Boston-Studie sieht wirtschaftliche Risiken durch Cookie-Ablehnung

Forscher der Boston University brechen eine Lanze für Cookies, die die meisten Internet-Nutzer kaum beachten oder einfach nur lästig finden. Immer häufiger wehren sich User sogar aktiv gegen Cookies, mit denen Websites und Werbetreibende wiederkehrende Kunden erkennen, indem sie datenschutzfreundliche Browser wählen oder auf die Ablehnen-Schaltfläche klicken.

Doch der Verzicht auf Cookies, so die Experten der Boston University, könnte erhebliche negative Folgen für das freie Web haben. Wenn digitale Unternehmen, Content-Ersteller und Werbetreibende mit dem Surfverhalten der Internet-Nutzer kein Geld mehr verdienen, könnten auch die Qualität und der Nutzen der von ihnen angebotenen Produkte darunter leiden.

Geringere Einnahmen

Garrett Johnson und sein Team haben rund 200 Mio. Ad Impressions analysiert. Würden darauf die Cookies verschwinden, verringerten sich die Einnahmen von Website-Betreibern um mehr als ein Drittel. Das Team hat zudem ermittelt, dass Alternativen, insbesondere ein grosses, mittlerweile eingestelltes Google-Projekt namens „Privacy Sandbox“, nur einen kleinen Teil dieser entgangenen Einnahmen wieder hereinholen könnte.

Branchenweiter Versuch

Laut Johnsons Doktorandin Zhengrong Gu können Werbetreibende Anzeigen mit Cookies besser ausrichten und messen, da diese helfen, User im Web zu erkennen. Das mache Ausgaben von Werbetreibenden effizienter und lasse mehr Einnahmen in die Taschen der Content-Ersteller und Publisher fliessen. „Wenn mehr Nutzer Cookies ablehnen, würde dies wahrscheinlich die Wirksamkeit digitaler Werbung und die Einnahmen verringern, die einen Grossteil des offenen Internets stützen“, so Gu.

„Unsere Ergebnisse liefern ungewöhnlich starke Belege – aus einem globalen, branchenweiten Feldversuch – dass die Einschränkung von Cookies erhebliche wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt, die Regulierungsbehörden berücksichtigen sollten“, verdeutlicht Johnson.

Elizabeth Stoycheff von der Wayne State University sieht das völlig anders: „Cookies sind Online-Überwachungsinstrumente. Die kommerziellen und staatlichen Stellen, die sie nutzen, würden es vorziehen, wenn die Menschen Hinweise zu deren Nutzung nicht allzu genau lesen würden.“

 

Quelle: pressetext.redaktion/Wolfgang Kempkens
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