Sicherheit ja – aber zu welchem Preis? Warum Prävention konsequenter gedacht werden muss
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Betrieb Betrieb Bildung & Arbeit business24.ch businessaktuell.ch Cybersecurity familie.ch Infrastruktur Kriminalität Magazine nachrichtenticker.ch News Organisationen Orte Prävention Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Technik Themen Ⳇ Verbreitung
Nach einem Einbruch, einer Sachbeschädigung oder einem Übergriff ist die Empörung oft gross. Plötzlich werden mehr Kontrollen, sichtbare Sicherheitskräfte und konsequente Schutzmassnahmen gefordert. Doch wenn ein professioneller Sicherheitsdienst tatsächlich beauftragt werden könnte, scheitert die Umsetzung nicht selten an der Kostenfrage. Genau dieser Widerspruch verdient eine ernsthafte Diskussion über Sicherheit und Prävention in der Schweiz.
Sicherheit gehört zu den grundlegenden Erwartungen an Wohnanlagen, Einkaufszentren, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Solange nichts passiert, bleibt ihr tatsächlicher Aufwand allerdings häufig unsichtbar. Erst nach einem Vorfall wird deutlich, dass wirksame Schutzkonzepte nicht allein aus Kameras, Schlössern und Alarmanlagen bestehen.
In der Schweiz arbeiten rund 23’000 Menschen in privaten Sicherheitsdiensten. Die Branche umfasst mehr als 750 Unternehmen und erwirtschaftet jährlich über eine Milliarde Franken. Eine Untersuchung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeigt damit die erhebliche Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs. Trotzdem bleibt die Frage, wie viel Sicherheit Auftraggeber tatsächlich finanzieren wollen.
Nach jedem Vorfall wird mehr Sicherheit verlangt
Das Muster ist bekannt: In einer Wohnüberbauung häufen sich Sachbeschädigungen, in einem Geschäft kommt es wiederholt zu Diebstählen oder bei einer Veranstaltung entstehen Konflikte.
Die Forderungen folgen schnell. Mehr Überwachung, regelmässige Patrouillen und sichtbares Sicherheitspersonal sollen verhindern, dass sich solche Situationen wiederholen.
Doch zwischen der Forderung und ihrer Umsetzung liegt ein entscheidender Schritt: Jemand muss einen Sicherheitsdienst beauftragen, dessen Aufgaben festlegen und die Leistungen bezahlen.
Gerade bei Eigentümergemeinschaften, kleineren Unternehmen oder Veranstaltern können unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, welche Ausgaben angemessen sind.
Warum Prävention häufig unterschätzt wird
Ein Sicherheitsdienst leistet seine Arbeit nicht erst dann, wenn er unmittelbar eingreifen muss. Kontrollgänge, die Prüfung von Zugängen und eine aufmerksame Präsenz gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben.
Solche Tätigkeiten sind für Aussenstehende wenig spektakulär. Bleiben Zwischenfälle aus, lässt sich zudem nicht ohne Weiteres feststellen, welchen Anteil die Sicherheitsmassnahmen daran hatten.
Das macht Prävention schwerer zu bewerten als die sichtbaren Folgen eines Einbruchs oder einer Sachbeschädigung.
Eine ruhige Nacht beweist deshalb weder, dass ein Sicherheitsdienst überflüssig war, noch dass seine Anwesenheit allein sämtliche Risiken verhindert hat.
Beim Sicherheitsdienst entscheidet oft der Preis
Der Verband Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen weist auf ein grundlegendes Problem hin: Bei der Vergabe von Sicherheitsaufträgen erhält das Preiskriterium häufig mehr Gewicht als die Qualität der angebotenen Leistungen.
Dabei unterscheiden sich Sicherheitsdienstleistungen erheblich. Eine professionelle Gefährdungsbeurteilung, qualifiziertes Personal, gute Einsatzplanung und regelmässige Weiterbildung haben ihren Preis.
Wer ausschliesslich das günstigste Angebot auswählt, riskiert, dass wichtige Qualitätsmerkmale zu wenig berücksichtigt werden.
Andererseits ist auch nicht jeder Standort auf eine dauerhafte Bewachung angewiesen. Entscheidend ist, ob Art und Umfang der Dienstleistungen zu den tatsächlichen Risiken passen.
Gemeinden und Unternehmen müssen Prioritäten setzen
Sicherheitsdienste können beispielsweise in Einkaufszentren, Gewerbegebieten, Wohnüberbauungen und bei Veranstaltungen eingesetzt werden.
Für Gemeinden stellt sich dabei die Frage, welche Aufgaben staatliche Stellen übernehmen müssen und wo ergänzende private Dienstleistungen sinnvoll sind.
Unternehmen wiederum müssen den möglichen Schaden eines Sicherheitsvorfalls mit den Kosten vorbeugender Massnahmen abwägen.
Eine professionelle Sicherheitslösung muss deshalb nicht zwingend aus einer dauerhaften Bewachung bestehen. Zeitlich begrenzte Kontrollgänge oder gezielte Zutrittskontrollen können je nach Gefährdung ausreichen.
Private Sicherheitskräfte ersetzen nicht die Polizei
Die Aufgaben privater Sicherheitsunternehmen sind rechtlich begrenzt. Die Polizei bleibt für ihre hoheitlichen Befugnisse zuständig.
Im Kanton Zürich benötigen gewerbsmässige Sicherheitsunternehmen eine Betriebsbewilligung. Auch an die Mitarbeitenden werden Anforderungen hinsichtlich Ausbildung, Zuverlässigkeit und Eignung gestellt.
Sicherheitskräfte müssen sich zudem deutlich von der Polizei unterscheiden und dürfen deren Arbeit nicht beeinträchtigen.
Ihre eigentliche Stärke liegt häufig in der Ergänzung bestehender Schutzmassnahmen: beobachten, kontrollieren, frühzeitig reagieren und bei Bedarf die zuständigen Behörden verständigen.
Technik allein löst nicht jedes Sicherheitsproblem
Alarmanlagen, Beleuchtung, sichere Türen und elektronische Überwachung können erhebliche Beiträge zur Prävention leisten.
Wie eine Kombination aus Alarmtechnik, Bewegungsmeldern und menschlicher Aufmerksamkeit den Einbruchschutz verbessern kann, zeigt auch die aktuelle Schweizer Präventionsarbeit.
Allerdings benötigt jede technische Einrichtung ein durchdachtes Konzept. Eine Kamera verhindert nicht automatisch einen Übergriff, und ein Alarm hilft nur dann, wenn klar ist, wer darauf reagieren soll.
Technische Lösungen und menschliche Präsenz erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ihre Kombination kann sinnvoller sein als die einseitige Konzentration auf eine einzelne Massnahme.
Mehr Sicherheit beginnt mit einer ehrlichen Kostenfrage
Die entscheidende Diskussion sollte deshalb nicht erst nach einem Zwischenfall stattfinden. Verantwortliche müssen frühzeitig klären, welche Gefahren bestehen, welche Schutzmassnahmen angemessen sind und welches Budget dafür zur Verfügung steht.
Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Sicherheitsdienste keine Garantie für einen vollständig störungsfreien Betrieb bieten können.
Wer Prävention fordert, sollte bereit sein, über ihre Finanzierung zu sprechen. Umgekehrt müssen Sicherheitsunternehmen nachvollziehbar erklären können, welchen Nutzen ihre Leistungen bieten.
Nur wenn Erwartungen, Zuständigkeiten und finanzielle Mittel zusammenpassen, entstehen dauerhaft tragfähige Sicherheitskonzepte.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert