Archäologische Funde bringen Klarheit zur Bauweise des 2100 Jahre alten Keltenwalls

Bei archäologischen Ausgrabungen an der Rittergasse 4 konnten wichtige neue Erkenntnisse zur Holzkonstruktion des rund 2100 Jahre alten, spätkeltischen Murus Gallicus gewonnen werden. Die in den Sommerferien beginnenden Bauarbeiten zur Umgestaltung der Archäologischen Informationsstelle „Basel, 80 v. Chr. Murus Gallicus – Der Keltenwall“ erforderten vorgängig archäologische Untersuchungen.

Geplant sind ein unterirdischer Besucherraum, der von der Rittergasse aus zugänglich ist, und zwei Baukörper, welche die Höhe und den Verlauf des Keltenwalls aufnehmen.

Der Murus Gallicus stellt die erste massive Befestigung des Münsterhügels dar. Er steht am Anfang einer kontinuierlichen Entwicklung der Stadt Basel. Vor rund 2100 Jahren entstand im Schutze dieses sechs Meter hohen Walls und eines 30 Meter breiten Grabens eine keltische Siedlung. Im Untergrund des Pausenplatzes der Primarschule Rittergasse liegen die Überreste dieser spätkeltischen Wehranlage. Bisher war die Präsentation der Fundstelle mit der Pausenhof-Nutzung nur begrenzt kompatibel, weshalb eine Umgestaltung notwendig wurde.


Eindrücklich zeigt sich in den Erdschichten die verkippte Mauerfront des Murus Gallicus. Im Hintergrund ist die ehemalige Informationsstelle zu sehen. Foto: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Diese schafft nun Abhilfe: Die archäologische Stätte wird räumlich vom Schulbetrieb getrennt und für Besucherinnen und Besucher direkt von der Rittergasse aus zugänglich gemacht.

Neue Erkenntnisse zum keltischen Wall

Bei den Ausgrabungen wurde ein Stück des Wallkörpers inklusive Reste diverser Holzkonstruktionen entdeckt, die präzisere Aufschlüsse zur Bauweise der Befestigungsanlage liefern. Bisher war unklar, ob der Murus Gallicus mehrere Bauphasen aufweist oder in einem Stück gebaut wurde und anschliessend relativ rasch wieder verfallen war. Die Holzkonstruktionen könnten nun Aufschluss darüber liefern.


Bei der aktuellen Ausgrabung am Murus Gallicus kamen im Innern des Erdwalls verkohlte Hölzer und etwa 30 Zentimeter lange Eisennägel zum Vorschein. Sie gehörten zu einem Holzgerüst, das mit den Nägeln fixiert wurde. Foto: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Die Reste der Holzbalken bestehen aus mehreren Längs- und Querankerbalken, die bereits in der Eisenzeit im Feuer gehärtet wurden, vermutlich um sie länger haltbar zu machen. Um diese wertvollen archäologischen Zeugnisse im Labor untersuchen zu können, haben die Mitarbeitenden der Archäologischen Bodenforschung die Balkenreste eingegipst und als Blöcke geborgen. Die Hölzer wurden mittels eines Computertomographen geröntgt. Dies erlaubte es, die Jahrringe zu erkennen. Leider erfüllte sich die Hoffnung einer jahrringgenauen Datierung des Walls nicht. Bisher war die Anzahl der Jahrringe zu gering, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu gewinnen.


Über den keltischen Schichten kamen auch römische Funde zum Vorschein. Das Ausgrabungsteam legt einen Balken von einem römischen Gebäude frei. Foto: David Roth, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Handwerklich genutzter Platz am Rande der Siedlung

Während der Ausgrabung wurde auch die Berme, ein flacher Streifen von rund sechs Metern zwischen dem Wall und Graben tangiert. Hier konnten die Archäologinnen und Archäologen diverse handwerkliche Aktivitäten, wie etwa das Schmieden nachweisen. Solche Aktivitäten wurden in der Eisenzeit manchmal am Rand der Siedlungen ausgeführt, vermutlich aus Brandschutzgründen.


Für eine gute Drainage verbauten die Kelten zuunterst im Erdwall eine Packung Steine zwischen den Balken der Holzarmierung. Foto: Melvin Schär, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Nutzung in römischer Zeit und im frühen Mittelalter

Auch nach der Eisenzeit wurde dieser zentrale Ort weiterhin rege genutzt. In römischer Zeit wurde der Wall zusehends planiert, und es entstand eine kleine dörfliche Siedlung im südlichen Vorfeld des Grabens. Erst um 300 n. Chr. bauten die Römer in unmittelbarer Nähe des ursprünglichen keltischen Walls wiederum eine Befestigungsanlage und nutzten auch den bereits bestehenden Graben zu ihrem Vorteil. Im Mittelalter wurde der Ort als Siedlungsplatz und später auch als Bestattungsort genutzt.


Das Areal war auch in nachrömischer Zeit besiedelt, wie der Fund eines Grubenhauses zeigt. Grubenhäuser sind halb in den Boden eingetiefte, einräumige Gebäude, die zum Beispiel zum Weben oder als Lagerraum genutzt wurden. Foto: David Roth, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Ausblick auf die umgestaltete Archäologische Informationsstelle

Die Informationsstelle wird ab September 2027 über einen Eingang direkt von der Rittergasse zu erreichen sein. Im unterirdischen Besucherraum können die archäologischen Funde und Befunde zur keltischen Befestigungsanlage aus unmittelbarer Nähe betrachtet werden. Oberirdisch verdeutlichen zwei Baukörper die Höhe und den Verlauf des spätkeltischen Verteidigungswalls. Herzstück der Ausstellung wird eine mediale Präsentation sein, welche die Geschichte des Murus Gallicus anhand eines erlebnisorientierten szenografischen Vermittlungskonzepts eindrücklich erlebbar macht.


Die bronzene Fibel mit Glaskalotte wurde im 1. Jahrhundert wohl von einer Römerin als dekorative Brosche getragen. Foto: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Kleiner Schreibgriffel aus Knochen. Mit solchen stili wurden in römischer Zeit Buchstaben in die Wachsflächen von Schreibtäfelchen eingeritzt. So konnten Notizen gemacht und Botschaften versendet werden. Foto: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Um die verkohlten Holzbalken im Labor untersuchen zu können, haben die Mitarbeitenden der Archäologischen Bodenforschung die Balkenreste mit Gipsbinden gefestigt und als Blöcke geborgen. Foto: David Roth, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

 

Quelle: Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt
Bildquellen: Bild 1: Melvin Schär, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt; sonstige Bilder: siehe Bildlegenden