Herzgesundheit neu gedacht: Wie ein winziger Sensor den Blutdruck im Herzen misst

Forschende und Ärzteteams machen derzeit grosse Fortschritte in der Behandlung von Herzkrankheiten. Ein besonders spannendes Projekt: Ein nur millimetergrosser Sensor, der in den Vorhof des Herzens eingesetzt wird und dort laufend den sogenannten «Vorhofdruck» misst.

Dieser neue Mikrosensor stammt vom Medizintechnikunternehmen Microtech, das zur Firma Medinol gehört, und wurde kürzlich erstmals erfolgreich in den USA implantiert.

Was ist der Vorhofdruck – und warum ist er wichtig?

Das Herz besteht aus vier Kammern: zwei Vorhöfen (oben) und zwei Hauptkammern (unten). Der sogenannte «Vorhofdruck» gibt an, wie viel Druck im oberen Teil des Herzens herrscht – dort, wo das Blut ankommt, bevor es in die Herzkammer weitergeleitet wird. Ein zu hoher Druck in den Vorhöfen kann ein Zeichen für Herzinsuffizienz (Herzschwäche) sein. Diese Krankheit betrifft viele Menschen, insbesondere im Alter, und kann zu Symptomen wie Atemnot, Müdigkeit oder Wassereinlagerungen führen.

Bislang war es schwierig, diesen Druck regelmässig und zuverlässig zu messen, da das Verfahren meist invasiv – also mit einem Eingriff – verbunden war. Genau hier kommt der neue Sensor ins Spiel.

Ein kleiner Sensor mit grosser Wirkung

Der neue Sensor ist extrem klein – kleiner als ein Reiskorn – und funktioniert ganz ohne Batterie, Elektronik oder Kabel. Stattdessen wird er durch Ultraschallwellen von aussen aktiviert. Das bedeutet: Er kann im Körper bleiben, ohne die Patientin oder den Patienten zu belasten. Die Daten können jederzeit kontaktlos von einem Arzt oder via Lesegerät ausgelesen werden.

Der Sensor kann entweder allein implantiert oder in ein bereits vorhandenes medizinisches Gerät eingebaut werden, zum Beispiel in eine sogenannte LVAD-Pumpe. Das ist ein mechanisches Gerät, das das Herz bei Menschen mit schwerer Herzschwäche unterstützt.


Was ist ein LVAD?

LVAD steht für «Left Ventricular Assist Device» – eine Pumpe, die die linke Herzkammer unterstützt. Sie wird vor allem bei Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz eingesetzt, deren Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen kann. Das Gerät hilft dem Herzen, besser zu arbeiten und entlastet es im Alltag.


Erste erfolgreiche Einsätze in den USA und Israel

Am 16. Mai 2025 wurden am renommierten NewYork-Presbyterian/Columbia University Irving Medical Center zwei dieser Sensoren erfolgreich eingesetzt. Die Operation wurde von Dr. Koji Takeda durchgeführt, einem erfahrenen Herzchirurgen, der auf Herztransplantationen spezialisiert ist.

Dr. Takeda berichtet: «Die Implantation war unkompliziert und dauerte nur etwa fünf Minuten. Das normale Verfahren für den Einbau der LVAD-Pumpe musste kaum angepasst werden.» Bereits zuvor wurden fünf Sensoren erfolgreich in Israel implantiert. Alle Tests verliefen positiv.

Was bringt der Sensor für Patientinnen und Patienten?

Dank des Sensors können Ärztinnen und Ärzte künftig in Echtzeit beobachten, wie sich der Druck im Herzen verändert – ohne dass die Patienten dafür jedes Mal ins Spital müssen. Das erlaubt eine viel genauere und individuellere Behandlung. Medikamente können besser angepasst werden, mögliche Komplikationen lassen sich früher erkennen und vermeiden.

Dr. Nir Uriel, Kardiologe und medizinischer Leiter der Studie, sagt: «Wir können nun den Druck im Herzen kontinuierlich messen, ohne den Patienten zu belasten. Damit rücken wir von einer Behandlung nach Symptomen hin zu einer Therapie, die sich an messbaren Werten orientiert.»

Studie mit 15 Teilnehmern in Israel und den USA

Die aktuelle Pilotstudie umfasst insgesamt etwa 15 Patientinnen und Patienten, die entweder in Israel oder in den USA am Sensorprojekt teilnehmen. Ziel ist es, die Sicherheit, Genauigkeit und Alltagstauglichkeit des Systems zu überprüfen. Die bisherigen Resultate machen Hoffnung auf eine breitere Anwendung in naher Zukunft.

Die Technik hat noch viel Potenzial

Langfristig planen die Entwickler, den Sensor in andere medizinische Geräte zu integrieren – zum Beispiel in Implantate zur Behandlung von anderen Krankheiten wie Wasserkopf (Hydrozephalus) oder grünem Star (Glaukom). Der grosse Vorteil: Solche kombinierten Geräte könnten gleichzeitig therapieren und überwachen.


Was ist ein Mikrosensor?

Ein Mikrosensor ist ein winziges Messgerät, das im Körper platziert wird, um dort wichtige Gesundheitsdaten zu erfassen. Er kann etwa den Blutdruck, den Blutzucker oder andere Werte messen – und diese Informationen drahtlos übermitteln. Mikrosensoren gelten als vielversprechende Zukunftstechnologie in der personalisierten Medizin.


Medinol – das Unternehmen hinter der Innovation

Medinol ist ein führendes Medizintechnikunternehmen mit Hauptsitz in Israel. Es entwickelt hochmoderne Geräte zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und setzt dabei stark auf neue Technologien und digitale Lösungen. Ihr Ziel ist es, mit möglichst wenig Belastung für die Patienten möglichst grosse Wirkung zu erzielen.

Fazit: Ein kleiner Sensor mit grosser Zukunft

Herzkrankheiten sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Neue Technologien wie der Vorhofdruck-Mikrosensor von Microtech könnten künftig helfen, diese Erkrankungen besser zu kontrollieren. Weniger Komplikationen, bessere Lebensqualität – und das ganz ohne ständige Spitalbesuche. Für viele Menschen mit Herzinsuffizienz könnte das ein echter Hoffnungsschimmer sein.

 

Quelle: Xund24.ch-Redaktion/Medinol
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