Madagassische Raritäten im Zoo Zürich: Neue Becken für bedrohte Fischarten

In den Becken des Aquariums des Zoo Zürich hat es einige Veränderungen gegeben. Neu leben in drei Becken ausschliesslich Fische, die nur auf Madagaskar vorkommen und die alle gefährdet sind. Unter ihnen auch eine der seltensten Fischarten der Welt: Der Mangarahara-Buntbarsch. Er ist in der Wildnis so gut wie ausgestorben. Sein Überleben wird zurzeit durch die Forschung und Zucht in Zoos gesichert.

Madagaskar ist ein Hotspot der Artenvielfalt. Erdgeschichtlich vor über 150 Millionen Jahren vom Festland getrennt, konnte sich die Natur auf Madagaskar ungestört entwickeln und eigene Wege gehen. So sind Arten entstanden, die es sonst nirgendwo anders auf der Welt gibt.







Süsswasserfische am stärksten bedroht

Das gilt auch für die Fischwelt der afrikanischen Insel. Von den 169 beschriebenen Süsswasserarten sind zwei Drittel endemisch, also nur auf Madagaskar zu finden. Viele davon leben wiederum nur in sehr kleinen Gebieten auf der Insel. Das macht sie anfällig. Schon kleine Veränderungen des Lebensraums können für die Art fatale Folgen haben.

Der im Zoo Zürich lebende Rotschwanz-Ährenfisch beispielweise ist auf beschattete Gewässer angewiesen. Auf Madagaskar schreitet die Entwaldung jedoch rasant voran. Beschattete Gewässer sind dadurch Mangelware und somit fehlt es auch an geeignetem Lebensraum für den Rotschwanz-Ährenfisch.

Abholzung, Überfischung und das Einschleppen von invasiven Arten haben dazu geführt, dass Süsswasserfische inzwischen die am meisten bedrohte Wirbeltiergruppe Madagaskars sind. Etwa ein Fünftel der endemischen Fischwelt steht gar an der Grenze zur Ausrottung. Im Aquarium des Zoo Zürich sind daher neu drei Becken für insgesamt fünf bedrohte madagassische Fischarten reserviert: Neben dem Rotschwanz-Ährenfisch sind dies die vier Buntbarscharten Marakeli, Menarambo, Sambirano und Mangarahara.



Sensationeller Fund

Letzterer zählt zu den seltensten Fischarten der Welt. Erst 2006 erstmals wissenschaftlich beschrieben, galt der Mangarahara-Buntbarsch bereits bald darauf als in der Natur ausgestorben. Sein ursprünglicher Lebensraum besteht aus nur einem einzigen Flusssystem im Norden Madagaskars und dieses ist durch den Bau mehrerer Staudämme zur Bewässerung von Reisfeldern so gut wie inexistent.

Im Jahr 2013 gab es noch vier lebende Fische in zwei Zoos weltweit. Drei Männchen und ein Weibchen. Als das Weibchen starb, galt die Art als so gut wie verloren. Es erfolgte ein letzter Aufruf innerhalb der privaten Aquarianer-Gemeinde. Zwar fand sich kein Mangarahara-Buntbarsch-Weibchen, es meldete sich aber ein madagassischer Fischzüchter. Dieser war sich sicher, einige Exemplare der Art in einem Fluss in der Nähe ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets gesehen zu haben.

Ein Forscherteam brach daraufhin zu einer Suchexpedition auf. Intensiv durchkämmten sie zahlreiche Flüsse und Bäche in der Region. Erfolglos. Die Expedition stand kurz vor ihrem Ende, es wurde ein letzter und für den Barsch als Lebensraum völlig ungeeigneter abgetrennter Seitenarm eines Bachs untersucht. Und tatsächlich – darin schwammen noch 18 Mangarahara-Buntbarsche.





Eine der seltensten Fischarten der Welt

Die 18 Überlebenden wurden gefangen und auf eine madagassische Fischfarm gebracht, wo sie sich erholten und vermehrten. Es entstand ein Schutzprojekt vor Ort. Um den Bestand der Art langfristig zu sichern, wurden 2014 zudem die ersten Nachkommen für die weitere Zucht auf verschiedene Zoos weltweit verteilt. Mit dem Neubau der Forschungsstation und deren Eröffnung im Dezember dieses Jahres kann sich nun auch der Zoo Zürich an der Erhaltungszucht des Mangarahara-Buntbarsches beteiligen. Im Aquarium ist dafür die Startpopulation von 14 Tieren eingezogen.





Aktuell besteht die Reservepopulation des Mangarahara-Buntbarschs in Zoos und Aquarien weltweit aus etwa 370 Tieren. Weil der Lebensraum des Fisches so gut wie nicht mehr existiert, ist eine Wiederansiedelung derzeit nicht möglich. Mit der Reservepopulation in Zoos und dem Schutzprojekt in Madagaskar besteht aber Hoffnung, dass die Art gerettet werden kann.

Bildung, Forschung, Natur- und Artenschutz sind zentrale Anliegen des Zoo Zürich als Naturschutzorganisation. Nicht nur können wir mit der Haltung der fünf Fischarten über die bedrohliche Krise der Artenvielfalt informieren und unsere Gäste für den Naturschutz begeistern. Auch werden wir in der neuen Forschungsstation die optimalen Haltungs- und Zuchtbedingungen weiter erforschen und tragen so aktiv zum Artenschutz bei.

 

Quelle: Zoo Zürich
Bildquelle: Zoo Zürich

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