Nach 1:4-Debakel gegen Italien – Montella in der Türkei massiv unter Druck

Die Türkei steckt nach dem 1:4 gegen Italien in einer handfesten sportlichen Krise. Bereits während des Debakels in Bursa forderten die eigenen Fans lautstark den Rücktritt von Nationaltrainer Vincenzo Montella. Nach dem frühen WM-Aus und zwei Niederlagen zum Start der Nations League wird die Luft für den Italiener immer dünner.

Schon nach 27 Minuten liegt die Türkei gegen Italien 0:3 zurück. Alessandro Bastoni, Davide Frattesi und Debütant Michael Kayode zerlegen die türkische Defensive, ehe Barış Alper Yılmaz unmittelbar nach der Pause auf 1:3 verkürzt. Pio Esposito antwortet jedoch umgehend und stellt mit seinem Kopfball zum 4:1 den alten Abstand wieder her.

Die Niederlage trifft die Türkei in einer ohnehin angespannten Situation. Zum Auftakt der Nations League hatte Montellas Mannschaft zuhause bereits 0:1 gegen Frankreich verloren. Damit steht die Türkei nach zwei Partien mit null Punkten und 1:5 Toren am Tabellenende der Gruppe A1. Noch schwerer wiegt die Reaktion des eigenen Publikums: In Bursa richtet sich der Frust offen gegen Montella und den türkischen Verband.

Fans fordern schon während des Spiels Montellas Rücktritt

Die Stimmung im Stadion kippt früh.

Italien führt nach weniger als einer halben Stunde bereits 3:0. Die türkische Mannschaft findet gegen das Pressing und die schnellen Angriffe der Azzurri kaum Lösungen.

Noch vor der Pause sind aus den Rängen deutliche Rücktrittsforderungen gegen Vincenzo Montella zu hören. Auch der Präsident des türkischen Fussballverbandes, İbrahim Hacıosmanoğlu, gerät ins Visier der wütenden Anhänger.

Die «Gazzetta dello Sport» berichtet von massiven Protesten und davon, dass Hacıosmanoğlu das Stadion während der Partie verliess. Das italienische Sportblatt sieht Montellas Position nach der erneuten Niederlage ernsthaft gefährdet.

Die Kritik kommt dabei keineswegs aus dem Nichts. Bereits vor dem Italien-Spiel war die Stimmung rund um die türkische Nationalmannschaft angespannt.

WM-Enttäuschung wirkt bis heute nach

Die Probleme begannen nicht erst mit der Nations League.

Die Türkei war mit grossen Erwartungen zur Weltmeisterschaft gereist, schied dort aber bereits nach der Gruppenphase aus. Niederlagen gegen Australien und Paraguay machten die Hoffnungen auf die K.o.-Phase zunichte.

Der abschliessende 3:2-Erfolg gegen Gastgeber USA änderte daran nichts mehr.

Montella blieb danach im Amt, doch der Kredit des Trainers war deutlich kleiner geworden. Der Start in die Nations League sollte deshalb eigentlich für einen Neustart sorgen.

Stattdessen folgte zunächst das 0:1 gegen Frankreich und nun die deutliche Heimniederlage gegen Italien.

Damit hat die Türkei vier ihrer letzten fünf Pflichtspiele verloren.

Montella räumt katastrophale Anfangsphase ein

Der Trainer versucht nach dem Spiel gar nicht erst, die ersten 30 Minuten schönzureden.

Montella bezeichnet die Anfangsphase als eine Phase, die man vergessen müsse. Italien sei mental besser auf die Partie vorbereitet gewesen. Seine Mannschaft habe unkoordiniert agiert, dadurch unnötig viel laufen müssen und zunehmend das Vertrauen verloren.

Gleichzeitig zeigt sich der Italiener von der Härte der Reaktion im Stadion überrascht.

Montella verweist darauf, was seine Spieler in den vergangenen Jahren für die türkische Nationalmannschaft geleistet hätten. Dass bereits so früh im Spiel Pfiffe und Rücktrittsforderungen aufgekommen seien, habe er in dieser Form nicht erwartet.

Genau darin zeigt sich jedoch, wie angespannt die Situation inzwischen ist.

Montella steht besonders wegen der Spielweise in der Kritik

Es geht längst nicht mehr nur um einzelne Resultate.

Gegen Italien offenbart die Türkei vor allem in der ersten Halbzeit massive taktische Probleme. Die Mannschaft bekommt keinen Zugriff auf Italiens Aufbau, die Abstände stimmen nicht und auf den Aussenbahnen entstehen immer wieder grosse Räume.

Italien kann die türkischen Linien mehrfach relativ einfach überspielen.

Erst nach der Pause tritt die Türkei aggressiver auf. Yılmaz erzielt früh das 1:3 und ein weiterer türkischer Treffer wird wegen Abseits aberkannt. Doch ausgerechnet in dieser stärkeren Phase kassiert die Mannschaft das 1:4.

Auch die individuelle Qualität um Arda Güler kann die strukturellen Probleme an diesem Abend nicht auffangen.

Ausgerechnet Italien verschärft Montellas Krise

Für Montella besitzt die Niederlage zusätzliche Brisanz.

Der 52-Jährige ist selbst Italiener und bestritt als Spieler 20 Länderspiele für die Squadra Azzurra. Nun könnte ausgerechnet das deutliche 1:4 gegen sein Heimatland seine Zukunft als türkischer Nationaltrainer entscheidend beeinflussen.

Dabei war vor der Partie auch Italien erheblich unter Druck gestanden. Nach dem 0:2 gegen Belgien war Roberto Mancinis zweite Amtszeit mit heftiger Kritik gestartet.

In unserer Vorschau auf Türkei gegen Italien hatten wir deshalb die schwierige Ausgangslage beider Nationalmannschaften eingeordnet.

Nun haben sich die Vorzeichen deutlich verschoben.

Während Italien mit dem 4:1 vorerst Ruhe gewinnt, verschärft sich die Krise auf türkischer Seite erheblich.

Belgien wird zum nächsten Schlüsselspiel

Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt Montella nicht.

Bereits am 2. Oktober tritt die Türkei auswärts gegen Belgien an. Drei Tage später folgt in Bologna schon das nächste Duell mit Italien.

Einfacher könnte das Programm kaum werden: Die Gruppe A1 mit Frankreich, Italien und Belgien gehört zu den schwierigsten Gruppen der Nations League.

Für Montella geht es deshalb nicht nur darum, einzelne taktische Probleme zu korrigieren. Er muss vor allem verhindern, dass Mannschaft, Fans und Umfeld nach dem Fehlstart vollständig auseinanderdriften.

Eine Entlassung ist bislang nicht offiziell bestätigt. Nach den massiven Rücktrittsforderungen in Bursa und dem sportlichen Absturz steht der Nationaltrainer aber unter einem Druck, wie er ihn während seiner bisherigen Amtszeit in der Türkei kaum erlebt hat.

🇹🇷 DIE TÜRKEI VOR ENTSCHEIDENDEN TAGEN

  • Die Türkei steht nach dem 0:1 gegen Frankreich und dem 1:4 gegen Italien bei null Punkten und 1:5 Toren.
  • Bereits während des Italien-Spiels forderten Fans in Bursa lautstark Montellas Rücktritt.
  • Am 2. Oktober wartet auswärts Belgien – nur drei Tage später folgt in Bologna bereits das Rückspiel gegen Italien.
  • Montella ist weiterhin türkischer Nationaltrainer. Eine Trennung wurde bislang nicht offiziell bekanntgegeben.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert