Lawinen und Murgänge: Naturgefahren kosten die Schweiz immer mehr
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Berge Draussen lawine.ch Lawinen Magazine nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse Natur & Umwelt News Organisationen Orte Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen Unwetter wetter24.ch Wettereinsätze Ⳇ Verbreitung
Lawinen, Murgänge und andere Naturgefahren verursachen in der Schweiz immer wieder Schäden in Millionenhöhe. Besonders die Unwetter von 2024 und die Katastrophe von Blatten 2025 zeigen, welche finanziellen Folgen solche Ereignisse haben können. Gleichzeitig steigen die öffentlichen Ausgaben für Schutzbauten, Überwachung und Prävention.
Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL beziffert die Schäden durch Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse für 2024 auf rund 905 Millionen Franken. Für 2025 werden rund 430 Millionen Franken geschätzt, wobei die Katastrophe von Blatten den grössten Anteil ausmacht. Im vergleichsweise ruhigen Jahr 2023 waren es lediglich 75 Millionen Franken.
Auch die Vorsorge wird teurer. Bund, Kantone und Gemeinden investierten 2025 rund 755 Millionen Franken in den Schutz vor Naturgefahren, gegenüber 656 Millionen im Vorjahr. Allerdings werden Lawinenschäden in der genannten WSL-Unwetterstatistik nicht erfasst. Ein genereller jährlicher Anstieg sämtlicher Lawinen- und Murgangschäden lässt sich daraus nicht ableiten.
2024 wurde zu einem der teuersten Unwetterjahre
Das Jahr 2024 zeigt besonders deutlich, welche Kosten Naturereignisse verursachen können.
Heftige Niederschläge lösten im Wallis, im Misox und im Maggiatal schwere Überschwemmungen und Murgänge aus. Im Misox wurde die Autobahn A13 auf einer Länge von rund 200 Metern zerstört. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung blieb während zwei Wochen unterbrochen.
Auch Brienz im Berner Oberland wurde im August von einem gewaltigen Murgang getroffen. Die WSL bezeichnet 2024 als fünftteuerstes Jahr seit Beginn ihrer Schadensaufzeichnungen 1972.
Blatten prägt die Schadensbilanz 2025
Im Mai 2025 zerstörten gewaltige Gesteins- und Eismassen grosse Teile des Walliser Dorfes Blatten.
Der Bergsturz und der anschliessende Kollaps des Birchgletschers verursachten aussergewöhnliche Schäden. Auf dieses Ereignis entfallen rund 95 Prozent der geschätzten Schweizer Unwetterschadenssumme von 2025.
Die endgültigen Kosten sind noch nicht vollständig bezifferbar. Neben zerstörten Gebäuden müssen auch Verkehrswege, Versorgungseinrichtungen und weitere Infrastruktur berücksichtigt werden.
Das Ereignis zeigt, wie stark einzelne Katastrophen die nationale Schadensbilanz beeinflussen.
Auch der Schutz vor Naturgefahren wird teurer
Die Schweiz investiert jährlich erhebliche Mittel in die Prävention.
Dazu gehören Lawinenverbauungen, Schutzdämme, Wildbachsicherungen, Steinschlagnetze und die Pflege von Schutzwäldern.
Während die öffentlichen Ausgaben 2024 rund 656 Millionen Franken betrugen, stiegen sie 2025 auf 755 Millionen Franken.
Im Mai 2026 beantragte der Bundesrat zusätzliche 27 Millionen Franken für den Verpflichtungskredit zum Naturgefahrenschutz. Besonders die Projekte Braunwald und Brienz/Brinzauls weisen einen höheren Finanzierungsbedarf auf.
Warum das Schadenpotenzial hoch bleibt
Nicht allein die Häufigkeit von Naturereignissen bestimmt die Kosten.
Wenn ein Murgang eine Bahnlinie, ein Gewerbegebiet oder eine wichtige Strasse trifft, können bereits einzelne Ereignisse enorme Schäden verursachen.
Hinzu kommen klimatische Veränderungen. Starkniederschläge, Gletscherrückgang und auftauender Permafrost verändern die Gefahrenlage in verschiedenen Alpenregionen.
Das bedeutet nicht, dass alle Lawinenarten häufiger werden. Vielmehr verändern sich die Risiken je nach Höhenlage, Gelände und Jahreszeit.
Prävention verhindert grössere Schäden
Schutzmassnahmen verursachen zunächst Kosten, können aber erheblich höhere Schäden verhindern.
Schneebrücken stabilisieren gefährdete Lawinenhänge. Schutzdämme und Rückhaltebauwerke können bewegte Schnee- oder Geröllmassen bremsen beziehungsweise auffangen.
Auch automatische Alarmanlagen bei Lawinen und Murgängen spielen eine wichtige Rolle. Sie können gefährliche Bewegungen erkennen und rechtzeitig Sperrungen oder Warnungen auslösen.
Solche Massnahmen schützen besonders gefährdete Siedlungen, Verkehrswege und touristische Anlagen.
Steigende Kosten verlangen langfristige Planung
Die Entwicklung der vergangenen Jahre liefert keine gleichmässig steigende Schadenskurve. Sie zeigt vielmehr, wie stark einzelne Grossereignisse die Kosten beeinflussen.
Fest steht dagegen, dass die öffentlichen Schutzausgaben zuletzt deutlich gestiegen sind.
Für die Schweiz wird deshalb entscheidend sein, bestehende Schutzbauten zu unterhalten, gefährdete Standorte frühzeitig zu erkennen und neue Risiken bei der Raumplanung zu berücksichtigen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert