50 Jahre Collection de l’Art Brut Lausanne: Jubiläum mit grossen Ausstellungen

Die Collection de l’Art Brut Lausanne feiert im Februar 2026 ihr 50-jähriges Bestehen.

Zum Jubiläum präsentiert das Museum ein vielfältiges Jahresprogramm mit zwei grossen Ausstellungen. Gezeigt werden sowohl bedeutende Werke aus der ursprünglichen Sammlung von Jean Dubuffet als auch neue Entdeckungen aus den letzten Jahrzehnten.

Lausanne – Geburtsort der Art Brut Collection

Der Begriff „Art Brut“ entstand 1945, als Dubuffet auf einer Reise durch die Schweiz psychiatrische Kliniken, Heime und Gefängnisse besuchte. Für ihn bezeichnete Art Brut Werke, die unabhängig von kulturellen Normen entstehen und die tiefsten Schichten des Menschseins berühren.

Für Dubuffet war die Schweiz der ideale Ort für seine Sammlung, ein „Bezugspunkt für anti-kulturelle Anarchistinnen und Anarchisten“, wie er es ausdrückte. 1971 übergab er seine Werke der Stadt Lausanne, die daraufhin 1976 die „Collection de l’Art Brut“ gründete. Seither ist das städtische Museum kontinuierlich gewachsen, durch Ankäufe ebenso wie durch bedeutende Schenkungen. Heute umfasst die Sammlung eine beeindruckende Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen, von Zeichnungen, Malerei und Skulpturen bis zu Assemblagen, Fotografien und Textilarbeiten.

Die Collection de l’Art Brut geniesst heute internationale Anerkennung, sowohl für die Vielfalt ihrer Sammlung als auch für ihre historische Bedeutung als Pionierinstitution im Bereich der Art Brut.

Art Brut erleben ausserhalb der Collection

Wer Art Brut auch ausserhalb der Collection de l’Art Brut erleben möchte, findet in der Ferme des Tilleuls in Renens eine spannende Ergänzung. Der Ausstellungsort liegt nur 15 Zugminuten von Lausanne entfernt und beherbergt das monumentale Werk „ORGANuGAMME II“ der französischen Autodidaktin Danielle Jacqui (Jahrgang 1934). Die 14 Meter hohe Keramikskulptur mit rund 4’000 einzeln gestalteten Elementen wurde 2022 dauerhaft auf dem Gelände installiert.

Zwischen dem 12. Februar und dem 21. Juni 2026 zeigt die Ferme des Tilleuls zudem die Ausstellung „Maisons-mères“. Sie widmet sich alternativen Architekturformen, die von Einzelpersonen entworfen, gebaut und bewohnt wurden, inspiriert von persönlichen Utopien und einer starken gestalterischen Vision.

Art Brut als Inspirationsquelle

Die kraftvolle Direktheit der Art Brut hat Künstlerinnen und Künstler weit über die bildende Kunst hinaus beeinflusst, von Musik über Mode bis zur Popkultur. Wie tief Dubuffets Werk nachwirkt, zeigen Aussagen prominenter Wegbegleiterinnen und Bewunderer.


„Die Schweiz hat mir auch die Art Brut nähergebracht, sie hatte grossen Einfluss auf mein Leben und meine Kreativität. Ich erinnere mich, wie ich Brian Eno ins Museum in Lausanne mitnahm. Wir verbrachten Stunden damit, die Werke zu betrachten und über den kreativen Prozess nachzudenken und darüber, welche Grenzen ein Kunstschaffender bereit ist zu überschreiten.“ David Bowie Musiker

„Ich habe mich sehr auf diesen Besuch gefreut und er hat meine Erwartungen übertroffen. Es ist wirklich das beste Museum, das ich je besucht habe. Danke.“ Tom Yorke Musiker

„Ich war immer fasziniert von Art Brut. Ich erinnere mich an ein Kleid, das eine einsame Künstlerin bestickt und unter ihrem Bett versteckt hatte. Das beeindruckt mich viel mehr als alles im Louvre.“ Christian Lacroix Modedesigner

Jubiläumsausstellungen

Februar bis Oktober 2026 – Schweizer Art Brut

Von den Ursprüngen der Sammlung bis heute
Kuratiert von Sarah Lombardi

Die Ausstellung vereint eine breite Auswahl an Werken aus der Sammlung des Museums, darunter Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Stickereien und Texte. Gezeigt werden sowohl Werke aus Dubuffets historischer Sammlung als auch zeitgenössische Arbeiten, die zwischen 1976 und heute aufgenommen wurden. Alle ausgestellten Werke stammen von Schweizer Kunstschaffenden der Art Brut oder wurden in der Schweiz geschaffen.

Im Mittelpunkt steht die enge Beziehung zwischen Dubuffet und der Schweiz, dem Land, dem er seine Sammlung schenkte, um deren Erhalt und Zugänglichkeit zu sichern. Unveröffentlichtes Archivmaterial sowie Auszüge aus Dokumentarfilmen, unter anderem von Radio Télévision Suisse, ergänzen die Ausstellung.

November 2026 bis April 2027 – Die Welt von Armand Schulthess

Kuratiert von Hans-Ulrich Schlumpf

Die zweite Jubiläumsausstellung widmet sich dem Schweizer Art-Brut-Künstler Armand Schulthess (1901–1972). Der ehemalige Bundesbeamte aus Bern gestaltete in seinem Garten im Tessin ein einzigartiges Kunstuniversum, das heute vollständig verschwunden ist. Sein Werk bestand aus unzähligen Objekten und Installationen aus wiederverwerteten Metallplatten, in die er enzyklopädisches Wissen gravierte, mit Themen von Naturwissenschaft bis Philosophie.

Die Ausstellung zeigt über 300 Objekte, die das Museum 2024 übernehmen konnte, eine bedeutende Erweiterung der bestehenden Sammlung. Ergänzt wird sie durch grossformatige Fotografien von Hans-Ulrich Schlumpf, der das Werk dokumentierte, bevor es zerstört wurde.

Praktische Informationen

  • Eintritt: CHF 12.-
  • Freier Eintritt am Jubiläumswochenende vom 27. bis 29. Februar 2026
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr; im Juli und August auch montags geöffnet
  • Kostenloser Eintritt am ersten Samstag jedes Monats
  • Ca. 25 Minuten zu Fuss vom Bahnhof Lausanne; nächste Busstationen: Jomini oder Beaulieu
  • Adresse: Collection de l’Art Brut, Avenue des Bergières 11, CH–1004 Lausanne

 

Quelle: WeArePepper / Collection de l’Art Brut
Bildquelle: Collection de l’Art Brut