Artenmanagement im Zoo Zürich: Erdmännchen an Hyänen verfüttert

Der Zoo Zürich hat heute drei Tiere aus der bestehenden Erdmännchen-Gruppe im Zoo entnommen, getötet und an die Hyänen verfüttert. Dies aus Gründen des Artenmanagements.

Erdmännchen leben in grossen Familiengruppen zusammen. So auch im Zoo Zürich. Jeder Gruppe steht ein dominantes Paar vor, welches sich in der Regel als einziges fortpflanzt. Dies jedoch bis zu vier Mal im Jahr. Jeder Wurf umfasst ein bis fünf Jungtiere. In der Folge wächst die Erdmännchen-Gruppe kontinuierlich. Aktuell ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Daher wurden heute drei Tiere entnommen.

«Durch die Entnahme der Tiere werden Revierkämpfe und soziale Spannungen vermieden und eine stabile Gruppendynamik aufrechterhalten. Der Zoo Zürich lässt Fortpflanzung zu, weil dies ein Grundbedürfnis aller Tiere ist und essenziell für eine artgerechte Haltung. Und nur so können wir auch unsere Ziele, die wir als moderner Zoo mit der Haltung der Erdmännchen verfolgen, erreichen. Wir wollen unsere Gäste für die Grossartigkeit der Natur begeistern. Und wir wollen Forschung ermöglichen. Denn je mehr wir wissen, desto besser können wir die Natur und Artenvielfalt schützen», erklärt Zoodirektor Severin Dressen.

Sensibilisierung für den Naturschutz

Mit Bildungsangeboten wie beispielsweise dem Erdmännchen-Erlebnis bietet der Zoo seinen Gästen die Möglichkeit, die Tierart, ihre Gruppendynamik und ihre Kommunikationsfähigkeiten besser kennenzulernen. Die naturnahe und artgerechte Haltung ist dabei eine Grundvoraussetzung, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten auch ausleben.

Unsere Gäste entwickeln so ein Verständnis für das Sozialverhalten von Tieren und die komplexen Zusammenhänge in der Natur. Auf diese Art und Weise erreicht der Zoo viele Menschen und sensibilisiert für den dringend notwendigen Natur- und Artenschutz.



Forschung im Zoo und in der Kalahari

Dass Erdmännchen sich fortpflanzen und ihr natürliches Verhalten ausleben, ist auch für die Forschung im Zoo zentral. Nur so können die hochsozialen Tiere in ihrer ganzen Komplexität erforscht werden. In Zusammenarbeit mit der weltweit führenden Erdmännchen-Forscherin Prof. Dr. Marta Manser von der Universität Zürich leistet die Erdmännchen-Gruppe des Zoos einen wichtigen Beitrag zur Grundlagen- und Verhaltensforschung.

Die Gruppe dient als Erweiterung der Kolonie an der Universität Zürich. Durch die Erhöhung der Stichprobengrösse erzielen die Forscherinnen aussagekräftigere Studienergebnisse. Auch lassen sich die Ergebnisse mit den Resultaten aus der Forschung im natürlichen Lebensraum der Tiere in der Kalahari-Wüste vergleichen. Marta Manser ist neben ihrer Tätigkeit an der Universität Zürich Forschungsleiterin des «Kalahari Research Centre» in Südafrika, dessen Langzeitforschung ebenfalls durch den Zoo Zürich unterstützt wird.

Artgerechte Haltung hat Priorität

Ganz grundsätzlich sind ein hoher Tierwohlstandard und eine artgerechte Haltung dem Zoo Zürich ein zentrales Anliegen. Deshalb lässt der Zoo generell – auch bei anderen Tierarten – Fortpflanzung und Jungenaufzucht zu.

Wird eine Erdmännchen-Gruppe in der Folge zu gross, kommt es zu sozialen Spannungen und Konflikten. Dabei werden immer wieder Tiere aus der Gruppe gebissen. In der Natur wandern die verstossenen Tiere ab oder sie fallen Krankheiten sowie Fressfeinden zum Opfer. Diese natürlichen Einflüsse fehlen in Zoos. Darum werden Tiere aktiv aus der Gruppe entnommen.

Bevor der Entscheid zur Tötung eines Tieres fällt, werden immer erst alle anderen Optionen geprüft. Bei den aktuell entnommenen Erdmännchen handelt es sich um adulte Tiere. Da diese mangels passender Plätze nicht in andere Zoos abgegeben werden konnten und eine Auswilderung zurzeit nicht notwendig ist, wurden die Tiere schmerzfrei getötet und anschliessend den Tüpfelhyänen in der Lewa Savanne verfüttert.

Verfütterung mit mehrfachem Nutzen

Die Verfütterung der Tiere ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Zum einen stellt der Zoo sicher, dass das verfütterte Fleisch von bester Qualität ist. Es ist garantiert, dass die Tiere zuvor ein artgerechtes Leben geführt haben und schmerzfrei getötet wurden. Durch die kurzen Transportwege ist das Futter zudem nachhaltig. Und für die Hyänen ist das Fressen ganzer Tiere eine sinnvolle und naturnahe Beschäftigung

 

Quelle: Zoo Zürich
Bildquelle: Zoo Zürich