Sicher aufs Eis: Welche Eishockey-Ausrüstung Einsteiger wirklich brauchen

Eishockey macht vom ersten Training an Spass. Doch zwischen Helm, Schulterpanzer, Schlittschuhen und Stock verliert man beim Einkauf leicht den Überblick. Einsteiger brauchen eine vollständige Schutzausrüstung, aber keineswegs sofort das teuerste Profimaterial.

Entscheidend sind eine passende Grösse, einwandfreier Zustand und die Einhaltung der Schweizer Ausrüstungsregeln. Wer zuerst beim Verein nachfragt und verschiedene Modelle anprobiert, vermeidet Fehlkäufe und startet sicherer aufs Eis.

Vor dem Einkauf zuerst den Verein fragen

Der beste erste Schritt führt nicht ins Sportgeschäft, sondern zum künftigen Verein. Viele Schweizer Eishockeyclubs stellen für Schnuppertrainings oder die erste Saison Leihmaterial bereit. Teilweise können Kinder und Jugendliche eine komplette Ausrüstung gegen eine überschaubare Gebühr beziehen. Das ist sinnvoll, weil Nachwuchsspieler schnell wachsen und sich Grössen innerhalb einer Saison ändern können.

Der Club weiss ausserdem, welche Farben bei Helm, Hose, Stulpen und Handschuhen verlangt werden. Auch die Regeln für Gesichts-, Mund-, Ohren- und Halsschutz hängen von Alter und Spielklasse ab. Diese Vorgaben sollten vor dem Kauf geklärt werden.

Eine Leihausrüstung hat noch einen weiteren Vorteil: Erst nach einigen Trainings zeigt sich, ob das Eishockey dauerhaft begeistert. Die eigene Ausrüstung kann dann Stück für Stück und mit mehr Erfahrung zusammengestellt werden.

Diese Grundausstattung gehört in die Hockeytasche

Für reguläres Eishockeytraining reicht ein Helm mit Handschuhen und Schlittschuhen nicht aus. Feldspieler benötigen eine vollständige Schutzausrüstung. Dazu gehören:

  • Eishockeyhelm mit dem alters- und regelgerechten Gesichtsschutz
  • Hals- und Nackenschutz
  • Mundschutz, sofern vorgeschrieben oder vom Verein empfohlen
  • Schulter- und Brustschutz
  • Ellenbogenschoner
  • Eishockeyhandschuhe
  • Tiefschutz oder Beckenschutz
  • Eishockeyhose
  • Schienbein- und Knieschoner
  • Eishockeystulpen und Trikot
  • Funktionsunterwäsche
  • Eishockeyschlittschuhe
  • Eishockeystock
  • Trinkflasche mit langem Trinkaufsatz
  • ausreichend grosse Hockeytasche

Die einzelnen Teile müssen zusammenpassen. Zwischen Ellenbogenschoner und Handschuh sowie zwischen Schulterpanzer und Hose sollten bei normaler Spielhaltung keine grossen ungeschützten Bereiche entstehen. Gleiches gilt für den Übergang zwischen Eishockeyhose und Schienbeinschonern.


Eine Eishockey-Ausrüstung funktioniert als zusammenhängendes Schutzsystem. Helm, Handschuhe, Schlittschuhe und Stock sind besonders sichtbar, doch Schulterpanzer, Ellenbogen- und Schienbeinschoner sowie Hals- und Tiefschutz dürfen ebenfalls nicht fehlen. Bei der Anprobe sollte geprüft werden, ob zwischen den einzelnen Schutzelementen keine grösseren Lücken entstehen.

Der Helm darf weder wackeln noch drücken

Am Helm sollte keinesfalls gespart werden. Die BFU empfiehlt eine vollständige und intakte Schutzausrüstung nach der Norm EN ISO 10256. Der Helm muss zur Kopfform passen, gerade sitzen und darf bei schnellen Kopfbewegungen nicht verrutschen. Gleichzeitig soll er keine schmerzhaften Druckstellen verursachen.

Die Unterkante des Helms sitzt ungefähr eine Fingerbreite über den Augenbrauen. Auch zwischen Kinn und geschlossenem Kinnband soll höchstens etwa eine Fingerbreite Platz bleiben. Ein locker getragenes Kinnband kann den Schutz bei einem Sturz oder Zusammenstoss erheblich beeinträchtigen.

Für Feldspieler der Schweizer Nachwuchskategorien U18 und jünger ist ein Vollgesichtsschutz vorgeschrieben. Das kann ein Gitter oder ein regelkonformes Vollvisier sein. In den Nachwuchskategorien muss zudem der Ohrenschutz am Helm montiert bleiben. Welche Anforderungen im jeweiligen Alter und Wettbewerb gelten, sollte der Verein anhand des aktuellen Reglements bestätigen.

Gebrauchte Helme sind kritisch zu beurteilen. Von aussen ist kaum zu erkennen, welchen Belastungen ein Helm bereits ausgesetzt war. Fehlen Kennzeichnungen, sind Schale oder Innenpolster beschädigt oder ist die Vorgeschichte unbekannt, ist ein Neukauf die bessere Entscheidung. Nach einem starken Aufprall gelten die Hinweise des Herstellers. Wiederholte Gehirnerschütterungen und Kopfverletzungen dürfen im Sport nicht verharmlost werden.

Der Halsschutz gehört bei jedem Training dazu

Ein Hals- und Nackenschutz wirkt unscheinbar, schützt aber einen besonders empfindlichen Körperbereich vor Schlittschuhkufen und anderen scharfen Einwirkungen. Im Schweizer Spiel- und Trainingsbetrieb ist er für Spielerinnen und Spieler der National League, der Sky Swiss League sowie der Nachwuchs-, Amateur- und Frauenligen vorgeschrieben.

Der Schutz muss richtig passen und am Hals anliegen. Ein ausgeleierter Kragen, der weit absteht, erfüllt seinen Zweck nicht zuverlässig. Bei der Anprobe sollte geprüft werden, ob der Halsschutz auch bei gedrehtem oder nach vorne geneigtem Kopf an seinem Platz bleibt, ohne die Atmung oder Bewegung einzuschränken.

Schulterpanzer, Ellenbogenschoner und Handschuhe

Der Schulterpanzer schützt Schultern, Brustkorb, Rücken und einen Teil der Oberarme. Er sollte körpernah sitzen, darf die Armbewegung aber nicht blockieren. Beim Anheben und Drehen der Arme muss der Schutz an seiner Position bleiben. Modelle für Erwachsene sind nicht automatisch besser für Jugendliche. Kinder benötigen Material, das zu ihren Proportionen passt.

Ellenbogenschoner dürfen nicht nach unten rutschen. Der Ellenbogen muss genau in der vorgesehenen Kappe liegen. Zu grosse Schoner drehen sich bei einem Sturz weg. Zu kleine Modelle lassen Lücken zwischen Schulterpanzer und Handschuh entstehen.

Auch Eishockeyhandschuhe müssen Beweglichkeit und Schutz verbinden. Die Finger sollten sich vollständig um den Stock schliessen lassen. Gleichzeitig dürfen die Fingerspitzen nicht stark gegen das Material stossen. Löcher in der Handfläche sind bei gebrauchten Handschuhen häufig. Kleine Abnutzungen lassen sich teilweise reparieren, offene Nähte oder beschädigte Schutzpolster sprechen dagegen für einen Austausch.

Hose, Tiefschutz und Schienbeinschoner

Die gepolsterte Eishockeyhose schützt Hüfte, Oberschenkel, Steissbein und Nierenbereich. Sie sitzt deutlich höher als eine gewöhnliche Sporthose. Der untere Rand sollte die oberen Bereiche der Schienbeinschoner überdecken, sobald der Spieler in leicht gebeugter Eishockeyhaltung steht.

Unter der Hose wird ein passender Tief- beziehungsweise Beckenschutz getragen. Er ist häufig in eine Kompressionshose oder spezielle Hockeyunterwäsche integriert. Bei Kindern sollte regelmässig kontrolliert werden, ob das Modell noch richtig sitzt.

Schienbeinschoner schützen Knie und Unterschenkel vor Stürzen, Stockschlägen und Pucks. Das Knie muss in der vorgesehenen Mulde liegen. Der Schoner reicht bis knapp über die Zunge des Schlittschuhs, ohne die Beweglichkeit im Fussgelenk unnötig einzuschränken. Befestigt werden die Schoner mit den vorhandenen Bändern oder geeignetem Hockeytape. Gewöhnliches Klebeband kann Material und Textilien beschädigen.

Schlittschuhe müssen präzise passen

Gut sitzende Schlittschuhe sind wichtiger als ein möglichst steifes oder teures Profimodell. Der Fuss darf im Schuh nicht schwimmen. Besonders die Ferse sollte beim Vorbeugen und bei gebeugten Knien fest an ihrem Platz bleiben. Die Zehen dürfen den vorderen Bereich im aufrechten Stand leicht berühren, sollten in der typischen Hockeyhaltung jedoch nicht schmerzhaft gestaucht werden.

Zu grosse Schlittschuhe erschweren das Kanten, Bremsen und Beschleunigen. Sie verursachen zudem Reibung und Blasen. Deshalb sollten Eltern keine Modelle kaufen, in die das Kind erst noch „hineinwachsen“ muss. Ein kleiner Wachstumsspielraum ist möglich, mehrere Nummern Reserve sind es nicht.

Zur Anprobe gehören die Socken, die später auch beim Training getragen werden. Dicke Wintersocken sind meist ungeeignet. Sie können Falten bilden, Feuchtigkeit speichern und das Gefühl für den Schuh verschlechtern. Dünne, gut sitzende Funktionssocken sind die bessere Wahl.

Neue oder frisch gekaufte Schlittschuhe müssen vor dem ersten Einsatz fachgerecht geschliffen werden. Ein fabrikneuer Schuh ist nicht automatisch sofort einsatzbereit. Wie stark die Kufe geschliffen wird, hängt unter anderem von Gewicht, Können und persönlichen Vorlieben ab. Einsteiger lassen sich dazu am besten vom Fachgeschäft oder Materialverantwortlichen des Vereins beraten.


Gut sitzende Schlittschuhe geben der Ferse Halt und ermöglichen eine kontrollierte Kraftübertragung auf die Kufen. Zu grosse Schuhe erschweren das Bremsen und Kurvenfahren. Vor dem ersten Training müssen neue oder gebraucht gekaufte Kufen zudem fachgerecht geschliffen werden.

Der passende Stock: Länge vor Markenname

Ein zu langer Stock zwingt Einsteiger in eine aufrechte Haltung und erschwert die Puckkontrolle. Ein deutlich zu kurzer Stock kann dagegen zu einer unnötig tiefen Körperposition führen. Als grobe Orientierung reicht der Stock bei getragenen Schlittschuhen etwa bis zwischen Kinn und Nase. Die endgültige Länge hängt jedoch von Körperbau, Spielposition, Technik und Vorliebe ab.

Auch die Biegesteifigkeit, der sogenannte Flex, muss zum Spieler passen. Ein sehr steifer Erwachsenenstock ist für ein leichtes Kind ungeeignet. Der Nachwuchs kann ihn beim Schiessen kaum kontrolliert durchbiegen. Junior- und Jugendstöcke besitzen kleinere Schäfte und einen angepassten Flex.

Ob die Schaufel nach links oder rechts gebogen sein soll, richtet sich danach, wie der Spieler den Stock intuitiv hält. Die dominante Hand entscheidet darüber nicht automatisch. Deshalb sollte ein Anfänger beide Varianten ausprobieren, bevor ein Stock gekauft oder gekürzt wird. Nach dem Kürzen wird ein Stock steifer. Dieser Effekt muss bei der Auswahl berücksichtigt werden.

Funktionswäsche statt dicker Winterkleidung

In einer Eishalle ist es kühl. Unter der vollständigen Ausrüstung wird einem Spieler jedoch schnell warm. Dicke Pullover und mehrere Baumwollschichten schränken die Bewegung ein und speichern Feuchtigkeit.

Geeignet ist eine lange, körpernahe Funktionsunterwäsche. Sie transportiert Schweiss von der Haut weg und verhindert, dass Schoner direkt reiben. Darüber folgen Tiefschutz, Schienbeinschoner, Hose, Schulterpanzer, Ellenbogenschoner und Trikot. Die genaue Reihenfolge kann je nach persönlicher Gewohnheit leicht variieren.

Das Vereinstrikot muss weit genug sein, um über Schulterpanzer und Ellenbogenschoner zu passen. Gewöhnliche Freizeittrikots sind dafür oft zu eng. Eishockeystulpen bedecken die Schienbeinschoner und werden mit Klettlaschen, Strapsen oder einer dafür vorgesehenen Kompressionshose befestigt.

Was gebraucht gekauft werden kann

Eine komplette neue Ausrüstung kann teuer werden. Bei mehreren Teilen ist ein Gebrauchtkauf trotzdem gut möglich. Schulterpanzer, Ellenbogenschoner, Hose und Schienbeinschoner lassen sich übernehmen, wenn sie richtig passen, vollständig sind und keine gebrochenen Schutzkappen, offenen Nähte oder stark zusammengedrückten Polster besitzen.

Auch Schlittschuhe können gebraucht gekauft werden. Entscheidend sind eine feste Fersenkappe, intakte Halterungen, genügend Kufenmaterial und ein Innenfutter ohne starke Schäden. Der Schuh muss anschliessend passend geschliffen werden.

Bei Helm, Hals- und Nackenschutz, Tiefschutz und Mundschutz ist Zurückhaltung sinnvoll. Hygiene, unbekannte Belastungen und sicherheitsrelevante Materialalterung sprechen hier häufig für Neuware. Der Mundschutz ist ohnehin ein persönlicher Ausrüstungsgegenstand. Die BFU empfiehlt nach Möglichkeit ein fachgerecht angepasstes Modell.

Torhüter benötigen eine eigene Ausrüstung

Die Torhüterausrüstung unterscheidet sich grundlegend von jener der Feldspieler. Maske, Brust- und Armschutz, Fanghand, Stockhand, Beinschoner, Torhüterhose, Stock und Schlittschuhe sind speziell auf die Position abgestimmt.

Für erste Versuche im Tor sollte deshalb keine komplette Ausrüstung gekauft werden. Viele Vereine besitzen Leihmaterial für Nachwuchstorhüter. So kann ein Kind die Position ausprobieren, bevor eine teure und schnell zu klein werdende Spezialausrüstung angeschafft wird.

Pflege verlängert die Lebensdauer

Nach dem Training sollte die Tasche nicht geschlossen im Keller oder Kofferraum stehen bleiben. Schweiss, Feuchtigkeit und die warme Umgebung fördern unangenehme Gerüche sowie die Vermehrung von Mikroorganismen.

Schoner, Handschuhe, Hose und Schlittschuhe werden aus der Tasche genommen und an einem gut belüfteten Ort getrocknet. Die Einlegesohlen der Schlittschuhe können herausgenommen werden. Nasse Ausrüstung gehört nicht direkt auf einen heissen Heizkörper, weil starke Wärme Kunststoffe, Klebstoffe und Polster beschädigen kann.

Harte Kufenschoner sind für kurze Wege ausserhalb der Eisfläche gedacht. Zur Lagerung sollten sie abgenommen werden, da sich darin Feuchtigkeit sammelt und Rost entstehen kann. Textile Kufenschoner nehmen Restfeuchtigkeit auf, müssen aber ebenfalls regelmässig getrocknet werden.


Nach jedem Training gehören Helm, Schlittschuhe und Schutzausrüstung aus der geschlossenen Tasche. Luftiges Trocknen schützt Materialien und vermindert Gerüche. Harte Kufenschoner sollten zur Lagerung entfernt werden, damit sich darunter keine Feuchtigkeit staut und Rost bildet.

Gute Ausrüstung ersetzt kein Grundlagenlernen

Selbst die beste Schutzausrüstung verhindert nicht jeden Unfall. Die BFU registriert bei in der Schweiz wohnhaften Eishockeyspielern jährlich mehr als 4’500 Verletzte. Häufig betroffen sind Schultern, Oberarme, Rumpf, Hände, Knie und Gesicht.

Einsteiger sollten deshalb zuerst sicher bremsen, Kurven fahren, aufstehen und kontrolliert fallen lernen. Dazu kommen Puckführung, Passspiel und ein respektvoller Umgang mit anderen Spielern. Ein angemessenes Aufwärmen gehört ebenfalls zum Training. Wie Kraft, Beweglichkeit und Koordination ausserhalb der Saison aufgebaut werden können, zeigt der Beitrag über das Sommertraining im Eishockey.

Video-Tipp: Eishockey-Ausrüstung richtig anziehen und anpassen

Das deutschsprachige Video zeigt die wichtigsten Teile einer Eishockey-Ausrüstung und erklärt, in welcher Reihenfolge sie angezogen und angepasst werden.



Fazit

Einsteiger brauchen keine Profiausrüstung, wohl aber einen vollständigen und gut sitzenden Schutz. Besonders wichtig sind Helm, Vollgesichtsschutz im Nachwuchs, Hals- und Nackenschutz sowie passend gewählte Schlittschuhe. Schulterpanzer, Ellenbogenschoner, Handschuhe, Hose und Schienbeinschoner müssen zusammenarbeiten, ohne Lücken entstehen zu lassen.

Wer zunächst Leihmaterial des Vereins nutzt, kann die Sportart in Ruhe kennenlernen. Danach lohnt sich der gezielte Kauf jener Teile, bei denen Passform und persönliches Wohlbefinden besonders wichtig sind. Das schützt den Körper, schont das Budget und sorgt dafür, dass beim ersten Training vor allem eines im Mittelpunkt steht: die Freude am Eishockey.

 

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