Erste Hilfe auffrischen: Die wichtigsten Massnahmen bei typischen Notfällen
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag business24.ch businessaktuell.ch elterntipps.ch Familie familie.ch Familienleben Forschung Gesundheit hospital.ch Krankheiten Magazine Medizin nachrichtenticker.ch News Pflege Prävention Sicherheit sicherheit.ch Themen Tipps xund24.ch Ⳇ Verbreitung
Ein medizinischer Notfall lässt wenig Zeit für lange Überlegungen. Entscheidend sind ein sicherer Überblick, der frühe Notruf und wenige Massnahmen, die korrekt ausgeführt werden. Bereits das Freihalten der Atemwege, Druck auf eine stark blutende Wunde oder eine sofort begonnene Herzdruckmassage kann die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.
Erste Hilfe beginnt mit dem Eigenschutz und folgt einer klaren Reihenfolge: Gefahren erkennen, Bewusstsein und Atmung prüfen, Hilfe alarmieren und die dringendste Störung behandeln. Praktische Kurse bleiben unersetzlich, weil Handgriffe unter Anleitung geübt werden müssen. Eine verständliche Auffrischung hilft jedoch, vorhandenes Wissen zu ordnen und gefährliche Irrtümer zu vermeiden.
Die ersten Sekunden: Gefahren erkennen und Prioritäten setzen
Hektisches Handeln kann Betroffene und helfende Personen zusätzlich gefährden. Vor jeder Annäherung steht deshalb ein kurzer Blick auf die Umgebung. Strassenverkehr, Feuer, Rauch, Strom, Chemikalien, instabile Gegenstände oder aggressive Tiere können eine Rettung erschweren. Bei einer Gefahr, die sich nicht sicher beherrschen lässt, ist Abstand zu halten und professionelle Hilfe zu alarmieren.
Für die erste Orientierung eignet sich die Reihenfolge „Schauen, Denken, Handeln“. Zunächst wird geklärt, was geschehen ist und welche Gefahren bestehen. Danach folgt die Entscheidung, welche Unterstützung erforderlich ist. Erst dann beginnen die konkreten Massnahmen.
Bei mehreren Verletzten erhalten lebensbedrohliche Probleme Vorrang. Dazu zählen fehlende oder nicht normale Atmung, starke Blutungen, Bewusstlosigkeit und eine blockierte Atemwege. Sichtbar eindrückliche, aber weniger dringliche Verletzungen müssen zunächst zurückstehen.
Eine regungslose Person wird laut angesprochen. Reagiert sie nicht, kann vorsichtig an beiden Schultern gerüttelt werden. Danach wird um Hilfe gerufen. Sind weitere Personen anwesend, sollte eine davon sofort den Notruf übernehmen und, falls verfügbar, einen automatisierten externen Defibrillator holen.
Notrufnummern in der Schweiz
Die Sanitätsnotrufzentrale ist bei akuten medizinischen Notfällen unter 144 erreichbar. Der Anruf sollte möglichst früh erfolgen. Die Fachperson in der Leitstelle koordiniert den Rettungseinsatz und gibt telefonische Anweisungen, etwa zur Herzdruckmassage oder zur Versorgung einer starken Blutung.
Für die Leitstelle sind der genaue Standort, die Art des Ereignisses, die Zahl der Betroffenen und deren Zustand wichtig. Rückfragen sollten abgewartet werden. Das Gespräch endet erst, wenn die Leitstelle dazu auffordert. Ein Mobiltelefon kann auf Lautsprecher gestellt werden, damit gleichzeitig geholfen werden kann.
In Gebäuden erleichtern eine eingewiesene Person am Eingang, geöffnete Zufahrten und gut erkennbare Hausnummern das Auffinden des Einsatzortes. In abgelegenem Gelände sind möglichst genaue Koordinaten, Wegpunkte oder markante Geländemerkmale hilfreich.
Bewusstlosigkeit: Atmung hat Vorrang
Bei einer bewusstlosen Person erschlafft die Muskulatur. Die Zunge kann zurückfallen und die Atemwege verlegen. Erbrochenes oder Blut kann ebenfalls in die Atemwege gelangen.
Zur Atemkontrolle wird die Person auf den Rücken gelegt. Der Kopf wird vorsichtig nach hinten geneigt und das Kinn angehoben. Danach wird höchstens zehn Sekunden lang geprüft, ob sich der Brustkorb regelmässig hebt, Atemgeräusche hörbar sind und ein Luftstrom spürbar ist.
Einzelne, langsame, geräuschvolle oder schnappende Atemzüge sind keine normale Atmung. Eine solche Schnappatmung kann zu Beginn eines Kreislaufstillstands auftreten und darf nicht mit ausreichender Atmung verwechselt werden.
Atmet die bewusstlose Person normal und gibt es keinen Hinweis auf eine schwere Verletzung der Wirbelsäule oder des Beckens, schützt die stabile Seitenlage vor dem Ersticken. Der Mund liegt dabei möglichst tief, sodass Flüssigkeit abfliessen kann. Die Atmung ist bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortlaufend zu kontrollieren.
Bei einem Unfall mit möglicher Wirbelsäulenverletzung sollte unnötiges Bewegen vermieden werden. Die Sicherung von Atmung und Atemwegen bleibt dennoch vorrangig. Ändert sich die Atmung oder setzt sie aus, muss die Person wieder auf den Rücken gedreht und sofort reanimiert werden.
Herz-Kreislauf-Stillstand: Drücken, beatmen und AED einsetzen
Reagiert eine Person nicht und atmet sie nicht normal, besteht der Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nach dem Notruf 144 beginnt die Reanimation unverzüglich. Jede vermeidbare Verzögerung verschlechtert die Überlebenschance.
Für die Herzdruckmassage liegt die Person auf dem Rücken, möglichst auf einer harten Unterlage. Der Handballen wird in der Mitte des Brustkorbs platziert, die zweite Hand darübergelegt. Mit gestreckten Armen wird der Brustkorb bei Erwachsenen 5 bis 6 Zentimeter tief eingedrückt.
Das Tempo beträgt 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Nach jedem Druck muss sich der Brustkorb vollständig entlasten können. Unterbrechungen sollen so kurz wie möglich bleiben.
Nach 30 Kompressionen folgen zwei Beatmungen, sofern die Technik beherrscht wird und eine Beatmung möglich ist. Dazu werden die Atemwege geöffnet, die Nase verschlossen und zwei Atemstösse gegeben, bei denen sich der Brustkorb sichtbar hebt. Anschliessend geht es sofort mit 30 Kompressionen weiter.
Ist eine Beatmung nicht möglich oder wird sie nicht zugetraut, sollte ohne Unterbrechung gedrückt werden. Eine reine Herzdruckmassage ist bei erwachsenen Betroffenen besser als keine Reanimation. Die Leitstelle begleitet den Ablauf telefonisch.
Ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, wird eingeschaltet, sobald er verfügbar ist. Die Klebeelektroden kommen entsprechend den Abbildungen auf den entblössten, möglichst trockenen Brustkorb. Während der Rhythmusanalyse und einer allfälligen Schockabgabe darf niemand die Person berühren. Danach wird die Herzdruckmassage sofort fortgesetzt.
Bei Kindern gelten angepasste Techniken. Nach dem Öffnen der Atemwege beginnen geschulte Helfer mit fünf Beatmungen. Die Drucktiefe entspricht ungefähr einem Drittel des Brustkorbdurchmessers. Säuglinge werden mit zwei Fingern oder einer umgreifenden Technik reanimiert. Weil Alter, Körpergrösse und Ausbildungsstand den Ablauf beeinflussen, sind die Anweisungen der Notrufzentrale besonders wichtig.
Starke Blutungen: Direkter Druck auf die Wunde
Eine starke Blutung kann innerhalb kurzer Zeit zu einem Kreislaufschock führen. Hinweise sind hervorschiessendes oder stetig nachfliessendes Blut, rasch durchtränkte Kleidung, Blässe, kalter Schweiss, Schwäche, Unruhe und zunehmende Bewusstseinsstörungen.
Wenn möglich, schützen Einweghandschuhe vor Blutkontakt. Danach wird mit einer sterilen Kompresse oder einem sauberen, gefalteten Tuch kräftig und ohne Unterbrechung direkt auf die Wunde gedrückt. Bei einer lebensbedrohlichen Blutung wird parallel der Notruf 144 ausgelöst.
Lässt sich die Blutung kontrollieren, kann ein Druckverband angelegt werden. Durchtränktes Material sollte nicht entfernt werden, weil sich die Blutung dadurch erneut verstärken kann. Stattdessen kommt weiteres Verbandsmaterial darüber.
Grössere Gegenstände, die in einer Wunde stecken, bleiben an Ort und Stelle. Sie werden seitlich gepolstert und stabilisiert. Das Herausziehen kann Gefässe weiter verletzen und eine starke Blutung auslösen.
Ein Tourniquet kommt für lebensbedrohliche Blutungen an Armen oder Beinen infrage, wenn direkter Druck nicht genügt oder nicht möglich ist. Seine Anwendung verlangt Übung. Ungeübte Personen sollten sich von der Notrufzentrale anleiten lassen. Der Zeitpunkt des Anlegens wird gut sichtbar notiert.
Betroffene liegen möglichst ruhig und werden vor Auskühlung geschützt. Essen und Trinken sind bei schweren Verletzungen ungeeignet, da eine Narkose oder dringliche Operation erforderlich werden könnte.
Verschlucken und Ersticken: Husten fördern, Blockade lösen
Kann eine Person noch kräftig husten und sprechen, ist der Luftweg zumindest teilweise offen. In diesem Fall wird zum weiteren Husten ermutigt. Schläge auf den Rücken sind bei einem wirksamen Husten nicht erforderlich.
Kann die Person kaum sprechen, nicht mehr husten oder atmen, liegt eine schwere Verlegung der Atemwege nahe. Nach dem Notruf folgen bis zu fünf kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter. Löst sich der Fremdkörper nicht, werden bei Erwachsenen und grösseren Kindern bis zu fünf Oberbauchkompressionen ausgeführt. Beide Massnahmen werden abwechselnd wiederholt.
Bei Schwangeren und Personen, bei denen der Oberbauch nicht sicher umfasst werden kann, kommen Brustkorbkompressionen anstelle von Oberbauchkompressionen infrage. Für Säuglinge gelten eigene Techniken mit Rückenschlägen und Brustkorbkompressionen. Oberbauchkompressionen dürfen bei Säuglingen nicht eingesetzt werden.
Ein sichtbarer Gegenstand kann vorsichtig aus dem Mund entfernt werden. Blindes Hineingreifen ist gefährlich, weil der Gegenstand tiefer geschoben werden kann. Wird die Person bewusstlos, beginnt sofort die Reanimation.
Nach Oberbauch- oder Brustkorbkompressionen ist eine medizinische Beurteilung angezeigt. Auch nach scheinbar erfolgreicher Entfernung können innere Verletzungen oder verbliebene Fremdkörper Beschwerden verursachen.
Herzinfarkt und Schlaganfall: Warnzeichen ernst nehmen
Starke, drückende, brennende oder einschnürende Schmerzen im Brustkorb können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Häufig strahlen die Beschwerden in Arm, Schulter, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch aus. Atemnot, kalter Schweiss, Blässe, Übelkeit, Schwäche und starke Unruhe können hinzukommen.
Bei älteren Menschen, Frauen und Personen mit Diabetes können untypische Beschwerden im Vordergrund stehen. Möglich sind unerklärliche Atemnot, ausgeprägte Erschöpfung, Übelkeit sowie Druck im Rücken oder Oberbauch.
Bei Verdacht wird sofort 144 alarmiert. Enge Kleidung kann gelockert und die betroffene Person in eine angenehme, meist leicht aufrechte Position gebracht werden. Körperliche Anstrengung und der selbstständige Weg ins Spital sind zu vermeiden. Eigene verordnete Notfallmedikamente können entsprechend dem persönlichen Behandlungsplan verwendet werden. Andere Medikamente werden nur auf Anweisung einer medizinischen Fachperson gegeben.
Typische Schlaganfallzeichen treten plötzlich auf. Dazu gehören ein hängender Mundwinkel, eine einseitige Schwäche oder Gefühlsstörung, undeutliche Sprache, Verständnisprobleme, Sehstörungen, starker Schwindel und ein ungewohnt heftiger Kopfschmerz.
Der FAST-Test ordnet die wichtigsten Beobachtungen:
- Face: Beim Lächeln hängt eine Gesichtshälfte.
- Arms: Ein Arm sinkt ab oder kann nicht gehoben werden.
- Speech: Ein einfacher Satz klingt undeutlich oder ist nicht möglich.
- Time: Bei einem auffälligen Zeichen sofort 144 anrufen.
Der Zeitpunkt, zu dem die Person zuletzt ohne Beschwerden gesehen wurde, ist für die Behandlung wichtig. Auch vorübergehende Symptome können auf eine transitorische ischämische Attacke hinweisen und erfordern eine sofortige Abklärung. Weitere Hintergründe bietet der Beitrag über das Erkennen und Behandeln eines Schlaganfalls.
Krampfanfall: Vor Verletzungen schützen
Bei einem generalisierten Krampfanfall verliert die betroffene Person meist das Bewusstsein, versteift sich und zeigt rhythmische Zuckungen. Die Atmung kann vorübergehend unregelmässig wirken. Eine bläuliche Verfärbung im Gesicht ist möglich und bildet sich häufig zurück, sobald die Atmung nach dem Anfall wieder einsetzt.
Gefährliche Gegenstände werden aus der Umgebung entfernt. Eine weiche Unterlage unter dem Kopf kann vor Verletzungen schützen. Brillen werden abgenommen, enge Kleidung am Hals wird gelockert. Der Beginn und die Dauer des Anfalls sollten festgehalten werden.
Die Person darf nicht festgehalten werden. Zwischen die Zähne gehört kein Gegenstand: Ein Verschlucken der Zunge ist anatomisch nicht möglich. Auch Getränke, Tabletten und andere Mittel dürfen während des Anfalls nicht über den Mund gegeben werden.
Nach Ende der Zuckungen werden Atmung und Bewusstsein geprüft. Bei normaler Atmung sorgt die stabile Seitenlage für freie Atemwege. Verwirrtheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen können nach einem Anfall einige Zeit anhalten.
Der Notruf 144 ist besonders wichtig, wenn erstmals ein Anfall beobachtet wird, mehrere Anfälle ohne vollständige Erholung folgen, der Anfall ungewöhnlich lange dauert oder Verletzungen, Schwangerschaft, Atemprobleme beziehungsweise ein Ereignis im Wasser vorliegen. Bei bekannter Epilepsie gilt zusätzlich der individuelle Notfallplan.
Allergische Reaktion, Asthma und Unterzuckerung
Eine schwere allergische Reaktion kann Haut, Atemwege und Kreislauf gleichzeitig betreffen. Warnzeichen sind rasch zunehmende Schwellungen, Nesselausschlag, Heiserkeit, pfeifende Atmung, Atemnot, Erbrechen, Schwindel und Bewusstseinsstörungen.
Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund- und Halsbereich wird sofort 144 alarmiert. Besitzt die betroffene Person einen verordneten Adrenalin-Autoinjektor, wird dieser entsprechend dem persönlichen Notfallplan an der Aussenseite des Oberschenkels angewendet. Nach einer Adrenalingabe ist eine medizinische Überwachung erforderlich, weil Beschwerden erneut auftreten können.
Bei einem Asthmaanfall helfen Ruhe, eine aufrechte Haltung und das eigene verordnete Notfallmedikament. Schwere Atemnot, Erschöpfung, Sprechprobleme, eine bläuliche Hautfarbe oder fehlende Besserung sind Gründe für den sofortigen Notruf.
Eine Unterzuckerung kann sich durch Zittern, Schweiss, Heisshunger, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder Verwirrtheit zeigen. Ist die Person wach, ansprechbar und kann sicher schlucken, können 15 bis 20 Gramm rasch verfügbare Kohlenhydrate gegeben werden, beispielsweise Traubenzucker oder ein gezuckertes Getränk. Der persönliche Diabetesplan hat Vorrang.
Bei Bewusstseinsstörungen darf nichts in den Mund gelangen. In diesem Fall wird 144 alarmiert, die Atmung kontrolliert und bei normaler Atmung die stabile Seitenlage angewendet. Ein vorhandenes Glukagon-Präparat sollte nur von Personen eingesetzt werden, die mit seiner Anwendung vertraut sind.
Verbrennungen und Verbrühungen richtig versorgen
Zuerst wird die Hitzequelle beendet, ohne die helfende Person zu gefährden. Brennende Kleidung wird gelöscht. Schmuck, Gürtel und lockere Kleidungsstücke in der Nähe der Verletzung sollten früh entfernt werden, bevor das Gewebe anschwillt. Festgeklebte Stoffe bleiben auf der Haut.
Kleinere thermische Verletzungen können vorsichtig mit sauberem, handwarmem Leitungswasser gekühlt werden. Eis und sehr kaltes Wasser schädigen das Gewebe zusätzlich. Bei grossflächigen Verbrennungen, Säuglingen und geschwächten Personen steht der Schutz vor Auskühlung im Vordergrund.
Nach dem Kühlen wird die Wunde locker mit einer sterilen, nicht haftenden Auflage oder einer sauberen Folie abgedeckt. Blasen bleiben geschlossen. Mehl, Öl, Zahnpasta, Puder und fetthaltige Salben erschweren die medizinische Beurteilung und gehören nicht auf eine frische Verbrennung.
Tiefe oder grossflächige Verbrennungen sowie Verletzungen an Gesicht, Hals, Händen, Genitalien und grossen Gelenken benötigen rasche medizinische Hilfe. Gleiches gilt für Stromunfälle, Rauchinhalation und chemische Verbrennungen.
Bei Chemikalien ist Eigenschutz wesentlich. Trockenes Pulver wird, sofern gefahrlos möglich, zunächst vorsichtig entfernt. Danach wird die betroffene Haut ausgiebig mit Wasser gespült. Säuren und Laugen dürfen nicht mit anderen Chemikalien neutralisiert werden.
Gelangen Chemikalien ins Auge, werden Kontaktlinsen entfernt, sofern dies leicht möglich ist. Das Auge wird während 10 bis 15 Minuten mit sauberem, lauwarmem Wasser vom inneren zum äusseren Augenwinkel gespült. Das unverletzte Auge ist vor ablaufender Flüssigkeit zu schützen. Zusätzlich geben 145 oder 144 situationsbezogene Anweisungen.
Vergiftungen: Keine Hausmittel und kein Erbrechen auslösen
Bei einer vermuteten Vergiftung entscheidet der aufgenommene Stoff über das richtige Vorgehen. Eigenmächtiges Erbrechen kann ätzende Substanzen ein zweites Mal durch die Speiseröhre führen oder dazu führen, dass Flüssigkeit in die Lunge gelangt. Milch, Salzwasser, Öl und andere Hausmittel können ebenfalls schaden.
Bei einer ansprechbaren Person ohne schwere Symptome ist Tox Info Suisse unter 145 die zuständige Anlaufstelle. Für die Beratung sollten Produktverpackung, Stoffname, vermutete Menge, Aufnahmeweg, Zeitpunkt, Alter, ungefähres Körpergewicht und beobachtete Beschwerden bereitliegen.
Verliert die Person das Bewusstsein, treten Atemprobleme, Krampfanfälle oder Kreislaufstörungen auf, wird unmittelbar 144 alarmiert. Einer bewusstlosen Person dürfen keine Flüssigkeiten und keine Medikamente eingeflösst werden.
Nach dem Einatmen schädlicher Dämpfe darf ein belasteter Raum nur betreten werden, wenn keine Eigengefährdung besteht. Bei unbekannten Gasen, Rauch oder Sauerstoffmangel ist die Rettung Aufgabe der Feuerwehr. Eine betroffene Person an frischer Luft wird ruhig gelagert und medizinisch überwacht.
Stürze, Kopfverletzungen und Knochenbrüche
Nach einem schweren Sturz sollte eine verletzte Person möglichst in der vorgefundenen Position bleiben. Aufstehen und Umhergehen können Verletzungen an Wirbelsäule, Becken oder Beinen verschlimmern. Eine Umlagerung ist angezeigt, wenn eine unmittelbare Gefahr besteht oder Atmung und Wiederbelebung dies erfordern.
Ein gebrochener Arm oder ein gebrochenes Bein wird ruhiggestellt, ohne Fehlstellungen zu korrigieren. Offene Wunden werden steril abgedeckt. Bei sichtbaren Knochenanteilen darf kein Druck direkt auf den Knochen ausgeübt werden.
Nach einem Schlag gegen den Kopf können zunehmende Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Verwirrtheit, Erinnerungslücken, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, unterschiedlich grosse Pupillen sowie austretende Flüssigkeit aus Nase oder Ohr auf eine schwere Verletzung hinweisen. Auch Blutverdünner erhöhen das Risiko einer inneren Blutung. Bei solchen Zeichen ist 144 zu alarmieren.
Hausapotheke und Erste-Hilfe-Material einsatzbereit halten
Erste-Hilfe-Material muss rasch erreichbar, übersichtlich und vollständig sein. Eine sinnvolle Grundausstattung umfasst Einweghandschuhe, sterile Kompressen, elastische Binden, Fixierbinden, Heftpflaster, Wundpflaster, eine Rettungsdecke, eine Verbandsschere und eine Beatmungshilfe.
Ergänzend sind eine Pinzette, sterile Kochsalzlösung zum Spülen kleiner Wunden, Kühlkompressen und eine gut lesbare Liste der Notrufnummern nützlich. Persönliche Notfallmedikamente gehören in der Originalverpackung dazu, wenn Allergien, Asthma, Epilepsie oder Diabetes bekannt sind.
Verfallsdaten, beschädigte Verpackungen und verbrauchtes Material sollten regelmässig kontrolliert werden. Medikamente benötigen eine kindersichere, trockene und temperaturgerechte Aufbewahrung. Der Standort muss allen erwachsenen Haushaltsmitgliedern bekannt sein.
In Betrieben richten sich Organisation, Material und Ausbildung nach den vorhandenen Gefahren, der Belegschaft, den Arbeitszeiten und der Erreichbarkeit professioneller Hilfe. Der Beitrag über Erste Hilfe im Betrieb nach Schweizer Recht erläutert diese organisatorischen Pflichten vertieft.
Herzdruckmassage im Video erklärt
Eine Demonstration kann Bewegungsabläufe anschaulicher vermitteln als eine reine Textbeschreibung. Entscheidend bleiben eine praktische Ausbildung und die Anweisungen der Notrufzentrale im konkreten Notfall.
Das Video „Wie geht eine Herzdruckmassage? Auch du kannst Leben retten!“ von Asklepios zeigt die Position der Hände, das richtige Drucktempo und die Ausführung einer Herzdruckmassage bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand.
Warum regelmässiges Auffrischen sinnvoll ist
Unter Stress gehen selbst vertraute Abläufe leicht verloren. Wiederholung schafft Handlungssicherheit und korrigiert überholte Vorstellungen. Dazu gehören der hohe Stellenwert der frühen Herzdruckmassage, die einfache Bedienung eines AED und die Erkenntnis, dass Schnappatmung keine normale Atmung darstellt.
Für Privatpersonen besteht kein allgemeingültiger Auffrischungsrhythmus, der für jede Lebenssituation passt. Regelmässige Kurse sind besonders sinnvoll, wenn Kinder, ältere Menschen oder chronisch erkrankte Angehörige zum Haushalt gehören. Auch Betreuungspersonen, Sportleiter, Verkehrsteilnehmer und Beschäftigte in Betrieben mit erhöhten Risiken profitieren von praktischen Übungen.
Ein Kurs sollte Reanimation, AED-Anwendung, Seitenlage, Blutstillung und das Vorgehen bei einer Atemwegsverlegung enthalten. Szenarien mit Kindern verlangen zusätzliche Kenntnisse, weil Beatmung, Drucktechnik und Fremdkörperentfernung vom Alter abhängen.
Wenige klare Schritte überbrücken die kritische Zeit
Gute Erste Hilfe beruht nicht auf komplizierten medizinischen Verfahren. Eigenschutz, ein früher Notruf und die Behandlung der unmittelbar lebensbedrohlichen Störung bilden den Kern. Bei fehlender normaler Atmung beginnt sofort die Reanimation. Starke Blutungen brauchen direkten Druck, Schlaganfallzeichen eine unverzügliche Alarmierung und Vergiftungen eine fachliche Beurteilung statt Hausmitteln.
Unsicherheit ist kein Grund, untätig zu bleiben. Die Notrufzentrale führt Schritt für Schritt durch die entscheidenden Massnahmen. Schriftliches Wissen kann praktische Übungen jedoch nicht ersetzen. Wer Herzdruckmassage, stabile Seitenlage und Druckverband wiederholt trainiert, kann in einer Ausnahmesituation ruhiger, schneller und zielgerichteter handeln.
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