Wenn sich ein Lastwagenrad löst: Warum Radbefestigungen regelmässig kontrolliert werden müssen
Ein Lastwagenrad ist schwer und kann beim unkontrollierten Wegrollen eine erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmende darstellen. Deshalb kommt der fachgerechten Radmontage, der Kontrolle der Radbefestigung und dem technischen Unterhalt von Nutzfahrzeugen eine grosse Bedeutung zu. Verschiedene Mängel können dazu führen, dass eine Radverbindung nicht mehr zuverlässig hält. Die tatsächliche Ursache lässt sich jedoch nur durch eine technische Untersuchung des betroffenen Fahrzeugs feststellen.
1. Radmuttern und Radbolzen: Worauf es ankommt
Die Räder eines Lastwagens werden über ihre Radbefestigung mit dem Fahrzeug verbunden. Damit diese Verbindung den Kräften während der Fahrt standhält, müssen sämtliche Bauteile in einwandfreiem Zustand sein und nach den Vorgaben des Fahrzeugherstellers montiert werden.
Richtiges Anzugsdrehmoment: Radmuttern müssen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen werden. Werden sie zu wenig fest angezogen, kann sich die Verbindung lockern. Ein zu hohes Drehmoment kann dagegen Bauteile überlasten oder beschädigen.
Zustand der Bauteile: Auch beschädigte Gewinde, Radbolzen, Felgen oder Auflageflächen können die Sicherheit beeinträchtigen. Bei der Montage müssen deshalb nicht nur die Radmuttern, sondern auch die übrigen Teile kontrolliert werden.
Der Nutzfahrzeughersteller MAN weist in seinen Betriebsanleitungen ausdrücklich auf die Gefahren falscher Anzugsdrehmomente hin. Die vorgeschriebenen Werte sind fahrzeug- und radabhängig und dürfen nicht pauschal von einem anderen Modell übernommen werden.
2. Nach einem Radwechsel: Warum die Nachkontrolle wichtig ist
Nach der Montage eines Rades ist eine fachgerechte Kontrolle besonders wichtig. Dabei müssen die Herstellervorgaben zur Befestigung und zu allfälligen Nachkontrollen beachtet werden.
Radmuttern nachprüfen: In Betriebsanleitungen von MAN wird beispielsweise verlangt, die Radmuttern nach ungefähr 50 bis 150 Kilometern Fahrstrecke mit dem vorgeschriebenen Anzugsdrehmoment nachzuziehen. Der konkret massgebende Kontrollzeitpunkt richtet sich nach dem jeweiligen Fahrzeug und den geltenden Herstellervorgaben.
Fachgerechte Ausführung: Für die Kontrolle muss geeignetes Werkzeug verwendet werden. Insbesondere das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment muss eingehalten werden. Ein blosses Festziehen nach Gefühl ist keine verlässliche Alternative.
Bei Nutzfahrzeugflotten sind dokumentierte Wartungsabläufe sinnvoll. So kann nachvollzogen werden, wann Räder montiert, Befestigungen kontrolliert und allfällige Mängel behoben wurden.
3. Warnzeichen während der Fahrt erkennen
Nicht jeder technische Defekt kündigt sich rechtzeitig an. Bestimmte Veränderungen können jedoch auf Probleme an Rädern, Reifen oder Fahrwerk hinweisen.
Ungewöhnliche Vibrationen: Plötzlich auftretende Erschütterungen oder ein verändertes Fahrverhalten sollten ernst genommen werden.
Auffällige Geräusche: Wiederkehrendes Klopfen, Schlagen oder Klappern im Bereich der Räder kann verschiedene Ursachen haben und sollte fachlich abgeklärt werden.
Sicher anhalten: Besteht der Verdacht auf einen technischen Mangel, sollte die Fahrt nicht unnötig fortgesetzt werden. Suchen Sie eine sichere Haltemöglichkeit und organisieren Sie bei Bedarf einen Pannendienst.
Anhalten und Überprüfen müssen stets unter sicheren Bedingungen erfolgen. Auf Autobahnen oder stark befahrenen Strassen darf niemand versuchen, gefährliche Reparaturen unmittelbar im Verkehrsraum vorzunehmen.
Gut zu wissen: Ein Rad kann sich aus unterschiedlichen technischen Gründen von einem Nutzfahrzeug lösen. Möglich sind beispielsweise Mängel an der Befestigung oder beschädigte Bauteile. Ohne Untersuchung lässt sich jedoch nicht feststellen, welcher Defekt in einem konkreten Fall vorlag.
Für Transportunternehmen: Ein klarer Wartungsplan und dokumentierte Kontrollen helfen, technische Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. Nach Arbeiten an Rädern sollten die jeweiligen Herstellervorgaben zur Kontrolle der Befestigungen beachtet werden.
Praktischer Tipp für Chauffeure: Nehmen Sie sich vor Fahrtbeginn Zeit für einen Kontrollgang um das Fahrzeug. Achten Sie auf sichtbare Schäden an Reifen und Felgen, ungewöhnliche Auffälligkeiten an den Rädern und weitere erkennbare Mängel. Bei Zweifeln sollte eine Fachperson beigezogen werden, bevor die Fahrt beginnt.
Weitere Informationen: Aktuelle Meldungen über Lastwagenunfälle und die Sicherheit im Strassenverkehr finden Sie bei Verkehrsmeldungen Schweiz. Weitere Präventionshinweise veröffentlicht Polizeinews Prävention.