Kannenfeldpark Basel: Ein Denkmal der Gartenkultur im Wandel der Zeit
von belmedia Redaktion Allgemein Denkmalpflege denkmalpflege-schweiz.ch Denkmalschutz News Projekte Schauplätze
Der Kannenfeldpark im Westen von Basel gehört heute zu den bedeutendsten historischen Parkanlagen der Schweiz. Was als Friedhof im 19. Jahrhundert entstand, wurde ab den 1950er-Jahren unter Stadtgärtner Richard Arioli zu einem lebendigen Stadtpark umgestaltet – mit beeindruckender Behutsamkeit und grossem Respekt vor der ursprünglichen Struktur.
Der Park ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie historische Grünräume nicht nur erhalten, sondern an die komplexen Anforderungen moderner Stadtquartiere angepasst werden können.
Vom Friedhof zum Volkspark: Geschichte mit Weitblick
Als die Stadt Basel im 19. Jahrhundert einen neuen Friedhof weit ausserhalb der damaligen Siedlungsgrenzen plante, entstand ein Ort mit klarer Achsstruktur, prägnanten Alleen, repräsentativen Portalen und grosszügigem Baumbestand.
Diese Grundelemente blieben auch nach der Umnutzung erhalten, als Richard Arioli ab 1951 die Anlage schrittweise in einen Volkspark überführte. Dabei verfolgte er eine damals fortschrittliche Vision: Grünräume sollten nicht nur der Ästhetik dienen, sondern aktiv genutzt werden – insbesondere von Familien und Kindern. Diese Haltung zeigt sich bis heute in Spielplätzen, weiten Rasenflächen und einem öffentlichen Gartentheater.
Kontinuität durch Gartendenkmalpflege
Nach Ariolis Pensionierung wurde der Park zwar weiterentwickelt, jedoch ohne übergeordnetes Konzept. Erst 2005 entstand mit dem «Leitbild Kannenfeldpark» ein erster strukturierter Beitrag zur langfristigen Pflege. Ein Meilenstein war die Erarbeitung eines umfassenden Parkpflegewerks im Jahr 2021 – initiiert und betreut von der Fachstelle Gartendenkmalpflege Basel.
Diese setzt sich seit vielen Jahren für die sorgfältige Weiterentwicklung des gartenkulturellen Erbes ein. Historische Strukturen werden dabei nicht museal konserviert, sondern in eine zeitgemässe Nutzung überführt, die den heutigen Bedürfnissen urbaner Gesellschaften entspricht.
Vorbildliche Balance zwischen Erbe und Zukunft
Die Herausforderungen sind vielfältig: Wie lässt sich historische Substanz bewahren, wenn gleichzeitig neue Spielräume, ökologische Anforderungen und soziale Ansprüche entstehen? Die Fachstelle Gartendenkmalpflege verfolgt einen integrativen Ansatz, bei dem Denkmalpflege, Biodiversitätsförderung und Klimaanpassung keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen. Der Kannenfeldpark ist damit nicht nur ein Ort mit Geschichte – er ist auch ein Labor für die Zukunft des öffentlichen Grüns.
Schulthess Gartenpreis
Der Schulthess Gartenpreis wird seit 1998 vom Schweizer Heimatschutz verliehen. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen in der Gartenkultur – sei es durch die Erhaltung und Pflege historischer Gärten und Parkanlagen oder durch die Gestaltung besonders qualitätsvoller zeitgenössischer Grünräume.
Der mit CHF 25’000.– dotierte Preis geht zurück auf ein Vermächtnis von Dr. Georg und Marianne von Schulthess-Schweizer aus Rheinfelden.
Auszeichnung durch den Schweizer Heimatschutz
Für dieses vorbildliche Engagement wurde die Stadt Basel mit dem Schulthess Gartenpreis 2025 ausgezeichnet. Der Schweizer Heimatschutz würdigt damit den achtsamen Umgang mit dem historischen Erbe, das durch kontinuierliche Pflege, vorausschauende Planung und fachliche Kompetenz lebendig gehalten wird.
Die Preisverleihung findet am 28. Juni 2025 in Basel statt – ein öffentliches Zeichen der Wertschätzung für eine herausragende gartenkulturelle Leistung, die Tradition und Gegenwart auf beispielhafte Weise verbindet.
Infobox: Kannenfeldpark Basel
- Lage: Basel, Stadtteil St. Johann
- Entstehung: Ursprünglich Friedhofanlage (19. Jahrhundert)
- Umgestaltung: Ab 1951 durch Stadtgärtner Richard Arioli
- Besonderheiten:
- Historische Wegachsen, Alleen und Portale erhalten
- Weitläufige Grünflächen mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen
- Gartentheater, Spielinseln, soziale Nutzung
- Pflegekonzept:
- Leitbild Kannenfeldpark (2005)
- Parkpflegewerk durch die Fachstelle Gartendenkmalpflege (2021)
- Denkmalpflegerischer Fokus:
- Erhalt historischer Strukturen
- Integration zeitgemässer Nutzungen
- Förderung von Biodiversität und Klimaanpassung
- Auszeichnung: Schulthess Gartenpreis 2025
- Preisverleihung: 28. Juni 2025, Basel
Quelle: Schweizer Heimatschutz
Bildquellen: Bild 1: => Schweizer Heimatschutz/Noah Santer; Bild 2 und Bild 3: => Schweizer Heimatschutz/Regula Steinmann; Bild 4 und Bild 5: Schweizer Heimatschutz/Noah Santer