Zukunft der Champions Hockey League nach 2028 offen

Die Champions Hockey League steht vor einer wichtigen Entscheidung. Der Vertrag mit Vermarktungspartner Infront läuft 2028 aus, eine erste Offerte für eine Verlängerung wurde von den CHL-Verantwortlichen abgelehnt. Laut einem Bericht der NZZ liegt das neue Angebot wirtschaftlich deutlich unter den bisherigen Konditionen. Damit stellt sich die Frage, wie der europäische Klubwettbewerb langfristig finanziert und organisiert werden soll.

Im Raum steht eine Reduktion der finanziellen Leistungen von Infront um rund 50 Prozent. Die Verantwortlichen der Champions Hockey League und ihre Aktionäre wollen spätestens bis zum kommenden Sommer über die weitere Ausrichtung entscheiden. Der bestehende Vertrag und die Aktionärsvereinbarung sichern den Wettbewerb bis 2028 ab.

Für das Schweizer Eishockey ist die Entwicklung besonders relevant. Die National League gehört zu den sechs Gründungsligen der CHL und stellt in dieser Saison mit Fribourg-Gottéron, dem HC Davos und Genève-Servette drei Teilnehmer. Schweizer Klubs spielten zuletzt eine wichtige Rolle: Servette gewann 2024 den Titel, die ZSC Lions folgten 2025.

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Das Wichtigste auf einen Blick
Vertrag: Die Vereinbarung mit Vermarktungspartner Infront läuft 2028 aus.
Verhandlungen: Eine erste Verlängerungsofferte wurde abgelehnt.
Finanzen: Im Raum steht eine Kürzung der bisherigen Leistungen um rund 50 Prozent.
Reformen: Ein kleineres Teilnehmerfeld und ein kompakterer Spielplan werden diskutiert.
Schweizer Teams: Fribourg-Gottéron, Genève-Servette und der HC Davos sind 2026/27 dabei.
Was das bedeutet
Die CHL benötigt für die Zeit nach 2028 ein tragfähiges Geschäftsmodell. Weniger Spiele könnten die Kosten für die teilnehmenden Vereine senken, zugleich aber die sportliche Breite des Wettbewerbs einschränken. Für die Schweizer National League geht es auch um den künftigen Zugang ihrer Klubs zum europäischen Spitzenhockey.

Wirtschaftlichkeit bleibt die grosse Baustelle

Das grundlegende Problem der Champions Hockey League ist nicht neu. Trotz verschiedener Reformen und der Reduktion auf 24 Mannschaften ist es dem Wettbewerb bislang nur teilweise gelungen, sich bei einem breiten Publikum als europäischer Höhepunkt zu etablieren.

In der Saison 2025/26 kamen durchschnittlich 3557 Zuschauer zu den insgesamt 101 CHL-Partien. Einzelne Begegnungen zeigen allerdings, welches Potenzial vorhanden ist. So verkauften die Kölner Haie im September für das Duell mit Frölunda 18’104 Tickets.

Solche Kulissen bleiben die Ausnahme. Für viele teilnehmende Klubs ist vor allem die finanzielle Rechnung entscheidend. Reise-, Personal- und Organisationskosten stehen den Einnahmen aus dem Wettbewerb gegenüber.

Nach den von der NZZ aufgegriffenen wirtschaftlichen Einschätzungen machen Vereine, die nicht mindestens den Halbfinal erreichen, mit ihrer CHL-Teilnahme häufig Verlust.

Weniger Teams und ein kürzerer Spielplan?

Entsprechend werden verschiedene Modelle für die Zukunft diskutiert. Eine Möglichkeit wäre eine weitere Verkleinerung des Teilnehmerfeldes.

Denkbar wäre sogar eine Champions Hockey League, in der aus den sechs wichtigsten europäischen Ligen nur noch die jeweiligen Meister antreten. Damit würde sich der Wettbewerb stärker auf die nationalen Titelträger konzentrieren.

Auch der Spielplan könnte deutlich gestrafft werden. Eine kurze erste Phase und anschliessend ein kompaktes Finalturnier würden die zusätzliche Belastung der Vereine reduzieren.

Derzeit bestreiten 24 Mannschaften zunächst je sechs Partien in einer gemeinsamen Ligaphase. Die besten 16 Teams qualifizieren sich für die anschliessenden K.o.-Runden. Insgesamt umfasst eine Saison 101 Begegnungen.

Schweizer Klubs liefern sportliche Argumente

Aus Schweizer Sicht zeigt die laufende Saison, weshalb der Wettbewerb sportlich weiterhin interessant ist.

Genève-Servette verlor zuletzt bei den Växjö Lakers mit einer stark veränderten Mannschaft 0:4. Trotzdem haben sich die Genfer bereits für die K.o.-Phase qualifiziert.

Auch Fribourg-Gottéron steht nach dem 6:1 gegen HK Nitra vorzeitig im Achtelfinal. Beide Schweizer Klubs weisen nach fünf Spielen neun Punkte auf.

Für den HC Davos ist die Ausgangslage weniger komfortabel. Die Bündner stehen mit acht Punkten auf Rang 13 und müssen im letzten Gruppenspiel gegen Bílí Tygři Liberec noch um ihre Qualifikation kämpfen.

Die unterschiedliche Situation der drei Schweizer Vertreter unterstreicht, dass die CHL sportliche Spannung bieten kann. Gleichzeitig müssen die Klubs ihre europäischen Verpflichtungen mit dem dichten Programm der National League vereinbaren.

Sogar Duelle gegen NHL-Teams wieder ein Thema

Eine weitere Idee betrifft die internationale Strahlkraft des Wettbewerbs. Diskutiert wird, den europäischen CHL-Sieger künftig wieder gegen eine Mannschaft aus der NHL antreten zu lassen.

Einen vergleichbaren Wettbewerb gab es mit dem Victoria Cup bereits früher. Aus Schweizer Sicht ist besonders die Austragung von 2009 in Erinnerung geblieben.

Damals besiegten die ZSC Lions die Chicago Blackhawks im Hallenstadion mit 2:1. Der Erfolg gegen einen NHL-Klub sorgte weit über die Schweiz hinaus für Aufmerksamkeit.

Ein erneutes Duell zwischen dem europäischen Champion und einem nordamerikanischen Vertreter könnte zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten eröffnen. Laut dem aktuellen Bericht bestehen dazu Kontakte.

Entscheidung über die Zukunft bis Sommer 2027

CHL-Präsident Jörgen Lindgren zeigt sich trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zuversichtlich. Gegenüber der NZZ erklärte er, er sei sehr sicher, dass der Wettbewerb weitergeführt werde.

Die Frage ist allerdings, unter welchen Voraussetzungen die Champions Hockey League ab 2028 stattfinden kann.

Neben den Vermarktungseinnahmen spielen dabei die Interessen der sechs Gründungsligen und der beteiligten Klubs eine zentrale Rolle. Eine Reform müsste sowohl wirtschaftlich funktionieren als auch den sportlichen Wert des Wettbewerbs erhalten.

Spätestens im kommenden Sommer soll deshalb eine Richtung für die Zukunft feststehen. Bis dahin läuft der Spielbetrieb im bestehenden Format weiter.

AKTUELLER STAND
CHL 2026/27 – Schweizer Teilnehmer
Stand: 9. Oktober 2026, nach fünf Spielen der Ligaphase
Rang / Team Sp. Diff. Pkt.
7. Fribourg-Gottéron 5 +6 9
10. Genève-Servette 5 +1 9
13. HC Davos 5 +4 8

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert