Internationaler Druck auf Australien wegen grausamer Lämmerverstümmelung

Die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat heute in Bern eine weltweite Petition mit 500’000 Unterschriften an die australische Botschaft übergeben. Die Forderung: Ein Ende der grausamen Lämmerverstümmelung (auch Mulesing genannt) bis spätestens 2030.

Von dieser tierquälerischen Prozedur, welche noch ausschliesslich in Australien praktiziert wird, sind jährlich rund zehn Millionen Merinolämmer betroffen. Die Übergabe in Bern war Teil einer internationalen Aktion, die zeitgleich in Berlin, Den Haag, London, Sofia und Washington stattfand; weitere Übergaben folgen in Wien und Sydney.

Mit der Petition fordert VIER PFOTEN die australische Regierung auf, die Tierschutzstandards in der Schafhaltung zu überarbeiten und die Lämmerverstümmelung gesetzlich zu verbieten. Australien ist mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent der weltweit grösste Produzent von feiner Bekleidungswolle – und das einzige Land, in dem die Lämmerverstümmelung weiterhin erlaubt ist. Dabei werden wenigen Wochen alten Merinolämmern ohne Narkose oder Schmerzlinderung grosse Haut- und Fleischlappen am Hinterteil weggeschnitten, um den Befall mit Fliegenmaden zu verhindern, dabei gäbe es längst schmerzfreie Alternativen.



«Die Lämmerverstümmelung ist nicht nur ein gravierendes Tierschutzproblem, sondern zunehmend auch ein Risiko für Australiens internationale Reputation», sagt Rebecca Picallo Gil, verantwortlich für die Wollkampagne von VIER PFOTEN. Bereits vor über 20 Jahren hat die australische Wollindustrie versprochen, diese grausame Praxis zu beenden – doch sie besteht bis heute fort, obwohl es klare, wissenschaftlich belegte Alternativen gibt. «Wir werden den Druck weiter erhöhen, bis ein landesweites Verbot umgesetzt ist und australische Lämmer nicht länger leiden müssen.»

Starke Unterstützung aus der Schweiz

Auch in der Schweiz wächst der Druck auf die australische Regierung. Über 28’000 Menschen haben die Petition unterzeichnet. Zudem unterstützen mehrere Schweizer Modeunternehmen – darunter NILE, Mammut und Calida – die Forderung nach einem Ende der Lämmerverstümmelung und verpflichten sich zu höheren Tierschutzstandards in ihren Lieferketten.



Mit einer lebensgrossen Schaffigur zog VIER PFOTEN vom Helvetiaplatz in Bern bis zur australischen Botschaft. Die symbolische Prozession machte das Leid der Lämmer sichtbar und nutzte den öffentlichen Raum, um Passantinnen und Passanten über die Hintergründe der Kampagne und die grausame Praxis der Lämmerverstümmelung zu informieren. Mit der Aktion machte VIER PFOTEN auf den dringenden Handlungsbedarf aufmerksam und forderte wirksame Massnahmen zum Schutz der Lämmer.

Hintergrund

  • 2004 kündigte die australische Wollindustrie an, die Lämmerverstümmelung bis 2010 zu beenden – ein Versprechen, das 2009 zurückgezogen wurde.
  • Seither mussten schätzungsweise über 140 Millionen Lämmer diese tierquälerische Prozedur erdulden.
  • 2024 veröffentlichte VIER PFOTEN den Bericht «The Broken Promise», der 20 Jahre Untätigkeit dokumentiert.
  • Weltweit haben sich inzwischen über 340 Modemarken öffentlich zu zertifizierter mulesingfreier Wolle bekannt.
  • Fast 150 internationale Unternehmen, darunter Hugo Boss, Adidas, Mammut und Nikin haben die Absichtserklärung von VIER PFOTEN unterzeichnet und fordern die australische Regierung damit auf, die Lämmerverstümmelung bis spätestens 2030 zu beenden.

 

Quelle: VIER PFOTEN
Bildquelle: VIER PFOTEN