Sue Piller greift wieder an

Sue Piller ist nach schwierigen Monaten wieder vollständig im Training. Die 21-jährige Freiburger Ski-Hoffnung bereitet sich derzeit während eines dreiwöchigen Camps in Ushuaia auf die Weltcup-Saison 2026/27 vor. Nach mehreren Erkrankungen, einem bakteriellen Infekt und 18 Wochen Spitzensport-RS will Piller nun den nächsten Schritt machen – mit mehr Explosivität und einer direkteren Linie im Riesenslalom.

Piller gehört zu den grossen Schweizer Aufsteigerinnen des vergangenen Winters. Rang sechs im Weltcup-Riesenslalom von Špindlerův Mlýn, zwei Europacup-Siege und ihr Olympia-Debüt machten aus dem Talent endgültig eine Fahrerin mit Perspektive für die Weltspitze.

Doch nach dem Saisonende geriet der Rhythmus ins Stocken. Piller wurde gleich dreimal krank und rückte praktisch ohne Erholungsphase in die Spitzensport-RS ein. Inzwischen ist der körperliche Rückstand aufgeholt – und auch der Rücken bereitet derzeit keine Probleme.

Drei Erkrankungen nach dem Saisonende

Die Probleme begannen unmittelbar nach dem letzten Winter.

Piller wurde zunächst zweimal für jeweils rund fünf Tage von Grippe und hohem Fieber ausgebremst. Beim dritten Mal erwischte es sie noch heftiger.

Ein bakterieller Infekt setzte der Riesenslalom-Spezialistin zu und belastete auch den Magen.

Für Piller kam die Serie von Erkrankungen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach einer langen Saison mit Weltcup, Europacup, Olympischen Spielen und Schweizer Meisterschaften hätte ihr Körper eigentlich eine längere Pause benötigt.

Genau diese bekam er zunächst nicht.

Zwei Tage später bereits in der Spitzensport-RS

Nur zwei Tage nach ihrem letzten Rennen bei den Schweizer Meisterschaften rückte Piller zur Spitzensport-RS ein.

Der Zeitpunkt war aus sportlicher Sicht alles andere als ideal. Nach den Erkrankungen war die Freiburgerin noch nicht wieder vollständig belastbar und musste zunächst nochmals nach Hause.

Grundsätzlich zieht Piller aus den insgesamt 18 Wochen Militärdienst dennoch eine positive Bilanz.

Die Trainingsmöglichkeiten in Magglingen ermöglichten ihr, gezielt an Kraft, Athletik und körperlichen Grundlagen zu arbeiten. Gerade für eine junge Fahrerin, die sich dauerhaft im Weltcup etablieren will, besitzt dieser Bereich grosse Bedeutung.

Inzwischen ist die Spitzensport-RS abgeschlossen und der Fokus liegt wieder vollständig auf dem Skisport.

Drei Wochen Training am Ende der Welt

Aktuell befindet sich Piller mit dem Schweizer Team in Ushuaia im Süden Argentiniens.

Für die 21-Jährige ist es bereits das zweite Trainingslager in Südamerika.

Drei Wochen lang arbeitet sie im Skigebiet Cerro Castor an Material, Technik und Abstimmung. Die Bedingungen bieten genau das, was die Schweizerinnen zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung benötigen: Schnee, steile Hänge und teilweise harte, eisige Pisten.

Der nächste Fixpunkt ist bereits klar.

Am 24. Oktober soll Piller beim Saisonauftakt in Österreich bereit sein. Der Rettenbachgletscher ist seit Jahren Schauplatz des traditionellen Weltcup-Openings in Sölden.

Rang sechs verändert die Erwartungen

Die Ausgangslage ist für Piller diesmal eine andere als noch vor einem Jahr.

Damals stand vor allem die Frage im Raum, ob sie sich dauerhaft im Weltcup etablieren kann.

Diese Antwort hat sie inzwischen geliefert.

Am 24. Januar 2026 gelang ihr im Riesenslalom von Špindlerův Mlýn der Durchbruch. Piller fuhr auf Rang sechs und damit erstmals in ihrer Karriere in die Top Ten eines Weltcuprennens.

Über die gesamte Weltcup-Saison sammelte sie im Riesenslalom 73 Punkte.

Neben dem sechsten Platz gelangen ihr fünf weitere Punkteresultate.

Damit zeigte die Freiburgerin nicht nur einzelne starke Läufe, sondern eine zunehmende Konstanz auf höchstem Niveau.

Zwei Europacup-Siege als zusätzliche Bestätigung

Parallel zum Weltcup lieferte Piller auch im Europacup starke Resultate.

Im Januar gewann sie den Riesenslalom in Sestriere.

Beim Saisonfinal in Schladming folgte Ende März der zweite Sieg.

Gerade dieser Erfolg unterstrich, dass ihr Weltcup-Durchbruch keine Momentaufnahme war.

Piller verfügte am Ende des Winters über genügend Niveau, um auf der zweithöchsten Rennstufe regelmässig um Siege zu fahren und gleichzeitig im Weltcup Punkte zu sammeln.

Auch bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 gehörte sie zum Schweizer Aufgebot.

Im olympischen Riesenslalom belegte sie Rang 24.

Jetzt soll aus Kraft mehr Explosivität werden

Für den kommenden Winter verändert sich deshalb auch der Trainingsschwerpunkt.

Reine Muskelmasse ist nicht mehr das zentrale Thema.

Piller will die vorhandene Kraft schneller auf die Ski bringen.

Der Fokus liegt auf Schnellkraft und Explosivität.

Das soll sich direkt auf ihre Linienwahl auswirken. In der Vergangenheit fuhr die Schweizerin häufig kontrolliert und technisch sauber, wählte dabei aber teilweise etwas grössere Radien.

Nun will sie die Tore aggressiver und direkter ansteuern.

Gerade im modernen Riesenslalom können wenige Zentimeter bei der Linienwahl über mehrere Zehntelsekunden entscheiden.

Auch der Rücken hält wieder

Besonders wichtig ist deshalb die körperliche Situation.

Der Rücken hatte Piller in der Vergangenheit immer wieder beschäftigt.

Aktuell kann sie jedoch ohne Beschwerden trainieren.

Nach den Erkrankungen im Frühling und der anschliessenden Militärzeit hat sie den körperlichen Rückstand inzwischen aufgeholt.

Damit kann Piller im südamerikanischen Winter wieder jene Belastungen fahren, die für die Vorbereitung auf Sölden entscheidend sind.

Der nächste Schritt Richtung Weltspitze

Für Sue Piller beginnt damit eine neue Phase ihrer Karriere.

Vor zwölf Monaten war sie noch eine junge Fahrerin auf dem Sprung in den Weltcup.

Nun reist sie als Weltcup-Sechste, zweifache Europacup-Siegerin und Olympiateilnehmerin in die neue Saison.

Die Erwartungen sind entsprechend gestiegen.

Bis zum Saisonstart bleiben noch mehrere Wochen, doch die Richtung ist klar: schneller, explosiver und offensiver fahren.

Nach einem Frühling voller gesundheitlicher Rückschläge und einer intensiven Zeit im Militär ist Piller wieder dort, wo sie sein will – auf Schnee und mit freiem Blick auf den nächsten Schritt.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert