Schweiz verweigert U20-WM-Spiel gegen Russland
von belmedia Redaktion Allgemein Amerika Eishockey Magazine nachrichtenticker.ch Nachwuchs Nationalmannschaft News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch sportnachrichten.ch swisshockey.ch Themen Weltmeisterschaft Ⳇ Verbreitung
Die Schweiz zieht im Streit um die Rückkehr Russlands zum internationalen Eishockey eine klare Grenze. Der Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey hat entschieden, dass die U20-Nationalmannschaft an der kommenden Weltmeisterschaft in Kanada nicht gegen Russland antreten wird. Die Schweizer Junioren halten an ihrer WM-Teilnahme fest, verweigern unter den gegenwärtigen Umständen aber die vorgesehene Begegnung vom 27. Dezember 2026.
Der Entscheid folgt auf ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS vom 30. Oktober. Der Weltverband IIHF hat daraufhin die Wiedereingliederung Russlands eingeleitet und den teilnehmenden Nationen einen angepassten Spielplan zugestellt. Russland soll darin den Platz Norwegens übernehmen. Der Schweizer Verband begründet seinen Entscheid mit dem anhaltenden Krieg in der Ukraine und einer umfassenden Abwägung sportlicher, politischer und gesellschaftlicher Aspekte.
Besonders bemerkenswert ist der Positionswechsel von Swiss Ice Hockey unter Präsident Marc Lüthi. Noch am 5. November hatte der Verband die weiteren Schritte des Weltverbandes abwarten wollen. Nun steht für die U20-Auswahl fest, dass sie nicht gegen Russland spielen wird. Die Entscheidung fällt mitten in eine internationale Auseinandersetzung über die Rückkehr russischer Nationalmannschaften.
Schweizer Verband entscheidet nach Beratungen
Die Entscheidung fällt am Samstag, 7. November 2026, nach intensiven Beratungen im Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey. Neben sportlichen Gesichtspunkten berücksichtigt der Verband auch die politische Situation und mögliche gesellschaftliche Auswirkungen.
In die Entscheidungsfindung werden verschiedene Anspruchsgruppen des Schweizer Eishockeys einbezogen.
Der Verband unterscheidet ausdrücklich zwischen der Teilnahme an der Weltmeisterschaft und dem Verzicht auf eine einzelne Begegnung.
Die Schweizer U20-Auswahl soll ihre übrigen WM-Spiele wie vorgesehen bestreiten. Eine vollständige Absage der Turnierteilnahme steht nicht zur Diskussion.
Russland verdrängt Norwegen aus dem Spielplan
Auslöser der aktuellen Entwicklung ist das Urteil des CAS vom 30. Oktober 2026. Das Schiedsgericht hebt die Ausschlüsse russischer Nationalmannschaften für mehrere internationale Meisterschaften auf.
Der Eishockey-Weltverband widerspricht der Entscheidung inhaltlich, muss sich jedoch mit deren Umsetzung befassen.
Für die Junioren-Weltmeisterschaft 2027 hat die IIHF bereits einen konkreten Schritt eingeleitet.
Russland wird in der vorgesehenen neuen Einteilung auf Rang zehn eingestuft. Damit übernimmt die russische Auswahl den bisherigen Platz Norwegens.
Norwegen soll stattdessen in der Division I, Gruppe A, spielen.
Für die Schweizer Junioren ergibt sich daraus die Begegnung gegen Russland am Sonntag, 27. Dezember.
Kanada lehnt russische Teilnahme ebenfalls ab
Die Schwierigkeiten gehen über den Schweizer Entscheid hinaus. Kanada als Gastgeberland hat sich gegen eine Teilnahme Russlands ausgesprochen.
Premierminister Mark Carney erklärte, dass russische Nationalmannschaften unter den gegenwärtigen Umständen nicht an Wettbewerben auf kanadischem Boden teilnehmen sollen.
Damit entstehen zusätzliche Hindernisse bei der Einreise und der Durchführung der Weltmeisterschaft.
Der Weltverband muss die Anforderungen des CAS-Urteils mit den gesetzlichen, organisatorischen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen des Gastgeberlandes vereinbaren.
Noch ist nicht geklärt, ob und unter welchen Voraussetzungen die vorgesehene Wiedereingliederung Russlands tatsächlich stattfinden kann.
Was geschieht bei einem Schweizer Spielverzicht?
Sportlich könnte die Entscheidung erhebliche Auswirkungen haben. Bei einer regulären Weltmeisterschaft werden nicht ausgetragene Begegnungen grundsätzlich nach den geltenden Wettbewerbsbestimmungen behandelt.
Welche konkrete Regelung die IIHF im besonderen Fall einer verweigerten Begegnung anwenden würde, steht allerdings noch nicht fest.
Für die Schweizer Junioren könnten insbesondere die Punktevergabe und die Platzierung in der Vorrundengruppe relevant werden.
Auch eine mögliche Begegnung mit Russland in einer späteren Turnierphase müsste organisatorisch berücksichtigt werden.
Die IIHF steht damit vor der Aufgabe, einen rechtlich und sportlich tragfähigen Rahmen für die Durchführung des Turniers festzulegen.
Auch die Männer-WM 2027 ist betroffen
Die Auseinandersetzung betrifft nicht nur die Junioren. Das CAS-Urteil erfasst ebenfalls die Männer-Weltmeisterschaft im Mai 2027 in Deutschland sowie weitere internationale Nachwuchs- und Frauenwettbewerbe.
Mehrere europäische Verbände haben angekündigt, nicht gegen Russland antreten zu wollen. Dazu gehören Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen und Lettland.
Für die Schweizer A-Nationalmannschaft liegt dagegen noch kein entsprechender Verweigerungsentscheid vor.
Die unterschiedliche Ausgangslage zeigt, wie stark die konkreten Turnierbedingungen bei der Beurteilung durch Swiss Ice Hockey ins Gewicht fallen.
Der nächste Schritt liegt beim Weltverband. Er muss die Teilnahmebedingungen für die bevorstehende Junioren-WM klären, bevor das Turnier am 26. Dezember in Edmonton beginnt.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert