund24-Redaktion/Europäische Schlaganfall-Organisation (ESOC 2025)
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