Enten mit Brot füttern: Warum die gut gemeinte Hilfe problematisch sein kann
von belmedia Redaktion Allgemein Familie familie.ch Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Themen Tierwelt tierwelt.news Wildtiere Ⳇ Verbreitung
Enten mit Brot zu füttern, gehört für viele Familien zu einem Spaziergang am See oder Weiher. Die Wasservögel kommen neugierig näher, schnappen nach den Brotstücken und scheinen sich über die zusätzliche Nahrung zu freuen. Doch die gut gemeinte Fütterung ist meist unnötig und kann bei regelmässiger Wiederholung Probleme verursachen. Besonders betroffen sind die natürliche Ernährung der Tiere und das Zusammenleben an stark besuchten Gewässern.
Wildenten sind ausgezeichnet an ihre Lebensräume angepasst. Sie ernähren sich je nach Art und Jahreszeit von Wasserpflanzen, Samen, kleinen Wirbellosen und Insekten. Diese abwechslungsreiche Nahrung liefert ihnen wichtige Nährstoffe. Brot dagegen gehört nicht zu ihrem natürlichen Speiseplan und kann eine einseitige Ernährung begünstigen.
Auch an Schweizer Seen und Flüssen ist das Füttern von Enten weit verbreitet. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und BirdLife Schweiz empfehlen grundsätzlich, darauf zu verzichten. Allerdings ist die oft gehörte Behauptung, bereits ein kleines Stück Brot sei für Enten lebensgefährlich, wissenschaftlich nicht haltbar.
Warum Brot für Enten keine geeignete Hauptnahrung ist
Brot liefert zwar Energie, bietet Wildenten aber nicht die ausgewogene Nährstoffzusammensetzung ihrer natürlichen Nahrung. Besonders problematisch wird es, wenn die Vögel über längere Zeit grosse Mengen erhalten und gleichzeitig wenig pflanzliche Nahrung zur Verfügung steht.
Unter solchen Bedingungen können Verdauungsprobleme entstehen. Die Schweizerische Vogelwarte weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass gelegentliches Brotfüttern in kleinen Mengen die Gesundheit von Wasservögeln normalerweise nicht gefährdet.
Auch die verbreitete Behauptung, Brot quille im Entenmagen gefährlich auf und verursache schwere Verletzungen, wird durch die Erkenntnisse der Vogelwarte nicht gestützt.
Weshalb Enten trotzdem nach Brot betteln
An beliebten Spazierwegen haben viele Wasservögel gelernt, Menschen mit einer leicht verfügbaren Nahrungsquelle zu verbinden. Sobald sich jemand dem Ufer nähert, schwimmen sie heran und warten auf Futter.
Dieses Verhalten bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Tiere hungrig sind. Sie nutzen vielmehr eine Gelegenheit, ohne grossen Aufwand Nahrung aufzunehmen.
Regelmässige Fütterungen können dazu führen, dass sich besonders viele Enten an bestimmten Stellen versammeln. Dadurch verändern sich ihre räumliche Verteilung und die Begegnungen zwischen Menschen und Wasservögeln.
Wenn zu viele Enten zusammenkommen
Enten sind gesellige Tiere und halten sich natürlicherweise häufig in Gruppen auf. Besonders grosse Ansammlungen an Futterplätzen können jedoch hygienische Probleme verstärken.
Krankheitserreger verbreiten sich unter dicht zusammenlebenden Vögeln leichter. Intensive Fütterung kann ausserdem Konflikte mit Menschen verursachen, etwa durch grössere Mengen Vogelkot auf Spazierwegen und Liegewiesen.
Wer Wildtiere erleben möchte, kann sie stattdessen in ihrem natürlichen Verhalten beobachten. Wie dies auch im eigenen Umfeld gelingt, zeigt der Beitrag über die störungsfreie Beobachtung von Wildtieren.
Was Brotreste im Wasser anrichten können
Nicht jedes Brotstück wird gefressen. Ein Teil bleibt am Ufer liegen oder sinkt ins Wasser. Besonders an kleinen, wenig durchströmten Weihern können grössere Mengen organischer Rückstände unerwünschte Auswirkungen haben.
Bei der Zersetzung wird Sauerstoff verbraucht. In empfindlichen Kleingewässern kann dies die Wasserqualität beeinträchtigen. Grosse Seen reagieren dagegen normalerweise weniger empfindlich auf die üblichen Mengen der Wasservogelfütterung.
An Land stellen Brotreste ein weiteres Problem dar: Sie können Ratten, Strassentauben und andere unerwünschte Futtergäste anziehen.
Müssen Enten im Winter gefüttert werden?
Gerade im Winter möchten viele Menschen helfen. Doch einheimische Wasservögel sind gut an niedrige Temperaturen angepasst. Solange geeignete Nahrungsgebiete vorhanden sind, finden sie auch in der kalten Jahreszeit ausreichend Futter.
Einige Arten weichen bei schwierigen Bedingungen auf andere Gewässer aus. Enten benötigen deshalb normalerweise keine menschliche Unterstützung bei der Nahrungssuche.
Entscheidend sind vielmehr naturnahe Gewässer, ausreichend ungestörte Uferbereiche und geschützte Rückzugsräume.
Was dürfen Enten überhaupt fressen?
Falls Wasservögel trotz der Empfehlungen gefüttert werden, sollten ausschliesslich kleine Mengen geeigneter, ungewürzter Nahrung angeboten werden. Gewürzte Speisereste und verschimmeltes Brot sind grundsätzlich ungeeignet.
Besser ist es allerdings, die Tiere gar nicht zu füttern. In Wasservogelreservaten sollte vollständig darauf verzichtet werden. Ausserdem müssen kantonale und kommunale Fütterungsverbote beachtet werden.
Für Kinder kann die Beobachtung von Enten trotzdem ein besonderes Naturerlebnis bleiben. Ihr Verhalten, ihre unterschiedlichen Gefiederfarben und ihre Nahrungssuche bieten genügend Anlass, die Tiere kennenzulernen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert