Römer in Gebenstorf: Archäologen entdecken gut erhaltene Grossbauten südlich der Limmat
von belmedia Redaktion Allgemein Bauwerke Denkmalpflege denkmalpflege-schweiz.ch Denkmalschutz News Projekte Schauplätze
Im Rahmen einer geplanten Überbauung südlich der Limmat in Gebenstorf dokumentierte die Kantonsarchäologie Aargau von April 2024 bis Mai 2025 römische Ruinen.
Darunter befinden sich aussergewöhnlich gut erhaltene Grossbauten mit möglichem Bezug zum Legionslager Vindonissa.
Spuren aus römischer Zeit
Bereits um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde das Gelände aufwendig eingeebnet, um Platz für einen ersten Grossbau aus Holz und Lehm zu schaffen. Die Fundlage weist auf eine Lagerhalle hin, die zur Zwischenlagerung von Waren diente, die via Limmat nach Vindonissa transportiert wurden. Besonders bemerkenswert ist ein Raum mit Mörtelboden und farbiger Wandmalerei – die gut erhaltenen Stampflehmwände und Malereireste konnten geborgen werden.
Steinbauten mit Struktur
Gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. ersetzten drei grosse Steinbauten den Holzbau. Sie wurden parallel errichtet, jeweils über 35 Meter lang. Der mittlere Bau verfügte über eine Kryptoportikus – ein halbunterirdischer Gang, der in den Hang führte. Die Gebäude wurden vermutlich als Logistikzentrum für das Legionslager Vindonissa genutzt.
Funde im Zeichen des Handels
Zwischen den Gebäuden entdeckten die Archäologinnen und Archäologen grosse Mengen Amphorenscherben – Überreste römischer Transportgefässe für Olivenöl, Wein und andere Produkte aus Südeuropa. Hinzu kamen zehn Bleigewichte, drei Steinwaagengewichte sowie zahlreiche Schreibgriffel – Indizien für ein administrativ genutztes Areal.
Verbindung zum Legionslager Vindonissa
Die archäologischen Hinweise sprechen dafür, dass das Areal als Umschlaglager der in Vindonissa stationierten Legionen diente. Nach dem Abzug der 11. Legion um 101 n. Chr. wurden die Bauten planmässig bis auf die Fundamente zurückgebaut. Danach geriet das Gebiet in Vergessenheit.
Nachbereitung und Ausblick
Die Ausgrabungen liefern wichtige neue Erkenntnisse zur römischen Infrastruktur in der Region. In den kommenden Monaten folgt eine wissenschaftliche Nachbearbeitung der Grabungsdaten. Eine Filmdokumentation zur Grabung ist für den Herbst geplant.
Quelle: Kantonsarchäologie, Kanton Aargau
Bildquelle: Kantonsarchäologie, Kanton Aargau