CHL kostet Davos einen sechsstelligen Betrag

Der HC Davos startet am Freitagabend in die Champions Hockey League – sportlich mit grossen Ambitionen, finanziell jedoch mit einem erheblichen Risiko. Der Rekordmeister rechnet durch seine Teilnahme am europäischen Wettbewerb mit einem Minus im tiefen sechsstelligen Bereich. Damit rückt unmittelbar vor dem ersten CHL-Spiel der Bündner eine grundsätzliche Frage in den Fokus: Lohnt sich Europas wichtigster Clubwettbewerb im Eishockey für die Teilnehmer überhaupt?

Für Davos beginnt die europäische Saison am Freitag mit dem Heimspiel gegen den norwegischen Meister Storhamar. Gleichzeitig empfängt Genève-Servette die Eisbären Berlin.

Schweizer Meister Fribourg-Gottéron hat bereits vorgelegt und am Donnerstagabend auswärts bei den Graz99ers mit 4:2 gewonnen.

Erst der Halbfinal bringt offenbar Geld

Das finanzielle Problem der Champions Hockey League besteht nicht erst seit dieser Saison.

Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass sich eine Teilnahme für viele Clubs erst dann wirklich rechnet, wenn sie mindestens den Halbfinal erreichen. Davor können Reise-, Hotel- und Organisationskosten höher ausfallen als die ausbezahlten Prämien.

Besonders aufwendig sind internationale Reisen mit einem kompletten Eishockeyteam. Neben Spielern und Trainern müssen Betreuer, Material und umfangreiche Ausrüstung transportiert werden.

Der HC Davos kalkuliert deshalb für die laufende CHL-Kampagne mit einem Verlust im tiefen sechsstelligen Bereich.

HCD-CEO Marc Gianola machte gegenüber SRF deutlich, dass frühere Teilnahmen den Club bereits viel Geld gekostet hätten.

Davos sieht trotzdem einen sportlichen Vorteil

Auf den Wettbewerb verzichten möchte Davos deshalb allerdings nicht.

Sportlich bietet die Champions Hockey League den Schweizer Teams Begegnungen mit Spitzenclubs aus Schweden, Finnland, Tschechien, Deutschland und weiteren europäischen Ligen.

Für den HCD beginnt die internationale Saison zudem vor dem Start der National League. Die intensiven Partien sollen der Mannschaft helfen, bereits auf einem hohen Wettkampfniveau in die Schweizer Meisterschaft zu gehen.

Gerade für Davos und Genève-Servette wird die Vorrunde allerdings auch logistisch anspruchsvoll. Beide Clubs müssen während der Ligaphase zweimal nach Schweden reisen.

Fribourg-Gottéron hat diesbezüglich ein günstigeres Programm. Der Schweizer Meister bestreitet zunächst zwei Spiele in Österreich und muss später nur noch nach Herning in Dänemark reisen.

Wie Gottéron am Donnerstag mit einem späten Schlussspurt seinen ersten Sieg holte, zeigt der Bericht über den 4:2-Erfolg von Fribourg-Gottéron bei den Graz99ers.

CHL steht vor entscheidenden Jahren

Die finanzielle Diskussion erhält zusätzliche Bedeutung, weil der europäische Wettbewerb vor einer wichtigen Weichenstellung steht.

2028 läuft der aktuelle Vertrag mit der Vermarktungsagentur Infront aus. Wie die wirtschaftliche Struktur der Champions Hockey League danach aussehen wird, ist öffentlich noch nicht geklärt.

Für die Clubs ist die Ausgangslage schwierig: Einerseits bietet der Wettbewerb internationale Sichtbarkeit und sportlich attraktive Begegnungen. Andererseits darf die Teilnahme nicht dauerhaft zu einem finanziellen Verlustgeschäft werden.

Gianola spricht sich deshalb grundsätzlich für den Fortbestand der Champions Hockey League aus, fordert gleichzeitig aber eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die beteiligten Vereine.

Für Davos zählt zunächst das Sportliche. Gegen Storhamar beginnt am Freitagabend die Jagd auf die ersten Punkte.

Doch unabhängig vom Resultat bleibt eine bemerkenswerte Tatsache: Selbst einer der bekanntesten und traditionsreichsten Eishockeyclubs der Schweiz muss für seine Teilnahme an Europas höchstem Clubwettbewerb mit einem sechsstelligen Minus rechnen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
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