Ambri verliert 1:5 gegen Langnau – der starke Saisonstart beginnt zu bröckeln
von belmedia Redaktion Allgemein Bern Eishockey Magazine nachrichtenticker.ch National League News Orte Regionen Schweiz Schweiz Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch sportnachrichten.ch swisshockey.ch Tessin Themen Vereine Ⳇ Verbreitung
Der HC Ambri-Piotta erlebt den nächsten empfindlichen Rückschlag. Zwei Tage nach dem 0:3 gegen Davos verlieren die Leventiner auch zuhause gegen die SCL Tigers klar mit 1:5. Unnötige Strafen, zu viele Eigenfehler und ein deutlich weniger intensives Tempospiel als noch zu Saisonbeginn prägen einen enttäuschenden Abend in der Gottardo Arena.
Langnau spielt dabei keineswegs überragend, aber ausgesprochen ordentlich. Die Tigers halten ihr Spiel einfach, sauber und effizient, machen wenige Fehler und geben Ambri kaum Möglichkeiten, wirklich Druck aufzubauen. Genau darin liegt an diesem Abend der grosse Unterschied: Während die Gäste ihre Aufgaben konsequent erledigen, bringt sich Ambri mit Ungenauigkeiten und vermeidbaren Strafen immer wieder selbst aus dem Rhythmus.
Damit bestätigt sich eine Entwicklung, die bereits beim 0:3 gegen den HC Davos erkennbar war. Vom hohen Tempo, der aggressiven Vorwärtsbewegung und jener Intensität, die den starken Saisonstart geprägt hatten, ist momentan deutlich weniger zu sehen. Besonders bitter: Für Langnau ist es bereits der neunte Meisterschaftssieg in Folge gegen Ambri. Auch das Vorbereitungsspiel Ende August hatten die Tigers mit 6:3 gewonnen.
Langnau macht es einfach – und genau deshalb gut
Die SCL Tigers liefern in der Gottardo Arena kein Spektakel ab. Sie müssen es auch nicht.
Die Emmentaler spielen geradlinig, stehen kompakt, verschieben sauber und reduzieren das Risiko auf ein Minimum. Pucks werden konsequent tief gespielt, Zweikämpfe angenommen und Fehler des Gegners bestraft.
Vor allem bemerkenswert: Langnau gerät während der gesamten Partie kaum in eine Phase, in der der Sieg ernsthaft aus der Hand zu gleiten droht.
Ambri schafft es nicht, über mehrere Wechsel hinweg konstant Druck aufzubauen. Selbst nach gelungenen Aktionen fehlt häufig der nächste schnelle Pass oder der direkte Zug Richtung Tor.
Das Resultat ist ein Spiel, das die Tigers mit vergleichsweise einfachen Mitteln zunehmend kontrollieren.
Neunte Meisterschaftsniederlage in Folge gegen Langnau
Dass Ambri ausgerechnet gegen Langnau erneut deutlich verliert, verschärft den Eindruck zusätzlich.
Bereits beim letzten Meisterschaftsduell vor der Olympia-Pause im Februar hatten die Tigers Ambri mit 6:3 geschlagen. Damals bedeutete dieser Erfolg bereits den achten Sieg der Emmentaler in Serie gegen die Tessiner.
Mit dem 5:1 in der Gottardo Arena wächst diese bemerkenswerte Serie nun auf neun Meisterschaftssiege in Folge in der Gottardo Arena an.
Selbst in der Vorbereitung änderte sich das Bild nicht: Ende August setzte sich Langnau in Biasca ebenfalls mit 6:3 gegen Ambri durch.
Die Tigers haben sich für die Leventiner damit längst zu einem echten Problemgegner entwickelt. Auffällig ist dabei, dass Langnau diese Duelle nicht zwingend mit spektakulärem Hockey gewinnt. Häufig reichen eine gute Struktur, Geduld und die konsequente Bestrafung von Ambri-Fehlern.
Zu viele Eigenfehler und unnötige Strafen
Genau davon produziert Ambri derzeit zu viele.
Unnötige Strafen kosten Rhythmus und Energie. Dazu kommen technische Fehler, verlorene Scheiben in ungünstigen Zonen und unpräzise erste Pässe.
Gerade diese Kombination ist gefährlich. Eine Mannschaft, die über Tempo und Intensität kommen will, kann es sich kaum leisten, ständig in Unterzahl zu geraten oder eigene Angriffe durch einfache Fehler abzubrechen.
Zu Saisonbeginn spielte Ambri schnell, aggressiv und mit viel Zug. Der Gegner wurde früh unter Druck gesetzt, Scheiben wurden rasch weitergeleitet und das gesamte Spiel wirkte deutlich dynamischer.
Davon ist momentan nur noch phasenweise etwas zu sehen.
Das Tempo ist eingebrochen, die Aktionen wirken zögerlicher und die Gegner erhalten mehr Zeit, sich defensiv zu organisieren.
Schnarr und Järventie erneut zu wenig auffällig
Auch personell stellen sich Fragen.
Nate Schnarr bleibt offensiv erneut weitgehend ohne Wirkung. Roby Järventie, der mit vier Toren und fünf Assists stark in die Saison gestartet war, kann gegen Langnau ebenfalls kaum jene Dynamik entwickeln, die ihn in den ersten Spielen ausgezeichnet hatte.
Das Problem beschränkt sich allerdings nicht auf diese beiden Spieler.
Mehrere Stürmer bleiben inzwischen wiederholt unter den Erwartungen. Wenn die ausländischen Leistungsträger nicht treffen oder Spiele offensiv an sich reissen, wirkt Ambris Angriff schnell harmlos.
Nach dem 0:3 gegen Davos folgt nun erneut lediglich ein Treffer.
Zwei Heimspiele, ein einziges Tor: Diese Bilanz ist zu wenig.
Die Pestoni-Frage wird immer schwieriger zu erklären
Damit rückt auch Inti Pestoni automatisch wieder in den Mittelpunkt.
Der 35-Jährige wartet weiterhin auf seinen ersten Meisterschaftseinsatz. Aus dem Klub wurde erklärt, dass Pestoni interne Fitnessvorgaben erfüllen müsse, bevor er eingesetzt werde.
Diese Entscheidung ist grundsätzlich Sache des Trainerstabs.
Sie wird mit jedem schwachen Auftritt anderer Offensivspieler allerdings schwieriger zu vermitteln.
Wenn mehrere eingesetzte Stürmer wiederholt kaum Gefahr erzeugen, darf die Frage gestellt werden, ob ein Spieler mit Pestonis Spielintelligenz und Kreativität tatsächlich keine zusätzliche Option darstellen könnte.
Niemand erwartet, dass Pestoni alleine sämtliche Probleme löst. Aber gerade wenn Tempo und spielerische Ideen fehlen, könnte seine Fähigkeit, mit einem Pass oder einer unerwarteten Aktion eine defensive Ordnung aufzubrechen, durchaus wertvoll sein.
Eine Prise Genialität erscheint angesichts der derzeitigen offensiven Harmlosigkeit jedenfalls kaum als das grösste Risiko.
Für Tapola wird es bereits jetzt ernst
Jussi Tapola ist erst seit kurzer Zeit im Amt. Trotzdem wird er früher als erhofft voll gefordert.
Der gute Saisonstart hat Erwartungen geweckt. Genau deshalb verändert sich die Wahrnehmung schnell, wenn die Leistungen plötzlich deutlich abfallen.
Der Grat ist schmal.
Verliert Ambri auch am Samstag in Freiburg, könnte die positive Stimmung der ersten Wochen sehr schnell wieder in eine negative Spirale kippen.
Noch ist es dafür zu früh. Ambri hat elf Punkte gesammelt und sich mit mehreren guten Auftritten eine solide Ausgangslage geschaffen.
Doch Tapolas personelle Entscheidungen werden ab jetzt genauer betrachtet.
Welche Spieler erhalten weiterhin Eiszeit? Wer wird trotz wiederholt schwacher Leistungen erneut aufgestellt? Wann reagiert der Trainer mit Veränderungen? Und wie lange bleibt Pestoni draussen?
Solche Fragen lassen sich am Ende nicht theoretisch beantworten. Sie werden an den Resultaten der kommenden Spiele gemessen.
Samstag in Freiburg wird bereits richtungsweisend
Am Samstag wartet auswärts Fribourg-Gottéron. Die Partie in der BCF Arena beginnt um 19.45 Uhr.
Ein Sieg würde vieles sofort beruhigen.
Eine weitere Niederlage könnte dagegen die Diskussionen deutlich verschärfen.
Für Ambri geht es dabei weniger darum, plötzlich perfektes Eishockey zu spielen. Entscheidend ist zunächst, jene Eigenschaften zurückzubringen, die den Saisonstart so positiv gemacht haben: hohes Tempo, Intensität, Mut und konsequentes Forechecking.
Genau davon war gegen Langnau zu wenig vorhanden.
Die Tigers zeigten auf der anderen Seite, dass es nicht immer spektakulär sein muss. Sauberes, einfaches und effizientes Hockey genügte vollkommen, um die Partie kontrolliert nach Hause zu bringen.
Ambri muss nun beweisen, dass der starke Start nicht nur eine kurze Phase war.
🏆 AMBRIS WARNZEICHEN
- Nach dem 0:3 gegen Davos und dem 1:5 gegen Langnau hat Ambri in zwei Heimspielen nur ein Tor erzielt.
- Langnau feiert bereits den neunten Meisterschaftssieg in Folge gegen die Leventiner.
- Zu viele Eigenfehler und vermeidbare Strafen verhindern derzeit einen stabilen Rhythmus.
- Eine weitere Niederlage am Samstag in Freiburg könnte den Druck auf Jussi Tapolas personelle Entscheidungen schnell erhöhen.
| Team | Sp. | S | OT-S | SO-S | N | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. ZSC Lions | 7 | 7 | 0 | 0 | 0 | 31:16 | +15 | 21 |
| 2. Genève-Servette HC | 8 | 3 | 0 | 1 | 2 | 25:24 | +1 | 13 |
| 3. Fribourg-Gottéron | 7 | 2 | 1 | 1 | 2 | 22:19 | +3 | 11 |
| 4. HC Ambri-Piotta | 7 | 3 | 0 | 1 | 3 | 22:24 | -2 | 11 |
| 5. HC Ajoie | 7 | 1 | 2 | 1 | 1 | 22:20 | +2 | 11 |
| 6. EV Zug | 5 | 3 | 0 | 0 | 1 | 21:12 | +9 | 10 |
| 7. HC Davos | 7 | 3 | 0 | 0 | 3 | 18:19 | -1 | 10 |
| 8. SCL Tigers | 7 | 2 | 0 | 1 | 3 | 23:26 | -3 | 9 |
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert