Wände ausbessern und glätten: Gips und Spachtel richtig einsetzen – Anleitung & Tipps
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Ausbau bauenaktuell.ch Baustelle DIY handwerker24.ch Haus Haus, Garten & Einrichtung Heimwerken hometipp.ch Inspiration Magazine nachrichtenticker.ch News Renovation Renovieren Themen Tipps Trends Wohnen wohnenaktuell.ch Ⳇ Verbreitung
Kratzer, Dübellöcher, Risse, unebene Flächen – kaum eine Wand ist perfekt. Doch mit etwas Geduld, dem richtigen Material und der richtigen Technik lassen sich selbst ramponierte Wände wieder in einen tadellosen Zustand bringen. Spachteln gehört zu den lohnendsten Heimwerkerarbeiten überhaupt: Das Ergebnis ist sofort sichtbar – und die Basis für alles, was danach kommt.
Ob nach einem Umzug, vor dem Streichen oder nach Renovierungsarbeiten: Wände ausbessern und glätten ist in fast jedem Haushalt früher oder später Thema. Wer die Grundlagen kennt, spart sich teure Handwerkerkosten und erzielt dabei ein sauberes, professionelles Ergebnis. Der entscheidende Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Ergebnis liegt fast immer in der Vorbereitung.
Gips oder Spachtelmasse? Den Unterschied kennen
Im Baumarkt stehen dutzende Produkte im Regal – und die Bezeichnungen sorgen oft für Verwirrung. Hier die wichtigsten Unterschiede:
- Fertigspachtel (Dispersionsputz): Gebrauchsfertig aus der Tube oder dem Eimer, kein Anrühren nötig. Ideal für kleine Ausbesserungen wie Dübellöcher, Haarrisse und flache Unebenheiten. Trocknet durch Wasserverdunstung – daher in dünnen Schichten auftragen.
- Gipsspachtel (Pulver): Günstiger für grössere Flächen, muss mit Wasser angerührt werden. Haftet auf nahezu allen Untergründen, ist pH-neutral und eignet sich hervorragend als Untergrund für Farbe und Tapete. Nicht für Nassbereiche und Aussenbereich geeignet.
- Zementspachtel: Für feuchtebelastete Bereiche (Bad, Küche, Aussenbereich) und Böden. Robuster und wasserabweisender als Gipsspachtel, aber schwieriger zu verarbeiten.
- Fugenspachtel: Speziell für den Trockenbau – zum Verspachteln der Stösse zwischen Gipskartonplatten.
Wichtig: Gips zieht schnell an – immer nur kleine Mengen anrühren und zügig verarbeiten. Wer zu viel auf einmal anrührt, sitzt vor einer unbrauchbaren, bereits angezogenen Masse.
Schritt 1: Untergrund vorbereiten – die Basis für alles
Auch beim Spachteln gilt: Was schlecht vorbereitet ist, hält nicht. Die Wand muss sauber, trocken, staubfrei und tragfähig sein. Lose Farbe, nicht haftende Tapetenschichten und Fettstellen müssen vollständig entfernt werden. Dübel entweder herausziehen oder tief genug ins Bohrloch schieben, sodass sie nicht mehr an der Oberfläche sichtbar sind.
Stark saugende Untergründe wie frischer Putz oder Gipskarton sollten mit einem Tiefengrund grundiert werden. Dieser reguliert die Saugfähigkeit des Untergrunds und verhindert, dass die Spachtelmasse zu schnell austrocknet und reisst. Tiefengrund mindestens 12 Stunden trocknen lassen, bevor gespachtelt wird. In Räumen, in denen viel geraucht wurde oder auf neuen Gipskartonplatten, empfiehlt sich ein Sperrgrund gegen Ausblühungen.
Schritt 2: Kleine Schäden ausbessern
Dübellöcher, kleine Risse und Abplatzungen sind die häufigsten Schäden im Wohnbereich. Vorgehen:
- Loch oder Riss von losem Material befreien und entstauben
- Bei tiefen Löchern: zuerst mit einem Pinsel Tiefengrund einstreichen und trocknen lassen
- Spachtelmasse mit dem Malerspachtel direkt ins Loch drücken und überstehende Masse sofort bündig abziehen
- Bei tiefen Löchern lieber zwei dünne Schichten auftragen als eine dicke – Spachtelmasse schwindet beim Trocknen leicht
- Nach vollständiger Trocknung mit Schleifpapier Körnung 120 glätten, entstauben und bei Bedarf dünn überspachteln
Bei Rissen, die auf Bewegungen im Mauerwerk zurückgehen, empfiehlt sich das Einbetten eines Armierungsgewebes (Rissbrücke) in die Spachtelmasse. Das Gewebe verhindert, dass der Riss nach dem Trocknen wieder aufbricht.
Schritt 3: Grosse Flächen glätten
Soll eine ganze Wand geglättet werden – zum Beispiel nach dem Entfernen einer Tapete oder vor dem Streichen –, braucht es eine andere Vorgehensweise als bei kleinen Ausbesserungen. Die Reihenfolge ist dabei entscheidend: immer zuerst die Decke, dann die Wände – so fällt herunterfallendes Material nicht auf bereits gespachtelte Flächen.
Vorgehen beim Flächenspachteln:
- Spachtelmasse mit der Glättkelle oder einem breiten Flächenspachtel gleichmässig auf die Wand auftragen
- Mit einem langen, gleichmässigen Zug von unten nach oben abziehen – bei jedem Durchgang leichten, konstanten Druck ausüben
- Nicht zu dick auftragen: dünne Schichten trocknen gleichmässiger und reissen weniger
- Nach dem Anziehen (die Masse ist leicht matt, aber noch nicht steinhart) mit dem Reibebrett kreisend abreiben und glätten
- Vollständig trocknen lassen – je nach Schichtdicke und Raumtemperatur 4 bis 24 Stunden
- Nach dem Trocknen mit Schleifgitter (Körnung 80) und anschliessend Schleifpapier (Körnung 120) schleifen
Profi-Tipp: Nach dem Schleifen die Wand mit einer Taschenlampe im Streiflicht absuchen – so werden auch kleinste Unebenheiten sichtbar, die im normalen Licht verborgen bleiben. Gefundene Stellen nochmals dünn überspachteln und nach dem Trocknen feinschleifen.
Schritt 4: Schleifen und entstauben
Das Schleifen ist der Schritt, den viele Heimwerker zu wenig ernst nehmen – und der am Ende den grössten Unterschied macht. Eine glatte Wand entsteht nicht allein durch gutes Spachteln, sondern immer auch durch sorgfältiges Schleifen.
Grundsatz: Trocken schleifen für grosse Flächen, nass schleifen für kleinere Korrekturen. Beim Nassschleifen mit einem feuchten Schwamm entsteht weniger Staub – ideal wenn wenig Zeit zum Absaugen ist. Beim Trockenschleifen hingegen ist das Absaugen mit einem Schleifer mit Staubabsaugung oder das vollständige Abdecken des Raumes Pflicht: Gipsstaub ist fein, setzt sich überall fest und ist bei eingeatmeter Menge gesundheitsschädlich.
Nach dem Schleifen die Wand vollständig entstauben – entweder absaugen oder mit einem trockenen Tuch abwischen. Erst dann kann grundiert, gestrichen oder tapeziert werden.
Die häufigsten Fehler kurz zusammengefasst
- Untergrund nicht grundiert: Spachtelmasse trocknet auf saugenden Flächen ungleichmässig aus und reisst. Tiefengrund spart später viel Nacharbeit.
- Zu viel auf einmal angerührt: Gips zieht schnell an – immer nur kleine Mengen mischen und sofort verarbeiten.
- Zu dicke Schichten aufgetragen: Führt zu Rissen beim Trocknen. Lieber mehrere dünne Schichten übereinander.
- Nicht geschliffen: Ohne Schleifen keine wirklich glatte Wand – dieser Schritt ist nicht optional.
- Gipsstaub nicht entfernt: Farbe und Tapete haften schlecht auf staubigen Flächen. Immer entstauben vor dem nächsten Schritt.
- Risse nicht armiert: Ohne Rissbrücke können Bewegungsrisse nach dem Spachteln erneut auftreten.
Video-Tipp: Wände glatt spachteln – Malermeister erklärt Schritt für Schritt
Wer die Technik des Flächenspachtelns einmal in der Praxis sehen möchte, dem empfehlen wir dieses aktuelle Video aus dem Jahr 2024, in dem ein Malermeister alle wichtigen Handgriffe verständlich und praxisnah erklärt:
Fazit
Wände ausbessern und glätten ist kein Hexenwerk – aber es vergibt schlechte Vorbereitung kaum. Wer grundiert, sorgfältig spachtelt, ausreichend trocknen lässt und konsequent schleift, erzielt ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Das Wichtigste dabei: Geduld. Spachteln ist kein Sprint. Wer Schicht für Schicht vorgeht und jeden Schritt vollständig abschliesst, bevor er den nächsten beginnt, hat am Ende die schönsten Wände.
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