Italien schon wieder in der Krise – Pfiffe, Frust und ein Fehlstart für Mancini

Italien wollte unter Roberto Mancini einen Neustart einleiten – der erste Auftritt endete jedoch in einem ernüchternden 0:2 gegen Belgien. Die Azzurri wurden bereits zur Pause und erneut nach dem Schlusspfiff ausgepfiffen. Noch schwerer wiegt, dass sich viele der alten Probleme sofort wieder zeigten: wenig Tempo, wenig Durchschlagskraft, Unsicherheit im Aufbau und eine Nationalmannschaft, die längst um die Verbindung zu ihren eigenen Fans kämpft.

Belgien war im ersten Durchgang klar besser und hätte nach mehreren guten Möglichkeiten durchaus höher führen können. Italien wirkte gegen das hohe Pressing unsicher, verlor zu viele Bälle im Zentrum und fand offensiv kaum Lösungen. Auch Debütant Alessandro Romano erwischte einen schwierigen Abend. Sein Ballverlust leitete das 0:1 ein, später wurde er ausgewechselt.

Damit steht Mancini nach nur einem Spiel seiner zweiten Amtszeit bereits wieder unter erheblichem Druck. Erst wenige Tage zuvor hatte er angekündigt, Italien wieder dauerhaft an die internationale Spitze führen zu wollen. Der erste Auftritt erinnerte jedoch vielmehr an jene Probleme, die die Azzurri bereits in den vergangenen Jahren begleitet haben.

Belgien hätte noch deutlicher gewinnen können

Italien begann zwar engagiert, verlor danach aber rasch die Kontrolle.

Belgien übernahm mit viel Ballbesitz und aggressivem Pressing das Kommando. Die Gäste kamen bereits früh zu guten Möglichkeiten und zwangen Gianluigi Donnarumma mehrfach zum Eingreifen.

Mika Godts brachte Belgien schliesslich verdient in Führung. Italien tat sich danach weiterhin schwer, kontrolliert aus der eigenen Hälfte zu kommen.

Nach der Pause wurde Italien etwas mutiger und kam zu mehr Ballbesitz. Wirklich zwingend wurde die Mannschaft aber auch dann nur selten.

Dodi Lukebakio entschied die Partie schliesslich mit dem 2:0.

Romanos Debüt wird zum Sinnbild des Abends

Besonders im Mittelpunkt stand Alessandro Romano.

Mancini stellte den jungen Mittelfeldspieler bei dessen Debüt direkt ins Zentrum. Das sollte Mut signalisieren und den angekündigten Generationswechsel unterstreichen.

Der Plan ging jedoch nicht auf.

Romano verlor mehrfach unter Druck den Ball und war auch beim ersten Gegentreffer beteiligt. Nach der Pause wurde er ausgewechselt.

Das allein macht den jungen Spieler nicht zum Verantwortlichen für die Niederlage. Vielmehr zeigte sein Auftritt, wie riskant es ist, junge Spieler in eine Mannschaft zu werfen, der derzeit selbst Stabilität und klare Automatismen fehlen.

Über Romanos geplantes Azzurri-Debüt und Mancinis Vertrauen in den ehemaligen Schweizer Nachwuchsinternationalen hatten wir bereits vor der Partie berichtet.

Pfiffe schon zur Pause

Besonders alarmierend war die Reaktion des Publikums.

Bereits nach den ersten 45 Minuten begleiteten Pfiffe die Mannschaft in die Kabine. Nach dem Schlusspfiff wurde die Stimmung nochmals deutlicher.

Mancini nahm die Reaktion zur Kenntnis und verteidigte gleichzeitig Teile der Leistung nach der Pause.

Doch genau darin liegt eines der Probleme.

Italien misst sich längst nicht mehr nur am Resultat eines einzelnen Spiels. Nach drei verpassten Weltmeisterschaften in Serie geht es um Glaubwürdigkeit, Identität und darum, ob die Mannschaft überhaupt wieder Begeisterung auslösen kann.

Die Distanz zwischen Mannschaft und Fans wird grösser

Die Entfremdung zwischen Nationalmannschaft und Publikum ist inzwischen auch in Italien selbst ein grosses Thema.

Die grossen Sportmedien diskutieren seit Monaten darüber, dass die Azzurri deutlich weniger Begeisterung auslösen als frühere Generationen.

Das lässt sich nicht seriös auf alle Italiener übertragen. Die Pfiffe im Olimpico und die öffentliche Diskussion zeigen aber deutlich, dass die emotionale Verbindung gelitten hat.

Die Gründe sind vielfältig: drei verpasste Weltmeisterschaften, häufige Trainer- und Führungswechsel, Probleme bei der Nachwuchsentwicklung, weniger italienische Stammspieler bei Spitzenklubs und die Erinnerung an Mancinis abrupten Abgang 2023.

Auch Malagò startete nicht unbelastet

Der Druck betrifft nicht nur Mancini.

Giovanni Malagò wurde zum neuen FIGC-Präsidenten gewählt, doch seine Wahl bedeutete keineswegs einen unbelasteten Neustart.

Schon während des Wahlkampfs gab es Kritik an seiner Kandidatur. Auch seine Gegenkandidaten überzeugten Teile der Öffentlichkeit nicht. Das verstärkte den Eindruck, dass der italienische Fussball weiterhin stark von bekannten Funktionären und über Jahre gewachsenen Machtstrukturen geprägt wird.

Malagò selbst war bereits während seiner langen Zeit an der Spitze des CONI eine der einflussreichsten Figuren im italienischen Sport.

Nun soll ausgerechnet er den tiefgreifenden Neustart des Fussballverbandes organisieren.

Ein System, das sich nur langsam erneuert

Hinter der aktuellen Krise steckt deshalb mehr als nur ein schwaches Spiel.

Der italienische Fussball wird seit Jahren für seine schwerfälligen Strukturen kritisiert. Viele Führungspositionen werden über Verbände, Ligen, Klubs und verschiedene Interessengruppen verteilt.

Reformen dauern lange und personelle Wechsel führen nicht automatisch zu neuen Ideen.

Gerade deshalb entsteht in der Öffentlichkeit immer wieder der Eindruck, dass dieselben Funktionäre von einem Amt ins nächste wechseln.

In Italien fällt in diesem Zusammenhang regelmässig der Begriff der «poltrone» – der politischen und sportlichen Sessel, an denen Funktionäre möglichst lange festhalten würden.

Das ist eine zugespitzte öffentliche Kritik, beschreibt aber den Vertrauensverlust, mit dem die Verbandsführung konfrontiert ist.

Mancinis grosse Worte erhöhen den Druck zusätzlich

Mancini wusste bei seiner Rückkehr genau, wie gross die Skepsis ist.

Sein Abgang nach Saudi-Arabien 2023 ist vielen Fans noch immer präsent. Gleichzeitig verbindet man mit ihm den EM-Titel 2021 und die Serie von 37 ungeschlagenen Spielen.

Vor seinem ersten Zusammenzug kündigte Mancini einen umfassenden Neuaufbau an und erklärte, Italien müsse innerhalb der kommenden Jahre wieder an die internationale Spitze zurückkehren.

Über Mancinis ambitionierten Plan für den Neuaufbau der Squadra Azzurra hatten wir bereits ausführlich berichtet.

Nach nur einem Spiel sind diese Aussagen natürlich noch kein Massstab für seine gesamte zweite Amtszeit.

Sie sorgen aber dafür, dass jeder schwache Auftritt sofort stärker bewertet wird.

Der Auftakt gegen Belgien war deshalb besonders ungünstig: grosse Ansagen, viele neue Gesichter, alte Probleme – und am Ende Pfiffe aus dem eigenen Stadion.

Die eigentliche Krise ist grösser als ein 0:2

Italien kann sich sportlich schnell wieder fangen. Ein Nations-League-Spiel entscheidet keine Ära.

Die grössere Frage lautet vielmehr, ob Verband, Trainer und Mannschaft diesmal tatsächlich bereit sind, grundlegende Probleme anzupacken.

Die Azzurri brauchen mehr als einzelne Talente und einen bekannten Trainer. Es braucht eine klare sportliche Linie, mehr Vertrauen in junge italienische Spieler, bessere Nachwuchsstrukturen und vor allem wieder eine Mannschaft, mit der sich das Publikum identifizieren kann.

Genau daran wird sich der neue alte Mancini messen lassen.

Das 0:2 gegen Belgien war erst sein erstes Spiel. Gleichzeitig war es eine deutliche Erinnerung daran, wie tief die Probleme des italienischen Fussballs inzwischen reichen.

🇮🇹 DAS SIND ITALIENS GRÖSSTE BAUSTELLEN

  • Drei Weltmeisterschaften in Folge wurden verpasst – der sportliche Vertrauensverlust ist entsprechend gross.
  • Roberto Mancini steht nach seiner Rückkehr bereits wieder unter erheblichem öffentlichen Druck.
  • Giovanni Malagò startet als FIGC-Präsident ebenfalls mit erheblicher Skepsis in Teilen der Öffentlichkeit.
  • Die Pfiffe im Olimpico zeigen, dass es längst nicht nur um Resultate geht, sondern auch um die verloren gegangene Bindung zwischen Nationalteam und Fans.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert