Sabotage am deutschen Stromnetz – Behörden prüfen Zusammenhang zwischen Angriffen
von belmedia Redaktion Betrieb Deutschland Europa Infrastruktur Kriminalität Magazine nachrichtenticker.ch News Organisationen Orte Polizeinews Regionen Schweiz sicherheit.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Innerhalb weniger Stunden sind in Deutschland zwei Anlagen der Stromversorgung offenbar gezielt angegriffen worden. Nach Vorfällen bei Jänschwalde in Brandenburg und in Bergheim bei Köln ermitteln die Sicherheitsbehörden wegen schwerer Sabotagedelikte. In Brandenburg besteht sogar der Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Ein Zusammenhang zwischen beiden Taten wird geprüft.
Trotz der Angriffe blieb die allgemeine Stromversorgung nach bisherigen Angaben stabil. Weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen kam es zu einem grossflächigen Stromausfall.
Wer hinter den Taten steckt und welches Motiv die Täter hatten, ist bislang völlig offen.
Raketenähnliche Vorrichtungen bei Jänschwalde
Der erste Vorfall wurde am Dienstagmorgen beim Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neisse bekannt. Die Anlage liegt in unmittelbarer Nähe des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde und ist für die regionale und überregionale Verteilung des dort erzeugten Stroms von Bedeutung.
Nach Angaben der Polizei wurden im Bereich der Stromleitungen zahlreiche verdächtige Vorrichtungen entdeckt. Dabei handelte es sich um raketenähnliche Konstruktionen mit Treibsätzen.
Offenbar sollten damit elektrisch leitfähige Materialien in Höchstspannungsleitungen geschossen werden, um Kurzschlüsse zu verursachen. In mindestens zwei Fällen gelang es den Tätern tatsächlich, leitfähiges Material in die Leitungen einzubringen.
Am Mittwoch suchten Einsatzkräfte das weitläufige Gelände weiter nach Spuren und weiteren Gegenständen ab.
Die Brandenburger Polizei ermittelt unter anderem wegen Störung öffentlicher Betriebe, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel sowie wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung.
Nur Stunden später Angriff bei Köln
Am Dienstagabend kam es rund 600 Kilometer entfernt zu einem zweiten ähnlichen Vorfall. Im Umspannwerk Bergheim-Rheidt westlich von Köln verursachten Unbekannte einen Kurzschluss.
Nach den bisherigen Ermittlungen wurden Kabel beziehungsweise Drähte gezielt über Stromleitungen gebracht. Mehrere Leitungen fielen aus und auch Kraftwerksblöcke mussten vorübergehend heruntergefahren werden.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul machte am Mittwoch deutlich, dass die Behörden nicht mehr von einem technischen Defekt ausgehen. Es bestehe der Anfangsverdacht einer verfassungsfeindlichen Sabotage.
Die Ermittler prüfen nach seinen Angaben sowohl einen möglichen linksextremistischen Hintergrund als auch die Möglichkeit einer fremdstaatlich gesteuerten Sabotage.
Ermittler vergleichen beide Tatorte
Aufgrund der zeitlichen Nähe und der ähnlichen Vorgehensweise stehen die Behörden in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen inzwischen miteinander in Kontakt. Ob tatsächlich dieselben Täter oder eine gemeinsame Organisation hinter beiden Angriffen stehen, ist jedoch noch nicht geklärt.
Angriffe auf die Stromversorgung beschäftigen die deutschen Sicherheitsbehörden bereits seit längerem. Nach einem Brandanschlag auf die Strominfrastruktur in Berlin waren Anfang Januar zeitweise Zehntausende Haushalte ohne Elektrizität.
Die jüngsten Fälle rücken nun erneut die Sicherheit kritischer Infrastruktur in den Mittelpunkt. Besonders brisant ist, dass die Täter offenbar mit vergleichsweise einfachen Konstruktionen versucht haben, zentrale Hochspannungsanlagen zu beschädigen.
Bislang gibt es weder Hinweise auf konkrete Tatverdächtige noch ein Bekennerschreiben. Die Polizei bittet mögliche Zeugen um Hinweise und setzt die Spurensuche an beiden Tatorten fort.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert