SBB-Regel bringt Super-League-Spielplan ins Wanken
von belmedia Redaktion #Schweizweit Betrieb Betrieb Bildung & Arbeit Business Dienstleistungen Fussball Infrastruktur Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Service soccer.ch Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Super League Themen Transport Verkehr Ⳇ Verbreitung
Die neue Regelung der SBB für Fan-Extrazüge hat plötzlich direkte Auswirkungen auf den Spielplan der Super League. Weil die Bahn nach späten Abendspielen nur noch dann reguläre Fanzüge einsetzt, wenn gleichzeitig auch der normale Zugverkehr noch läuft, könnten mehrere bereits angesetzte 20.30-Uhr-Partien vorverlegt werden. Beim Duell Lugano gegen YB ist dies bereits passiert – weitere Spiele könnten folgen.
Für Clubs, Liga, Polizei und Fans entsteht damit eine neue Herausforderung bei der Planung von Samstagabend-Spielen.
Besonders betroffen sind lange Auswärtsreisen, bei denen die Gästefans nach Spielende sonst nicht mehr mit einem regulären Zug nach Hause gelangen könnten.
Lugano gegen YB bereits auf 19 Uhr vorverlegt
Der erste konkrete Fall betrifft das Spitzenspiel zwischen dem FC Lugano und den Young Boys am Samstag, 12. September.
Ursprünglich sollte die Partie um 20.30 Uhr beginnen. Inzwischen hat die Swiss Football League den Anpfiff offiziell auf 19.00 Uhr vorverlegt.
Auslöser waren behördliche Vorgaben im Tessin.
Die Kantonspolizei sprach sich aufgrund der Sicherheits- und Transportsituation gegen die ursprünglich geplante Anspielzeit aus. Mit dem früheren Beginn soll gewährleistet werden, dass die YB-Anhänger nach dem Spiel mit einem Fan-Extrazug zurückreisen können.
Die Partie bleibt trotz der Änderung im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen.
Sion gegen Zürich könnte der nächste Fall werden
Damit dürfte das Problem allerdings nicht gelöst sein.
Bereits am Samstag, 19. September, steht mit Sion gegen den FC Zürich die nächste Partie um 20.30 Uhr auf dem Spielplan, bei der die lange Rückreise der Gästefans Schwierigkeiten verursachen könnte.
Auch das für den 10. Oktober angesetzte Duell zwischen Lugano und dem FC Luzern beginnt derzeit um 20.30 Uhr.
Nach aktuellen Informationen sind weitere Anpassungen der Anspielzeiten deshalb durchaus möglich.
Der FC Luzern signalisiert bereits Verständnis für eine Änderung. Wenn eine frühere Anspielzeit notwendig sei, damit ein Extrazug verkehren könne, würde der Club eine entsprechende Anpassung begrüssen.
SBB setzt klare Grenze für Fanzüge
Hintergrund ist eine Änderung, welche die SBB auf diese Saison eingeführt hat.
Fan-Extrazüge werden grundsätzlich weiterhin angeboten. Bei mindestens 400 Gästefans setzt die Bahn solche Züge auch künftig ein.
Neu gilt jedoch: Ein regulärer Fanzug fährt nur dann, wenn zu diesem Zeitpunkt auch noch normale Züge verkehren.
Besteht nach Spielende keine reguläre Verbindung mehr, können Clubs oder Fanorganisationen weiterhin einen Charterzug bestellen. Dieser muss jedoch separat organisiert und bezahlt werden.
Die SBB begründet die Anpassung unter anderem mit den hohen Kosten. Nach eigenen Angaben entstehen durch die Fan-Extrazüge jährlich ungedeckte Aufwendungen von mehr als CHF 4 Millionen.
Fanreisen sorgen seit Saisonstart für Diskussionen
Die neue Regelung hatte bereits zum Saisonauftakt für Spannungen gesorgt.
Nach dem GC-Auswärtsspiel in Lausanne reisten Zürcher Fans in einem regulären Zug. Dabei wurde mehrfach die Notbremse betätigt und ein Brandalarm ausgelöst. Insgesamt waren nach Angaben der SBB 85 Züge von den Folgen betroffen.
Die Hintergründe dieses Vorfalls und die Regeln für Fanreisen werden im Beitrag über Fussballfans, Extrazüge und den Missbrauch der Notbremse ausführlich erklärt.
Nun erreicht die Debatte allerdings eine neue Dimension.
Es geht nicht mehr nur darum, wie Fans zu Auswärtsspielen reisen. Die Transportmöglichkeiten können inzwischen sogar beeinflussen, wann Super-League-Partien angepfiffen werden.
Nach Lugano gegen YB dürften deshalb insbesondere die Spiele Sion gegen Zürich und Lugano gegen Luzern genau beobachtet werden.
Weitere Vorverlegungen sind derzeit nicht beschlossen – ausgeschlossen sind sie aber längst nicht mehr.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert