Schweizer Automarkt im Oktober: Elektroautos wachsen rasant, Gesamtmarkt nur leicht
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Auto Business Elektro Elektronik familie.ch Magazine Mobilität motor.ch motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Technik Themen Wirtschaft Ⳇ Verbreitung
Der Schweizer Automarkt kommt weiterhin nur langsam voran, doch Elektroautos erleben einen kräftigen Aufschwung. Im Oktober 2026 wurden in der Schweiz und Liechtenstein 18’986 neue Personenwagen zugelassen, lediglich 2,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ganz anders entwickelt sich die Elektromobilität: Mit 6’620 Neuzulassungen liegt das Wachstum bei reinen Elektroautos gegenüber Oktober 2025 bei 58,6 Prozent.
Die am Montag, 2. November 2026, veröffentlichten Zahlen von auto-schweiz zeigen einen zunehmend gespaltenen Markt. Von Januar bis Oktober wurden insgesamt 192’523 neue Personenwagen immatrikuliert. Das entspricht einem Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr. Die Elektroautos erreichen dagegen seit Jahresbeginn ein Wachstum von 30,5 Prozent.
Besonders auffällig ist der Vergleich mit Europa. Während der EU-Neuwagenmarkt in den ersten neun Monaten um 5,7 Prozent wuchs, bleibt die Erholung in der Schweiz deutlich schwächer. Gleichzeitig erreicht das Durchschnittsalter des Schweizer Fahrzeugbestands mit elf Jahren einen neuen Höchstwert.
Elektroautos sind die Gewinner des Oktobers
Die bemerkenswerteste Zahl der neuen Marktstatistik betrifft reine Elektroautos. Im Oktober 2025 wurden 4’175 batterieelektrische Personenwagen zugelassen. Ein Jahr später sind es bereits 6’620 Fahrzeuge.
Das entspricht 2’445 zusätzlichen Elektroautos innerhalb eines Monats und einer Steigerung von 58,6 Prozent.
Der Anteil am gesamten Neuwagenmarkt erreichte damit im Oktober 34,9 Prozent. Anders ausgedrückt: Mehr als jeder dritte neu immatrikulierte Personenwagen fuhr ausschliesslich elektrisch.
Seit Januar wurden 52’084 Elektroautos zugelassen. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 39’900. Damit beträgt das Wachstum über zehn Monate 30,5 Prozent.
Der Gesamtmarkt wächst deutlich langsamer
Während die Elektroautos kräftig zulegen, zeigt sich beim gesamten Schweizer Neuwagenmarkt lediglich eine leichte Verbesserung.
Im Oktober wurden 18’986 Personenwagen zugelassen. Im Vorjahresmonat waren es 18’451. Das ergibt einen Zuwachs um 535 Fahrzeuge.
Auch die Jahresbilanz fällt zurückhaltend aus. Nach zehn Monaten stehen 192’523 Neuzulassungen in der Statistik, was einer Zunahme von 2,7 Prozent entspricht.
Bereits die Entwicklung der Elektroauto-Nachfrage im August zeigte diese Unterschiede. Damals erreichten reine Elektrofahrzeuge einen Monatsanteil von 30,2 Prozent, während der gesamte Neuwagenmarkt leicht schrumpfte.
Der Oktober bestätigt damit eine länger anhaltende Entwicklung: Elektrische Antriebe gewinnen Marktanteile, während der Absatz insgesamt nur schwach wächst.
Europa erholt sich schneller als die Schweiz
Für auto-schweiz ist besonders der europäische Vergleich ein Warnsignal.
In den ersten neun Monaten wuchs der Neuwagenmarkt der Europäischen Union um 5,7 Prozent. Die Schweiz liegt mit ihrem bisherigen Jahreswachstum deutlich darunter.
Der Branchenverband sieht darin ein strukturelles Problem. Die seit der Pandemie schwache Nachfrage erschwere die Erneuerung des Fahrzeugbestands.
Mario Bonato, Chefökonom von auto-schweiz, warnt insbesondere vor den Folgen des steigenden Fahrzeugalters für Sicherheit und Umwelt.
Mit durchschnittlich elf Jahren erreicht der Schweizer Fahrzeugbestand einen neuen Altersrekord. Die Modernisierung durch Fahrzeuge mit neueren Sicherheits- und Antriebstechnologien erfolgt damit langsamer als vom Verband gewünscht.
Streit um die Schweizer CO₂-Vorschriften
Neben den schwachen Gesamtzahlen kritisiert auto-schweiz die regulatorischen Rahmenbedingungen.
Der Verband fordert eine stärkere Angleichung der Schweizer CO₂-Vorschriften an die europäischen Regelungen. Insbesondere die starren jährlichen Emissionsziele und mögliche Sanktionen belasteten nach seiner Einschätzung die Importeure.
Direktor Thomas Rücker sieht darin einen Wettbewerbsnachteil gegenüber europäischen Märkten, in denen regulatorische Erleichterungen vorgesehen sind.
Die Forderungen sind Teil einer politischen Debatte. Strenge Emissionsvorschriften sollen den Absatz emissionsarmer Fahrzeuge fördern, während die Branche grössere Flexibilität verlangt.
Was die Zahlen für Autokäufer bedeuten
Für Schweizer Autofahrer ist vor allem die wachsende Bedeutung elektrischer Antriebe interessant.
Hersteller und Händler stehen unter Druck, attraktive Modelle in verschiedenen Preisklassen anzubieten. Gerade kleinere Elektroautos könnten für Haushalte wichtiger werden, die bisher wegen hoher Anschaffungskosten auf einen Umstieg verzichtet haben.
Entscheidend bleiben allerdings die individuellen Bedingungen. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, hat andere Voraussetzungen als ein Autofahrer, der ausschliesslich öffentliche Schnellladestationen nutzt.
Auch Reichweite, Finanzierung, Versicherung, Strompreise und Wertverlust gehören zu einem vollständigen Kostenvergleich.
Entscheidende Schlussphase für den Autohandel
Bis zum Jahresende bleiben November und Dezember, um die bisher schwache Marktentwicklung zu verbessern.
Der kräftige Anstieg bei den Elektroautos zeigt, dass die Nachfrage vorhanden ist. Offen bleibt, ob sich daraus auch eine breitere Erholung des Gesamtmarkts entwickelt.
Für die Schweizer Automobilwirtschaft stehen deshalb zwei Aufgaben gleichzeitig im Vordergrund: der Ausbau der Elektromobilität und die Erneuerung eines zunehmend älteren Fahrzeugbestands.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert