250'000 Tonnen Eis über Randa – Neuschnee erhöht die Lawinengefahr

Am Weisshorn oberhalb von Randa im Wallis bleibt die Gefahr eines grösseren Gletscherabbruchs bestehen. Rund 250’000 Tonnen Eis bewegen sich am Hängegletscher Weisshorn Ost mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag talwärts. Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit rückt eine zusätzliche Gefahr in den Vordergrund: Ein Eisabbruch könnte grosse Schneemassen mitreissen und eine mächtige Lawine auslösen.

Naturgefahreningenieur Norbert Carlen vom Kanton Wallis bestätigt die anhaltenden Bewegungen des instabilen Eiskörpers. Besonders entscheidend wird nun, wie viel Schnee sich auf dem unterhalb liegenden Bisgletscher ansammelt. Bei ungünstiger Schneelage könnte ein Eissturz eine Kettenreaktion auslösen, deren Auswirkungen über einen gewöhnlichen Gletscherabbruch hinausgehen.

Die Gemeinde Randa überwacht den Hängegletscher bereits seit Ende Juni verstärkt. Am 24. August wurde die Überwachung nach mehreren Eisabbrüchen auf Stufe 3 erhöht. Der gefährdete Bereich bleibt gesperrt. Die bisherige Einschätzung der Behörden sieht das Siedlungsgebiet nicht als unmittelbar gefährdet an, während für Wandernde und andere Personen innerhalb des Gefahrenperimeters erhebliche Risiken bestehen.

LAWINE.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Eismasse: Rund 250’000 Tonnen am Weisshorn Ost in Bewegung.
Geschwindigkeit: Bis zu 20 Zentimeter Verschiebung pro Tag.
Zusatzgefahr: Ein Eisabbruch könnte instabile Schneemassen mitreissen.
Überwachung: Stufe 3 seit dem 24. August 2026, unter anderem mit Radar.
Schutzmassnahmen: Gefahrenperimeter und betroffene Zugangswege gesperrt.
Was das bedeutet
Die Schneeverhältnisse werden in den kommenden Wochen zu einem wichtigen Faktor für die Gefahrenbeurteilung. Ein grösserer Eissturz könnte eine zusätzliche Schneelawine auslösen. Entscheidend bleiben die laufenden Messungen und die konsequente Einhaltung der behördlichen Sperrungen.

Ein gewaltiger Eiskörper bewegt sich talwärts

Die Situation am Hängegletscher Weisshorn Ost beschäftigt die Walliser Naturgefahrenfachleute seit Monaten. Der instabile Bereich liegt hoch über dem Mattertal auf rund 4000 Metern über Meer.

Nach aktuellen Angaben bewegt sich eine Eismasse von ungefähr 250’000 Tonnen mit bis zu 20 Zentimetern täglich. Die Geschwindigkeit zeigt, dass der Gletscher weiterhin aktiv ist.

Bereits am 24. August lösten sich mehrere Eispartien. Der grösste Abbruch ereignete sich zwischen 17 und 18 Uhr. Die Eismassen blieben damals auf dem darunterliegenden Gletscherplateau liegen.

Ob sich die verbliebene instabile Masse in kleineren Teilen oder bei einem grösseren Ereignis löst, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.

Warum der erste Neuschnee die Gefahr verändert

Während im Sommer hauptsächlich die herabstürzenden Eismassen im Mittelpunkt standen, kommt im Winter die Schneedecke als zusätzlicher Faktor hinzu.

Auf dem Bisgletscher können sich im Laufe der kommenden Wochen grosse Schneemengen ansammeln. Ein plötzlich abbrechender Eiskörper würde beim Aufprall erhebliche Energie auf den Untergrund übertragen.

Liegt dort lockerer oder instabil geschichteter Schnee, kann dieser mitgerissen werden. Unter besonders ungünstigen Bedingungen könnte dadurch eine zweite Lawinenbewegung ausgelöst werden.

SLF-Experte Stefan Margreth weist auf die Möglichkeit solcher Kettenreaktionen hin. Nicht allein das abbrechende Eis wäre dann entscheidend, sondern auch die Schneemenge, die während des Absturzes zusätzlich mobilisiert wird.

Eine wichtige Rolle spielen Schneehöhe, Schneeschichtung, Temperatur und Geländeform. Wie verschiedene Lawinenarten entstehen, hängt wesentlich von diesen Faktoren und der Stabilität der Schneedecke ab.

Das Extremszenario braucht mehrere ungünstige Faktoren

Besonders problematisch wäre eine Kombination aus einem grossen Eisabbruch, einer mächtigen instabilen Schneedecke und einer Geländesituation, welche die Lawine in Richtung tiefer gelegener Bereiche lenkt.

Die bewegten Eismassen könnten dabei Schnee aufnehmen und eine grössere Fliesslawine erzeugen.

Ein solches Extremszenario wird jedoch nicht als wahrscheinlichster Verlauf eingeschätzt. Dafür müssten mehrere ungünstige Bedingungen gleichzeitig zusammentreffen.

Die Fachleute unterscheiden deshalb zwischen der tatsächlich beobachteten Instabilität des Hängegletschers und einem möglichen, wesentlich grösseren Folgeereignis.

Für das Dorf Randa bestand nach den bisherigen behördlichen Gefahrenbeurteilungen keine unmittelbare Gefährdung. Diese Einschätzung bedeutet allerdings nicht, dass sich Personen bedenkenlos im abgesperrten Gelände aufhalten können.

Radar überwacht jede gefährliche Veränderung

Die Behörden setzen am Weisshorn auf ein engmaschiges Überwachungssystem.

Ein speziell installiertes interferometrisches Radar erfasst Veränderungen und Bewegungen der Gletscheroberfläche. Dadurch können Fachleute feststellen, ob sich einzelne Eisbereiche beschleunigen.

Zusätzliche Beobachtungen und Messdaten unterstützen die Beurteilung möglicher Abbrüche.

Randa verfügt ausserdem seit Jahren über automatische Sicherheitseinrichtungen. Bei entsprechend grossen Lawinenereignissen können Strasse und Bahn im Mattertal automatisch gesperrt werden.

Die Gemeinde und die kantonalen Fachstellen koordinieren ihre Massnahmen laufend. Für die Bevölkerung und für Besucherinnen und Besucher sind insbesondere die ausgeschilderten Sperrungen massgebend.

Die kommenden Winterwochen werden entscheidend

Mit jedem grösseren Schneefall verändern sich die Voraussetzungen am Bisgletscher. Zusätzliche Schneemassen können die Auswirkungen eines Eisabbruchs unter bestimmten Bedingungen verstärken.

Der Kanton Wallis warnt ausdrücklich vor möglichen grösseren Eislawinen am Weisshorn sowie vor wiederkehrenden Eis- und Felsabbrüchen im Bereich des Bisgletschers.

Die betroffenen Gebiete sollen deshalb gemieden werden. Das gilt auch für Wandernde, Bergsteiger und Personen, die das Gelände ausserhalb der üblichen touristischen Wege betreten möchten.

Die Fachleute müssen nun sowohl die Bewegung des Hängegletschers als auch die Entwicklung der Schneedecke berücksichtigen.

Für Randa ist die Überwachung des Weisshorns seit vielen Jahren Bestandteil des Naturgefahrenmanagements. Die aktuelle Situation zeigt jedoch, wie sich eine bekannte Gletschergefahr durch den bevorstehenden Winter verändern kann.

AKTUELLER STAND
Weisshorn Ost – Gefahrenlage bei Randa
22. Oktober 2026 | Gletscherbewegung und Winterrisiken
Bereich Situation
Standort Hängegletscher Weisshorn Ost, VS
Bewegte Eismasse Rund 250’000 Tonnen
Bewegungsrate Bis zu 20 cm pro Tag
Überwachung Stufe 3, Radar und Beobachtung
Bereits erfolgte Abbrüche Mehrere am 24. August 2026
Wintergefahr Mögliche Eis-Schnee-Lawine
Gefahrenperimeter Zutritt untersagt
Verkehrswege Automatische Sperrsysteme vorhanden
Siedlungsgebiet Nach bisheriger Einschätzung ausserhalb der Gefahrenzone
Weitere Entwicklung Abhängig von Eisbewegung und Schneeverhältnissen

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert