Sicherheit ja – aber zu welchem Preis? Warum Prävention konsequenter gedacht werden muss

Nach einem Einbruch, einer Sachbeschädigung oder einem Übergriff ist die Empörung oft gross. Plötzlich werden mehr Kontrollen, sichtbare Sicherheitskräfte und konsequente Schutzmassnahmen gefordert. Doch wenn ein professioneller Sicherheitsdienst tatsächlich beauftragt werden könnte, scheitert die Umsetzung nicht selten an der Kostenfrage. Genau dieser Widerspruch verdient eine ernsthafte Diskussion über Sicherheit und Prävention in der Schweiz.

Sicherheit gehört zu den grundlegenden Erwartungen an Wohnanlagen, Einkaufszentren, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Solange nichts passiert, bleibt ihr tatsächlicher Aufwand allerdings häufig unsichtbar. Erst nach einem Vorfall wird deutlich, dass wirksame Schutzkonzepte nicht allein aus Kameras, Schlössern und Alarmanlagen bestehen.

In der Schweiz arbeiten rund 23’000 Menschen in privaten Sicherheitsdiensten. Die Branche umfasst mehr als 750 Unternehmen und erwirtschaftet jährlich über eine Milliarde Franken. Eine Untersuchung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeigt damit die erhebliche Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs. Trotzdem bleibt die Frage, wie viel Sicherheit Auftraggeber tatsächlich finanzieren wollen.

SICHERHEIT.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Öffentliche Forderungen: Nach Sicherheitsvorfällen wächst häufig der Ruf nach zusätzlichen Kontrollen.
Finanzierung: Professionelle Sicherheitsdienste verursachen laufende Personal- und Einsatzkosten.
Schweizer Sicherheitsbranche: Rund 23’000 Beschäftigte und mehr als 750 Unternehmen.
Qualität: Ausbildung, Einsatzplanung und klare Zuständigkeiten sind entscheidend.
Prävention: Kontrollgänge, Zutrittskontrollen und technische Schutzmassnahmen können sich ergänzen.
Was das bedeutet
Wer zusätzliche Sicherheitsmassnahmen fordert, muss auch deren Finanzierung und praktische Umsetzung berücksichtigen. Eine sorgfältige Risikoanalyse hilft dabei, geeignete Schutzmassnahmen auszuwählen, ohne unnötige Kosten oder unrealistische Erwartungen zu erzeugen.

Nach jedem Vorfall wird mehr Sicherheit verlangt

Das Muster ist bekannt: In einer Wohnüberbauung häufen sich Sachbeschädigungen, in einem Geschäft kommt es wiederholt zu Diebstählen oder bei einer Veranstaltung entstehen Konflikte.

Die Forderungen folgen schnell. Mehr Überwachung, regelmässige Patrouillen und sichtbares Sicherheitspersonal sollen verhindern, dass sich solche Situationen wiederholen.

Doch zwischen der Forderung und ihrer Umsetzung liegt ein entscheidender Schritt: Jemand muss einen Sicherheitsdienst beauftragen, dessen Aufgaben festlegen und die Leistungen bezahlen.

Gerade bei Eigentümergemeinschaften, kleineren Unternehmen oder Veranstaltern können unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, welche Ausgaben angemessen sind.

Warum Prävention häufig unterschätzt wird

Ein Sicherheitsdienst leistet seine Arbeit nicht erst dann, wenn er unmittelbar eingreifen muss. Kontrollgänge, die Prüfung von Zugängen und eine aufmerksame Präsenz gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben.

Solche Tätigkeiten sind für Aussenstehende wenig spektakulär. Bleiben Zwischenfälle aus, lässt sich zudem nicht ohne Weiteres feststellen, welchen Anteil die Sicherheitsmassnahmen daran hatten.

Das macht Prävention schwerer zu bewerten als die sichtbaren Folgen eines Einbruchs oder einer Sachbeschädigung.

Eine ruhige Nacht beweist deshalb weder, dass ein Sicherheitsdienst überflüssig war, noch dass seine Anwesenheit allein sämtliche Risiken verhindert hat.

Beim Sicherheitsdienst entscheidet oft der Preis

Der Verband Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen weist auf ein grundlegendes Problem hin: Bei der Vergabe von Sicherheitsaufträgen erhält das Preiskriterium häufig mehr Gewicht als die Qualität der angebotenen Leistungen.

Dabei unterscheiden sich Sicherheitsdienstleistungen erheblich. Eine professionelle Gefährdungsbeurteilung, qualifiziertes Personal, gute Einsatzplanung und regelmässige Weiterbildung haben ihren Preis.

Wer ausschliesslich das günstigste Angebot auswählt, riskiert, dass wichtige Qualitätsmerkmale zu wenig berücksichtigt werden.

Andererseits ist auch nicht jeder Standort auf eine dauerhafte Bewachung angewiesen. Entscheidend ist, ob Art und Umfang der Dienstleistungen zu den tatsächlichen Risiken passen.

Gemeinden und Unternehmen müssen Prioritäten setzen

Sicherheitsdienste können beispielsweise in Einkaufszentren, Gewerbegebieten, Wohnüberbauungen und bei Veranstaltungen eingesetzt werden.

Für Gemeinden stellt sich dabei die Frage, welche Aufgaben staatliche Stellen übernehmen müssen und wo ergänzende private Dienstleistungen sinnvoll sind.

Unternehmen wiederum müssen den möglichen Schaden eines Sicherheitsvorfalls mit den Kosten vorbeugender Massnahmen abwägen.

Eine professionelle Sicherheitslösung muss deshalb nicht zwingend aus einer dauerhaften Bewachung bestehen. Zeitlich begrenzte Kontrollgänge oder gezielte Zutrittskontrollen können je nach Gefährdung ausreichen.

Private Sicherheitskräfte ersetzen nicht die Polizei

Die Aufgaben privater Sicherheitsunternehmen sind rechtlich begrenzt. Die Polizei bleibt für ihre hoheitlichen Befugnisse zuständig.

Im Kanton Zürich benötigen gewerbsmässige Sicherheitsunternehmen eine Betriebsbewilligung. Auch an die Mitarbeitenden werden Anforderungen hinsichtlich Ausbildung, Zuverlässigkeit und Eignung gestellt.

Sicherheitskräfte müssen sich zudem deutlich von der Polizei unterscheiden und dürfen deren Arbeit nicht beeinträchtigen.

Ihre eigentliche Stärke liegt häufig in der Ergänzung bestehender Schutzmassnahmen: beobachten, kontrollieren, frühzeitig reagieren und bei Bedarf die zuständigen Behörden verständigen.

Technik allein löst nicht jedes Sicherheitsproblem

Alarmanlagen, Beleuchtung, sichere Türen und elektronische Überwachung können erhebliche Beiträge zur Prävention leisten.

Wie eine Kombination aus Alarmtechnik, Bewegungsmeldern und menschlicher Aufmerksamkeit den Einbruchschutz verbessern kann, zeigt auch die aktuelle Schweizer Präventionsarbeit.

Allerdings benötigt jede technische Einrichtung ein durchdachtes Konzept. Eine Kamera verhindert nicht automatisch einen Übergriff, und ein Alarm hilft nur dann, wenn klar ist, wer darauf reagieren soll.

Technische Lösungen und menschliche Präsenz erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ihre Kombination kann sinnvoller sein als die einseitige Konzentration auf eine einzelne Massnahme.

Mehr Sicherheit beginnt mit einer ehrlichen Kostenfrage

Die entscheidende Diskussion sollte deshalb nicht erst nach einem Zwischenfall stattfinden. Verantwortliche müssen frühzeitig klären, welche Gefahren bestehen, welche Schutzmassnahmen angemessen sind und welches Budget dafür zur Verfügung steht.

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Sicherheitsdienste keine Garantie für einen vollständig störungsfreien Betrieb bieten können.

Wer Prävention fordert, sollte bereit sein, über ihre Finanzierung zu sprechen. Umgekehrt müssen Sicherheitsunternehmen nachvollziehbar erklären können, welchen Nutzen ihre Leistungen bieten.

Nur wenn Erwartungen, Zuständigkeiten und finanzielle Mittel zusammenpassen, entstehen dauerhaft tragfähige Sicherheitskonzepte.

AKTUELLER STAND
Private Sicherheitsdienste: Aufgaben und Einsatzmöglichkeiten
Schweizer Sicherheitsbranche | Oktober 2026
Einsatzbereich Mögliche Sicherheitsleistung
Wohnüberbauungen Kontrollgänge, Überprüfung von Zugängen
Einkaufszentren Präsenz, Kontroll- und Aufsichtsdienste
Gewerbegebiete Objektschutz und Kontrollfahrten
Veranstaltungen Zutrittskontrolle, Ordnungs- und Sicherheitsdienste
Baustellen Bewachung, Schutz vor unbefugtem Zutritt
Unternehmen Empfangssicherheit, Zugangskontrolle
Gefährdete Personen Personenschutz nach Risikoanalyse
Sicherheitstechnik Alarmbearbeitung und abgestimmte Reaktion
Zusammenarbeit mit Polizei Meldung von Vorfällen und Unterstützung im rechtlichen Rahmen

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert