Wie gut fahren die Schweizer Auto? Europa im Vergleich
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Auto Europa familie.ch Magazine Mobilität motor.ch motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Die Schweiz gehört zu den sichersten Strassenverkehrsländern Europas. Im internationalen Vergleich liegt sie deutlich vor Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Nur wenige Länder, darunter Norwegen und Schweden, erreichen noch niedrigere Verkehrstodesraten. Doch bedeutet das tatsächlich, dass Schweizerinnen und Schweizer besser Auto fahren?
Die Europäische Kommission veröffentlichte am 27. Oktober 2026 die endgültigen europäischen Verkehrssicherheitszahlen für 2025. In der Schweiz kamen 24 Menschen pro Million Einwohner im Strassenverkehr ums Leben. Der EU-Durchschnitt lag bei 43. Deutschland verzeichnete 34, Österreich 44 und Frankreich sowie Italien jeweils 49 Todesopfer pro Million Einwohner.
Die Ergebnisse sprechen für ein vergleichsweise hohes Sicherheitsniveau auf Schweizer Strassen. Allerdings berücksichtigen sie sämtliche Verkehrsteilnehmenden, nicht ausschliesslich Autofahrer. Zudem beeinflussen Infrastruktur, Tempolimits, Verkehrsaufkommen und Fahrzeugtechnik die Unfallzahlen. Die Frage nach den besten Autofahrern lässt sich deshalb nicht allein mit einer Rangliste beantworten.
Die Schweiz fährt sicherer als ihre Nachbarländer
Der europäische Vergleich fällt für die Schweiz ausgesprochen positiv aus.
Mit 24 Verkehrstoten pro Million Einwohner liegt sie deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 43. Deutschland erreicht 34, Österreich 44 und Italien sowie Frankreich jeweils 49.
Im Vergleich zu Frankreich und Italien ist die Schweizer Todesrate damit ungefähr halb so hoch.
Noch besser schneiden Norwegen und Schweden mit jeweils 19 Todesopfern ab. Dänemark liegt mit 24 auf dem gleichen gerundeten Niveau wie die Schweiz.
Diese Ergebnisse stammen aus der europäischen Verkehrssicherheitsstatistik 2025. Die Zahlen wurden am 27. Oktober 2026 von der Europäischen Kommission veröffentlicht.
Was die Schweizer Unfallstatistik verrät
Das Bundesamt für Strassen ASTRA registrierte 2025 insgesamt 214 Verkehrstote. Das waren 36 weniger als im Vorjahr.
Gleichzeitig stieg die Zahl der Schwerverletzten um 143 auf 3935 Personen.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Insassen von Personenwagen. In dieser Kategorie starben 59 Menschen, 22 weniger als 2024.
Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der schweizweit einheitlichen Erhebung im Jahr 1992.
Die insgesamt günstige Todesfallstatistik darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass schwere Verletzungen weiterhin häufig vorkommen.
Was machen Schweizer Autofahrer falsch?
Ein Blick auf die Unfallursachen zeigt, dass auch auf Schweizer Strassen grundlegende Fehler verbreitet sind.
Bei 1449 der 1902 schweren Unfälle mit Beteiligung mindestens eines Personenwagens waren 2025 Autofahrende die Hauptverursachenden.
Besonders häufig wurde der Vortritt missachtet. Diese Ursache stand bei 535 entsprechenden schweren Unfällen im Vordergrund.
Unaufmerksamkeit und Ablenkung waren in 179 Fällen die Hauptursache. Weitere 136 Unfälle entstanden durch Fehlverhalten bei Fahrbewegungen.
Bei 130 schweren Unfällen spielte Alkoholeinfluss die entscheidende Rolle.
Diese Zahlen zeigen, dass selbst in einem vergleichsweise sicheren Verkehrsland menschliche Fehler eine erhebliche Rolle spielen.
Ein kurzer Blick aufs Handy kann schwere Folgen haben
Besonders problematisch bleibt die Ablenkung am Steuer.
Ein Smartphone, eine Nachricht oder eine Einstellung am Navigationsgerät kann dazu führen, dass Verkehrsteilnehmende entscheidende Sekundenbruchteile verlieren.
Bereits bei 50 km/h legt ein Fahrzeug innerhalb einer Sekunde knapp 14 Meter zurück.
Wer zwei Sekunden auf sein Telefon schaut, bewegt sich somit beinahe 28 Meter weit, ohne die Strasse vollständig zu beobachten.
Zentralschweizer Polizeikorps verstärkten deshalb 2026 ihre Kontrollen gegen Ablenkung am Steuer.
Dass selbst kurze Unaufmerksamkeiten gefährliche Situationen auslösen können, zeigt auch eine Auffahrkollision im Rosenbergtunnel in St.Gallen, bei der ein nachfolgendes Fahrzeug nicht mehr rechtzeitig abbremsen konnte.
Warum Norwegen und Schweden noch besser abschneiden
Norwegen und Schweden gelten seit Jahren als Vorbilder der internationalen Verkehrssicherheit.
Beide Länder verfolgen langfristige Strategien zur Verringerung schwerer Verkehrsunfälle.
Schweden hat mit seiner Vision Zero das Ziel formuliert, Todesfälle und schwere Verletzungen im Strassenverkehr möglichst vollständig zu verhindern.
Dabei steht nicht allein das Verhalten der Autofahrenden im Mittelpunkt.
Strassen sollen so gestaltet werden, dass menschliche Fehler möglichst selten tödliche Folgen haben.
Dazu gehören beispielsweise sichere Kreuzungen, bauliche Trennungen zwischen Fahrtrichtungen und angepasste Geschwindigkeiten.
Warum sichere Strassen nicht automatisch bessere Fahrer bedeuten
Der Unterschied zwischen Verkehrssicherheit und persönlichem Fahrkönnen ist entscheidend.
Ein Land mit gut ausgebauten Strassen, modernen Fahrzeugen und wirksamen Sicherheitsmassnahmen kann eine niedrige Todesrate erreichen, ohne dass seine Autofahrenden grundsätzlich geschickter sind.
Auch die zurückgelegten Kilometer spielen eine Rolle.
Die hier verwendete Statistik misst Todesopfer pro Einwohner. Ein Vergleich je gefahrenem Kilometer würde stärker berücksichtigen, wie intensiv die Menschen tatsächlich am motorisierten Verkehr teilnehmen.
Hinzu kommen Unterschiede beim Anteil von Motorrädern, Velos und Fussgängern.
Deshalb lässt sich aus den europäischen Zahlen keine seriöse Rangliste der fahrerischen Fähigkeiten einzelner Nationalitäten ableiten.
Was die Schweiz von den Besten lernen kann
Die Schweiz besitzt bereits ein hohes Sicherheitsniveau. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich weitere Massnahmen erübrigen.
Besonders wichtig bleiben die Vermeidung von Ablenkung, ein ausreichender Sicherheitsabstand und die konsequente Beachtung des Vortritts.
Ebenso können sichere Kreuzungen, übersichtliche Strassenführungen und Schutzmassnahmen für Fussgänger und Velofahrende schwere Unfälle verhindern.
Der Blick nach Skandinavien verdeutlicht, dass Verkehrssicherheit nicht nur durch strengere Kontrollen entsteht.
Entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen Mensch, Fahrzeug und Strasse.
Fazit: Die Schweiz gehört zur europäischen Spitze
Gemessen an der Zahl der Verkehrstoten pro Million Einwohner gehört die Schweiz eindeutig zu den sichersten Ländern Europas.
Sie liegt deutlich vor ihren grossen Nachbarländern und dem EU-Durchschnitt.
Ob Schweizer Autofahrende deshalb tatsächlich besser fahren, lässt sich wissenschaftlich nicht allein aus diesen Zahlen ableiten.
Fest steht jedoch, dass die Schweiz bei der Verkehrssicherheit international sehr gut abschneidet und trotzdem weiterhin erhebliches Verbesserungspotenzial besitzt.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert