Unbekannte Sportarten mit Kultpotenzial: Vom Beckenboden bis zum Boxring

Es gibt eine Welt jenseits von Handballhallen und Fussballplätzen – und sie ist überraschend kreativ, intensiv und manchmal völlig verrückt.

Einige Sportarten spielen sich unter Wasser ab, andere auf Rollschuhen oder im Boxring mit einem Schachbrett daneben. Sie sind im Westen entstanden, doch noch immer fast unbekannt. Der folgende Artikel stellt fünf faszinierende, aber selten praktizierte Sportarten vor, die alle eines gemeinsam haben: Sie fordern Körper und Geist gleichermassen heraus.

Roller Derby – Vollkontakt auf vier Rollen

Roller Derby entstand in den USA der 1930er-Jahre als rasante Unterhaltungsshow – heute ist es eine ernste, organisierte Sportart mit globalen Ligen. Gespielt wird auf einer Ovalbahn mit zwei Teams aus je fünf Skaterinnen. Die sogenannte „Jammerin“ eines Teams sammelt Punkte, indem sie gegnerische Spielerinnen überrundet, während die anderen als Blockerinnen agieren – mit erlaubt aggressiver Körperarbeit.

  • Jedes Team hat eine Jammerin und vier Blockerinnen
  • Kontakt ist erlaubt – allerdings mit klaren Regeln
  • Ein Spiel dauert 2 x 30 Minuten, unterteilt in „Jams“


Die Community legt grossen Wert auf Inklusion, Diversität und Selbstorganisation – viele Teams arbeiten basisdemokratisch und fördern LGBTQ+-freundliche Strukturen.


Schweiz-Szene: In Zürich, Bern, Lausanne und Basel gibt es aktive Roller Derby Teams. Sie nehmen an Turnieren in ganz Europa teil – oft in aufwändigen Kostümen und mit starken Teamidentitäten.

Underwater Hockey – Puckjagd unter der Oberfläche

Underwater Hockey – auch „Octopush“ genannt – ist eine internationale Randsportart mit faszinierendem Setting: Gespielt wird in einem Schwimmbecken mit Flossen, Schnorchel und einem kurzen Schläger. Ein bleierner Puck muss entlang des Beckenbodens ins gegnerische Tor geschoben werden – möglichst in der kurzen Zeitspanne, die ohne Luft auskommt.

Die Besonderheit: Alle Spieler tauchen regelmässig auf, um Luft zu holen – was das Spiel in Wellenbewegungen unter Wasser verwandelt.

  • Teamgrösse: 6 auf dem Feld, bis zu 4 Ersatzspieler
  • Spielzeit: 2 x 15 Minuten
  • Funktioniert nur mit absoluter Teamkoordination

Weltweit wird Underwater Hockey durch die CMAS organisiert – mit Meisterschaften auf allen Kontinenten.

Schachboxen – Intelligenz schlägt nicht immer Kraft

Kaum eine Sportart ist so widersprüchlich wie Schachboxen – und genau deshalb so faszinierend. In elf Runden wechseln sich Schach (6 Runden) und Boxen (5 Runden) ab. Gewonnen wird durch Knock-out, Schachmatt oder Punkte. Wer im Ring zu sehr einsteckt, ist geistig zu benebelt für das Schachbrett – wer im Kopf verliert, rettet sich vielleicht mit einem K.O.

  • Runden: 3 Minuten Schach, 3 Minuten Boxen im Wechsel
  • Siegbedingungen: Schachmatt, technisches K.O., oder Punktsieg
  • Erfunden vom Berliner Künstler Iepe Rubingh

Mittlerweile gibt es Weltmeisterschaften – u. a. in Berlin, London und Kalkutta. Die Kombination aus mentaler Strategie und körperlichem Kampf ist einzigartig.


Taktiktipp: Wer im Schach auf Zeit spielt, darf sich im Boxen keinen Durchhänger leisten – die Uhr läuft weiter. Ein schneller Zug vor dem Gong kann entscheidend sein.

Bossaball – Akrobatik im Takt der Musik

Bossaball vereint Volleyball, Fussball, Trampolinspringen – und Musik. Gespielt wird auf einem aufblasbaren Spielfeld mit zentralem Trampolinbereich, auf dem sich spektakuläre Luftsprünge abspielen. Die Spieler schlagen oder treten den Ball über ein hohes Netz. Ein DJ sorgt währenddessen für Stimmung – und bewertet teilweise sogar die Kreativität der Spielzüge.


Bossaball in Sofia, Bulgaria on 1 July 2017

  • 4 bis 5 Spieler pro Team
  • Ballberührungen mit Hand, Arm, Fuss oder Kopf erlaubt
  • Herkunft: Spanien, populär in Brasilien, den Niederlanden, Deutschland

Bossaball ist Show, Sport und Festival zugleich – mit Potenzial für internationale Events in Küstenregionen und auf Open-Air-Flächen.

Ein neuer Sport: Jugger

Jugger ist eine moderne Sportart, inspiriert vom Endzeitfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“. Sie kombiniert Elemente aus Fechten, Rugby und taktischem Spiel. Zwei Teams kämpfen mit gepolsterten Waffen um den „Jugg“ – eine Art Spielball, der ins gegnerische Ziel gebracht werden muss. Spieler dürfen nur laufen, solange sie nicht markiert (getroffen) wurden – danach sind sie für einige Sekunden „aus dem Spiel“.

  • Spielzeit: 2 x 100 Steinschläge (mit Trommel gemessen)
  • Waffentypen: Stab, Q-Tip, Schild, Kurzschwert, Kette
  • Herkunft: Deutschland, inzwischen in vielen Ländern aktiv

Jugger verbindet Fantasie und Sport in einem wettkampffähigen Rahmen – mit viel Fairplay und spektakulären Bewegungen.


In der Schweiz: Aktive Jugger-Gruppen gibt es u. a. in Luzern und Winterthur – oft mit offenem Training für Einsteiger.

Fazit: Nischen mit Niveau

Diese fünf Sportarten sind keine Scherzdisziplinen, sondern ernsthafte, taktisch und körperlich anspruchsvolle Spiele mit Kultcharakter. Sie zeigen: Auch jenseits medialer Präsenz gibt es Sportarten, die Menschen zusammenbringen, fordern und faszinieren – sei es unter Wasser, im Ring oder auf der Trampolinfläche. Wer das Alltägliche satt hat, findet hier garantiert neue Inspiration.

 

Quelle: sportaktuell.ch-Redaktion
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