Kreislaufwirtschaft im Wandel der Zeit: Von der Steinzeit bis zur Moderne

Nach erfolgreicher Präsentation im Landesmuseum Zürich zeigt nun das Forum Schweizer Geschichte Schwyz eine faszinierende Ausstellung über die Methoden der Kreislaufwirtschaft − von der Steinzeit bis in die Gegenwart.

Obwohl der Begriff relativ jung ist, gibt es die Kreislaufwirtschaft schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Auch unsere Vorfahren haben Abfall produziert und die Umwelt verschmutzt. Vor der heutigen Wegwerf- und Konsumgesellschaft bestimmten aber Mangel und Knappheit, wie mit Gegenständen und Ressourcen umgegangen wurde. Wo immer möglich, wurde recycelt, repariert, umgearbeitet oder weiterverwendet.


Das zweite Leben der Dinge. Stein, Metall, Plastik
Blick in die Ausstellung – Schweizerisches Nationalmuseum





Die Ausstellung präsentiert eindrückliche Objekte, die geflickt, wiederverwendet und über Generationen hinweg geschätzt wurden. Sie schärft damit das Bewusstsein für den Wert eines zweiten Lebens der Dinge − ein Thema, das gerade heute wieder höchst aktuell ist.


Dieser mittig auseinandergebrochene Keramikteller wurde mittels Metallklammern geflickt. Zunächst bohrte man Löcher, um die Klammern anzubringen. Danach konnten Löcher und Risse mit Kitt abgedichtet werden. Auf ähnlich Weise wurden Keramikgefässe schon in prähistorischer Zeit repariert. Langnau im Emmental BE, um 1800-1830.

Skulpturen wie diese schmückten einst private Villen. Möglicherweise ging sie kaputt oder entsprach nicht mehr dem Geschmack des Hausherrn. Sie endet als Baumaterial in den Mauern des spätrömischen Kastells von Augusta Raurica. Kaiseraugst AG, 200–260 n. Chr., Kalkstein.

Innenansicht einer Bauernstube am Abend: Um den Familientisch versammelt sind mehrere Personen mit typischen Feierabendarbeiten beschäftigt. Zwei Frauen führen Handarbeiten aus: Eine näht, die andere spinnt Garn. Zwei Männer sind am Reparieren von Werkzeug: Neue Holzzinken für einen Rechen werden geschnitzt und eingesetzt. Druckgrafik, wohl Jakob Kaiser, wohl Luzern LU, um 1850.

Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wird so viel wie möglich wiederverwendet. Vor allem Frauenorganisationen leisten einen grossen Beitrag beim Sammeln von verwertbaren Materialien. Frauen der Zürcher Frauenzentrale bei der Sammelaktion für kinderreiche Familien, Zürich, 1943.

Ein nicht ganz gewöhnlicher Angelhaken: Der vasenförmige Zierkopf verrät, dass er einst eine Gewandnadel war. Solche Nadeln dienen in der Bronzezeit als Schmuck und fixieren Mäntel, Umhänge oder andere lose Kleidungsstücke. Zürich-Alpenquai, um 900 v. Chr.

Die Ausstellung zeigt, wie Menschen Ressourcen von der Steinzeit bis in die Moderne clever nutzten: Lochaxtfragmente, die sekundär als Beilklinge oder Klopfstein Verwendung fanden, das Metalllager einer eisenzeitlichen Bronzewerkstatt oder eine Wiege aus dem 17. Jahrhundert, die über Generationen in der Zürcher Grossfamilie Waser weitergegeben wurde.

Besonders interessant ist der Umgang mit Textilien vor der industriellen Massenproduktion: So gaben Hausherren getragene Kleider erst an ihre Angestellten weiter, danach nutze man die Textilien als Lumpen für die Papierproduktion. Ebenso erhielt kostbare Kleidung von Adligen eine neue Funktion: als liturgischen Gewändern oder Altartücher in Kirchen und Klöstern.


Der Schweizer Künstler Jean Tinguely sammelt Dinge auf Schrottplätzen und Müllhalden und konstruiert daraus seine von Dada inspirierte Kunst. Die meisten seiner Skulpturen enthalten einen Elektromotor, damit sie sich bewegen und – als ein wesentliches Element seiner Kunst – auch Geräusche hervorbringen. Heureka, Skulptur aus Eisenschrott, Jean Tinguely (1925-1991), Zürich, 1963-1964, Fotografie.

Im Auftrag des «Bureaus für Altstoffwirtschaft» gestaltet der Grafiker Hans Anton Tomamichel (1899-1984) Informationstafeln. Er zeigt anhand von Zinntuben, Konservenbüchsen, Stoff und Knochen, welch grosse Mengen der jeweiligen Rohstoffe vor dem Krieg noch im Abfall landen und nun gesammelt werden sollen. «Altstoffe und Abfälle sammeln», Entwurf, Hans Anton Tomamichel, 1939/40.

Dieses Tagesdeckenfragment mit drei übereinanderliegenden Stoffschichten zeugt von äusserst sparsamen Zeiten, in denen man trotz Modebewusstsein nichts wegwirft. Es versteht sich von selbst, dass man solche Decken mit Stoffresten flickt und diese nach erneutem Verschleiss auch weitere Male übernäht. Fragment einer Decke, Indien und Frankreich, diverse Manufakturen, 18./19. Jahrhundert, Baumwolldruck, Indienne.

Dass auch Uniformen geflickt werden, zeigt eine Darstellung des 3. Schweizer Regiments während der Napoleonischen Kriege: Der Offizier im Marschtenue rechts im Bild trägt eine graue, abgetragene Hose mit Flicken im Schritt und an den Knien. Sein Rock ist ausgebleicht. Handzeichnung, um 1808.

Während früher die Ressourcenknappheit der Antrieb für innovative Wiederverwendung war, zwingen uns heute Überproduktion und Umweltbelastung zum Umdenken. Moderne Technologien bieten dabei neue Chancen: Vom internetbasierten Tausch gebrauchter Gegenstände bis zum kreativen Upcycling in der zeitgenössischen Mode.

Die Ausstellung selbst setzt ein Zeichen für Nachhaltigkeit: Viele ihrer Bauelemente stammen aus vergangenen Ausstellungen oder werden in künftigen wiederverwendet. Sie ist vom 7. Dezember 2024 bis 27. April 2025 im Forum Schweizer Geschichte Schwyz zu sehen.

 

Quelle: Forum Schweizer Geschichte Schwyz | Schweizerisches Nationalmuseum
Bildquelle: Schweizerisches Nationalmuseum