Center, Flügel und Verteidiger: Positionen, Aufgaben und Zusammenspiel im Eishockey
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Alltag Eishockey Inspiration Lifestyle Magazine nachrichtenticker.ch News Regionen Schweiz Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Fünf Feldspieler bewegen sich gleichzeitig über das Eis. Drei von ihnen bilden den Angriff, zwei übernehmen die Verteidigung. Diese Einteilung wirkt übersichtlich. Sobald der Puck im Spiel ist, wechseln jedoch Tempo, Richtung und Aufgaben innerhalb weniger Sekunden.
Center, linker und rechter Flügel sowie zwei Verteidiger bilden die Grundordnung einer Eishockeyformation. Jede Position besitzt typische Verantwortungsbereiche. Starre Plätze gibt es trotzdem nicht. Ein Verteidiger beteiligt sich am Angriff, der Center unterstützt vor dem eigenen Tor und ein Flügel sichert an der blauen Linie ab. Erst dieses Zusammenspiel macht aus fünf Spielern eine funktionierende Einheit.
Fünf Feldspieler und ein Goalie
In der üblichen Spielsituation stehen pro Mannschaft sechs Spieler auf dem Eis:
- ein Torhüter, im Eishockey meist Goalie genannt;
- ein linker Verteidiger;
- ein rechter Verteidiger;
- ein Center oder Mittelstürmer;
- ein linker Flügel;
- ein rechter Flügel.
Center und Flügel werden gemeinsam als Stürmer bezeichnet. Sie bilden eine Sturmreihe. Die beiden Verteidiger treten als Verteidigerpaar auf. Je nach Team und Trainer können bestimmte Sturmreihen und Verteidigerpaare regelmässig miteinander eingesetzt werden. Solche Einheiten werden häufig als Linien oder Blöcke bezeichnet.
Die Positionsnamen beschreiben vor allem taktische Ausgangsrollen. Kein Feldspieler bleibt während eines Einsatzes auf einem festgelegten Stück Eis. Die Formation verschiebt sich mit dem Puck und passt sich an die jeweilige Spielsituation an.
Der Center: Verbindung zwischen Angriff und Verteidigung
Der Center spielt in der Mitte der Sturmreihe. Häufig übernimmt er das Bully, bei dem der Schiedsrichter den Puck zwischen zwei Spielern einwirft. Das Regelwerk schreibt allerdings nicht vor, dass ausschliesslich der nominelle Center am Bully teilnehmen darf. Abhängig von Spielsituation, starker Stockseite und Erfolgsquote kann diese Aufgabe ein anderer Spieler übernehmen.
Nach dem Bully beginnt die eigentliche Arbeit. Der Center bewegt sich in allen drei Zonen und verbindet die Mannschaftsteile. Im eigenen Drittel unterstützt er die Verteidiger tief in der Zone. Er hilft bei Zweikämpfen an der Bande, kontrolliert den Raum vor dem Tor und bietet sich nach einer Puckeroberung als erste Anspielstation an.
Beim Spielaufbau bewegt sich der Center häufig durch die Mitte. Dort kann er einen Pass aufnehmen, weiterleiten oder mit dem Puck in die neutrale Zone starten. Verliert die Mannschaft den Puck, muss er schnell zurückarbeiten. Dieses Zurücklaufen wird als Backchecking bezeichnet.
Im Angriff sucht der Mittelstürmer freie Räume zwischen den gegnerischen Verteidigern. Er kann selbst abschliessen, den Puck auf die Flügel verteilen oder vor dem Tor für Ablenkungen und Abpraller bereitstehen. Welche Variante gefragt ist, entscheidet sich oft erst im Bruchteil einer Sekunde.
Ein guter Center benötigt deshalb:
- Spielübersicht und schnelle Entscheidungen;
- eine zuverlässige Pass- und Stocktechnik;
- gutes Verhalten bei Bullys;
- Verantwortungsbewusstsein in der Defensive;
- Beweglichkeit in engen Räumen;
- klare Kommunikation mit den Mitspielern;
- Ausdauer für die Arbeit über die gesamte Eisfläche.
Die Flügel: Tempo und Druck über die Seiten
Links und rechts vom Center spielen die beiden Flügelstürmer. Im Englischen werden sie als Left Wing und Right Wing oder zusammen als Winger bezeichnet. Ihr Ausgangsraum befindet sich jeweils auf einer Seite der Eisfläche. Im modernen Eishockey tauschen Flügel jedoch regelmässig die Seiten oder ziehen in die Mitte.
Beim Angriff tragen sie den Puck häufig entlang der Bande durch die neutrale Zone. Sie müssen dabei Geschwindigkeit aufbauen, gegnerischem Druck widerstehen und gleichzeitig erkennen, ob ein Schuss, ein Pass zum Center oder eine Ablage an einen nachrückenden Verteidiger sinnvoll ist.
Im Angriffsdrittel übernehmen Flügel unterschiedliche Aufgaben. Ein Spieler setzt den puckführenden Gegner unter Druck. Ein zweiter sichert einen Passweg oder bewegt sich vor das Tor. Gewinnt die Mannschaft den Puck, entstehen aus diesen Laufwegen ein schneller Abschluss oder eine längere Druckphase.
Die Arbeit der Flügel endet nicht mit einem Puckverlust. Im eigenen Drittel decken sie je nach Verteidigungssystem Räume an der Bande oder gegnerische Verteidiger an der blauen Linie. Gleichzeitig müssen sie für einen möglichen Gegenangriff anspielbar bleiben. Bewegt sich ein Flügel zu früh nach vorne, fehlt der Mannschaft eine defensive Absicherung. Bleibt er zu tief, kann der Gegner den nächsten Angriff ungestört vorbereiten.
Typische Stärken eines Flügels sind:
- schnelle Beschleunigung und hohe Laufgeschwindigkeit;
- sicheres Spiel entlang der Bande;
- präzise Schüsse aus unterschiedlichen Winkeln;
- gutes Timing beim Vorchecken;
- Mut zum Zug vor das Tor;
- Verständnis für die Laufwege des Centers;
- konsequente Rückwärtsarbeit.
Für ein sicheres Spiel benötigen alle Positionen eine vollständig passende Schutzausrüstung. Der Beitrag «Sicher aufs Eis: Welche Eishockey-Ausrüstung Einsteiger wirklich brauchen» zeigt die wichtigsten Bestandteile.
Spielt jeder Flügel auf seiner Stockseite?
Ein linker Flügel muss nicht zwingend mit einem links geführten Stock spielen. Einige Trainer setzen Spieler bewusst auf der gegenüberliegenden Seite ein. Ein Rechtsschütze auf dem linken Flügel kann beim Zug in die Mitte den Puck näher zur Spielfeldmitte führen und aus einer günstigen Position schiessen. Diese Aufstellung wird häufig als Spielen auf dem «off wing» bezeichnet.
Auf der natürlichen Stockseite lassen sich Pässe entlang der Bande oft leichter annehmen und weiterleiten. Welche Variante besser passt, hängt von Spielsystem, Mitspielern und individuellen Fähigkeiten ab. Auch bei Verteidigern stimmen Einsatzseite und Stockseite nicht immer überein.
Die Verteidiger: schützen, ordnen und aufbauen
Die beiden Verteidiger bilden die hintere Absicherung der Feldspieler. Ihre Aufgabe besteht keineswegs darin, ausschliesslich vor dem eigenen Tor zu warten. Sie sollen Angriffe früh erkennen, den Abstand zum Gegner kontrollieren und die gefährlichen Bereiche schützen.
Dringt ein Angreifer mit dem Puck in die Zone ein, versucht der Verteidiger, ihn nach aussen zu lenken. Die Spielfeldmitte soll möglichst geschlossen bleiben. Dabei muss der Verteidiger rückwärts schnell und stabil laufen können. Greift er zu früh an, kann der Stürmer an ihm vorbeiziehen. Weicht er zu weit zurück, erhält der Gegner Platz für einen Schuss.
Im eigenen Drittel gehören Puckeroberungen an der Bande, das Freihalten des Raums vor dem Goalie und die Kontrolle gegnerischer Stöcke zu den wichtigen Aufgaben. Nach dem Scheibengewinn leitet ein Verteidiger häufig den Spielaufbau ein. Dafür spielt er einen Pass zum Flügel, sucht den Center in der Mitte oder läuft selbst mit dem Puck an.
Auch im Angriff bleiben Verteidiger beteiligt. Meist positionieren sie sich im Bereich der blauen Linie. Von dort halten sie Befreiungsversuche in der Zone, verteilen den Puck auf die Seiten oder bringen ihn gezielt in Richtung Tor. Ein harter Schlagschuss ist dabei nur eine Möglichkeit. Häufig ist ein flacher, gut platzierter Handgelenkschuss wirkungsvoller, weil Mitspieler ihn ablenken können und der Puck eher durch den Verkehr vor dem Tor gelangt.
Verteidiger benötigen insbesondere:
- sicheres Vorwärts- und Rückwärtslaufen;
- gutes Raumgefühl und kontrollierte Abstände;
- präzise erste Pässe nach einer Puckeroberung;
- Ruhe unter gegnerischem Druck;
- Abstimmung mit dem Verteidigungspartner;
- Verantwortungsbewusstsein an der blauen Linie;
- die Fähigkeit, Angriff und Absicherung auszubalancieren.
Warum Verteidiger ebenfalls angreifen
Bleiben beide Verteidiger weit hinter dem Spiel, muss der Angriff mit drei Spielern gegen fünf Gegner auskommen. Moderne Mannschaften beziehen deshalb mindestens einen Verteidiger aktiv ein. Er rückt nach, bietet eine zusätzliche Passmöglichkeit und hilft dabei, den Puck im Angriffsdrittel zu halten.
Der zweite Verteidiger muss die Situation absichern. Verliert die Mannschaft den Puck, darf der Gegner keinen freien Weg zum Tor erhalten. Welcher Spieler vorrückt und welcher zurückbleibt, wird durch kurze Zurufe, Blickkontakt und eingeübte Abläufe geklärt.
Ein offensivstarker Verteidiger erzielt möglicherweise viele Punkte. Ein defensiv orientierter Spieler fällt dagegen oft dadurch auf, dass gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen. Beide Spielertypen können für eine Mannschaft gleich wertvoll sein.
Vom Vorchecken bis zum Backchecking
Die Positionen werden besonders verständlich, wenn der Puckbesitz wechselt. Greift eine Mannschaft an und verliert den Puck, beginnt sofort die defensive Arbeit.
Beim Forechecking oder Vorchecken setzen die vordersten Stürmer den Gegner bereits in dessen Drittel unter Druck. Sie versuchen, einen kontrollierten Spielaufbau zu verhindern. Der Center oder ein Flügel jagt den Puck, während die übrigen Spieler Passwege schliessen und absichern.
Gelingt dem Gegner trotzdem der Ausbruch, folgt das Backchecking. Die Stürmer laufen zurück und unterstützen ihre Verteidiger. Dabei genügt es nicht, lediglich in Richtung des eigenen Tores zu fahren. Entscheidend ist, den richtigen Gegenspieler oder Passweg aufzunehmen.
Reihenwechsel bringen ständig neue Kombinationen
Eishockey wird in kurzen, intensiven Einsätzen gespielt. Auf hohem Niveau dauert ein Einsatz häufig nur ungefähr 30 bis 60 Sekunden. Diese Zeitspanne ist keine Regel. Spieldauer, Unterbrechungen, Puckbesitz und taktische Vorgaben beeinflussen den Wechselzeitpunkt.
Sturmreihen wechseln häufig gemeinsam. Verteidigerpaare orientieren sich an eigenen Wechselgelegenheiten. Dadurch können unterschiedliche Kombinationen auf dem Eis entstehen. Ein Center spielt zeitweise mit anderen Flügeln oder ein Verteidiger erhält einen neuen Partner.
Besonders gefährlich ist ein schlecht vorbereiteter Wechsel. Verlässt ein Spieler das Eis, obwohl der Gegner angreift, entsteht kurzfristig eine Lücke. Kommt der Ersatz zu früh auf die Spielfläche und greift ins Spiel ein, droht eine Strafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis.
Kondition und Regeneration sind deshalb für jede Position wesentlich. Wie Profis ausserhalb der Eisfläche daran arbeiten, erläutert der Beitrag über das Sommertraining im Eishockey.
Wie sich die Aufgaben in Überzahl verändern
Nach einer Strafe spielt eine Mannschaft zeitweise in Unterzahl. Häufig entsteht eine Situation mit fünf Feldspielern gegen vier. Die gewohnten Positionsbezeichnungen bleiben bestehen, ihre Bedeutung verändert sich jedoch.
Im Powerplay können beispielsweise vier Stürmer und ein Verteidiger eingesetzt werden. Eine verbreitete Anordnung ist das 1-3-1-System: Ein Spieler steht an der blauen Linie, drei besetzen die mittlere Ebene und ein weiterer arbeitet in Tornähe. Entscheidend sind schnelle Pässe, freie Schussbahnen und ständige Bewegung.
Das Unterzahlteam ordnet seine vier Spieler häufig in einer Box oder einer rautenähnlichen Formation an. Die Spieler verteidigen dann stärker Räume und Passwege als ihre ursprüngliche Position. Ein Flügel kann direkt vor dem eigenen Tor arbeiten, während ein Verteidiger an der Bande Druck ausübt.
Nimmt ein Trainer den Goalie für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis, dürfen sechs Feldspieler eingesetzt werden. Dadurch entsteht mehr Angriffsdruck, das eigene Tor bleibt jedoch ungeschützt.
Position und Spielertyp sind nicht dasselbe
Innerhalb derselben Position können sehr unterschiedliche Spielertypen auftreten. Ein Center kann als kreativer Passgeber, defensiver Spezialist oder torgefährlicher Angreifer eingesetzt werden. Flügel unterscheiden sich unter anderem durch Schnelligkeit, Schussstärke und körperliches Spiel. Bei Verteidigern reicht das Spektrum vom konsequenten Absicherungsspieler bis zum offensiven Spielgestalter.
Auch Körpergrösse allein entscheidet nicht über die Eignung. Schlittschuhtechnik, Antizipation, Puckkontrolle und Entscheidungsfähigkeit können einen vermeintlichen körperlichen Nachteil ausgleichen. Im Nachwuchs ist es zudem sinnvoll, verschiedene Positionen kennenzulernen. Dadurch entwickeln junge Spieler ein umfassenderes Spielverständnis.
So lassen sich die Positionen beim Zuschauen erkennen
Wer die Aufgabenverteilung beobachten möchte, sollte den Blick zeitweise vom Puck lösen. Nach einem gewonnenen Puck im eigenen Drittel lässt sich beispielsweise verfolgen, wie die Flügel an der Bande anspielbar werden, der Center die Mitte unterstützt und die Verteidiger den ersten Pass vorbereiten.
Im Angriff stehen die Verteidiger häufig in der Nähe der blauen Linie. Die Flügel arbeiten an den Seiten oder ziehen zum Tor. Der Center bewegt sich zwischen diesen Bereichen und sucht Lücken. Nach einem Puckverlust verschiebt sich das Bild sofort in die andere Richtung.
Hilfreich sind drei Beobachtungsfragen:
- Wer setzt den puckführenden Gegner unter Druck?
- Welche Spieler sichern hinter dem Angriff ab?
- Wer bewegt sich ohne Puck in einen freien Raum?
Mit diesem Blick wird sichtbar, dass viele entscheidende Aktionen abseits des Pucks stattfinden.
Fazit
Center, Flügel und Verteidiger besitzen klar unterscheidbare Grundaufgaben. Der Center verbindet die Mannschaftsteile, die Flügel erzeugen Tempo und Druck über die Seiten, während die Verteidiger Gefahren kontrollieren und den Spielaufbau einleiten.
Erfolgreiches Eishockey entsteht jedoch nicht durch starres Festhalten an diesen Positionen. Alle fünf Feldspieler greifen gemeinsam an und verteidigen gemeinsam. Sie verschieben ihre Formation, sichern die Wege der Mitspieler ab und übernehmen vorübergehend andere Räume. Wer diese Bewegungen erkennt, versteht das schnelle Geschehen auf dem Eis wesentlich leichter.
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