Helm, Stock und Schlittschuhe: Wie Einsteiger die richtige Eishockeyausrüstung finden
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Alltag Eishockey elterntipps.ch events24.ch Lifestyle Magazine nachrichtenticker.ch News Produkte Regionen Schweiz Sicherheit Sport sportaktuell.ch Themen Tipps Trends Ⳇ Verbreitung
Eine komplette Eishockeyausrüstung wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines Materiallager. Einsteiger müssen trotzdem nicht sofort jedes Teil neu kaufen.
Entscheidend sind drei Dinge: Die Ausrüstung muss vollständig sein, zum Spieler passen und den aktuellen Vorgaben des Clubs und des Schweizer Spielbetriebs entsprechen. Wer in dieser Reihenfolge auswählt, schützt sich sinnvoll und vermeidet teure Fehlkäufe.
Vor dem Einkauf kommt eine einfache Frage
„Was muss ich zum ersten Training selbst mitbringen?“ Diese Frage gehört an den Anfang – und zwar direkt an den Club. Viele Hockeyschulen und Nachwuchsabteilungen stellen für Schnuppertrainings Teile der Ausrüstung bereit oder vermitteln Leihmaterial. Umfang, Grössen und Bedingungen unterscheiden sich jedoch. Deshalb sollte niemand aufgrund einer allgemeinen Liste einkaufen, bevor das konkrete Angebot geklärt ist.
Für den regulären Trainings- und Spielbetrieb benötigt ein Feldspieler grundsätzlich eine vollständige Ausrüstung. Dazu gehören:
- Hockeyhelm mit dem vorgeschriebenen Gesichts- und Ohrenschutz
- Hals- und Nackenschutz
- Schulter- beziehungsweise Brustschutz
- Ellbogenschoner
- Eishockeyhandschuhe
- Eishockeyhose mit integrierten Schutzpolstern
- Tief- beziehungsweise Beckenschutz
- Knie- und Schienbeinschoner
- Stutzen und Trikot
- Eishockeyschlittschuhe
- passender Schläger
- Funktionswäsche, Tasche und praktische Kleinteile
Torhüter benötigen eine eigene, deutlich umfangreichere Spezialausrüstung. Wer die Position zunächst ausprobieren möchte, klärt deshalb am besten mit dem Club, ob eine Goalie-Ausrüstung bereitsteht.
Beim Helm gibt es keinen Platz für „wird schon passen“
Ein Helm schützt nur so, wie er sitzt und getragen wird. Nach dem zuletzt veröffentlichten SIHF-Merkblatt für die Nachwuchskategorien darf seine Unterkante höchstens eine Fingerbreite über den Augenbrauen liegen. Auch zwischen Kinnband und Kinn darf maximal eine Fingerbreite Platz bleiben. Der Helm darf beim Kopfschütteln nicht verrutschen, soll aber ebenfalls keine schmerzhaften Druckstellen erzeugen.
Für Feldspieler der Kategorie U18 und jünger schreibt das Merkblatt einen Vollgesichtsschutz vor. Er kann aus einem Vollvisier oder einem Gitter bestehen. Die Bänder und Arretierungen müssen korrekt befestigt bleiben. Für ältere Spieler gelten je nach Altersklasse, Liga und verwendetem Gesichtsschutz weitere Vorgaben zu Visier, Zahnschutz und Ohrenschutz.
Der Hals- und Nackenschutz ist kein beliebiges Extra. Im SIHF-Merkblatt 2025/26 ist er für den gesamten Spiel- und Trainingsbetrieb der National League, der Sky Swiss League sowie sämtlicher Nachwuchs-, Amateur- und Frauenligen vorgeschrieben. Weil Reglemente angepasst werden können, sollte vor jeder Saison das aktuelle SIHF-Merkblatt zur Ausrüstung geprüft werden.
Bei einem gebrauchten Helm ist Zurückhaltung angebracht. Alter, starke Schläge, beschädigte Polster oder unsachgemässe Veränderungen lassen sich nicht immer zuverlässig beurteilen. Fehlen Angaben zur Vorgeschichte, Kennzeichnung oder vorgesehenen Nutzungsdauer, ist ein passender neuer Helm die vernünftigere Entscheidung. Bohrungen, abgeschnittene Teile oder improvisierte Reparaturen sind tabu.
Protektoren sollen schützen, ohne die Bewegung zu blockieren
Mehr Polster bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit. Schulter- und Brustschutz, Ellbogenschoner, Hose und Schienbeinschoner müssen zusammenpassen. Zwischen den Teilen sollten bei einer normalen Hockeyhaltung keine ungeschützten Lücken entstehen. Gleichzeitig muss der Spieler tief in die Knie gehen, den Oberkörper drehen und beide Arme frei bewegen können.
Ein einfacher Kabinentest hilft:
- Alle Schutzteile und das Trikot vollständig anziehen.
- In die typische leicht gebeugte Hockeyhaltung gehen.
- Arme heben, Ellenbogen beugen und den Oberkörper drehen.
- Prüfen, ob Schoner verrutschen oder harte Kanten drücken.
- Kontrollieren, ob Handgelenke, Ellenbogen und Knie lückenlos abgedeckt bleiben.
Jugend+Sport fordert für Training und Spiel eine vollständige, intakte und korrekt montierte Ausrüstung gemäss den Weisungen von Swiss Ice Hockey. Dieser Grundsatz ist wichtiger als Marke, Farbe oder Profidesign. Weitere allgemeine Hinweise zum Verletzungsrisiko beim Sport finden Sie auf xund24.ch.
Schlittschuhe: Die Schuhgrösse allein reicht nicht
Eishockeyschlittschuhe werden nach Fusslänge, Fussbreite und individueller Form ausgewählt. Die Grösse eines Alltagsschuhs lässt sich nicht zuverlässig übertragen. Hersteller führen eigene Tabellen und unterschiedliche Passformen. Beide Füsse sollten deshalb gemessen und die Schuhe mit den Socken anprobiert werden, die später im Training getragen werden.
Der Fuss braucht festen Halt, ohne taub zu werden oder schmerzhaft eingequetscht zu sein. Die Ferse soll beim Gehen und Beugen möglichst stabil sitzen. Zu grosse Schlittschuhe erschweren die Kontrolle und lassen sich durch besonders festes Schnüren nicht sinnvoll korrigieren. Auch bei Kindern ist eine grosszügige „Wachstumsreserve“ keine gute Lösung. Wie viel Raum vertretbar ist, sollte mit dem Fachgeschäft oder Materialverantwortlichen des Clubs geklärt werden.
Neue Kufen sind nicht automatisch spielbereit. Vor dem ersten Einsatz muss geprüft werden, ob sie fachgerecht geschliffen werden müssen. Welcher Schliff passt, hängt unter anderem von Gewicht, Können, Eis und persönlichen Vorlieben ab. Einsteiger lassen sich dazu am besten im Club oder Fachgeschäft beraten, statt einen Profi-Schliff zu kopieren.
Der Schläger muss zum Spieler passen – nicht zum Lieblingsstar
Bei der Schlägerwahl zählen Seite, Länge und Flex. „Links“ und „rechts“ beziehen sich darauf, auf welcher Seite das Schlägerblatt liegt. Das lässt sich nicht allein aus der Schreibhand ableiten. Wer einen Schläger locker in beide Hände nimmt, merkt meist schnell, welche Haltung natürlicher wirkt.
Die passende Länge wird mit angezogenen Schlittschuhen beurteilt. Als grobe Orientierung endet der Schaft bei vielen Feldspielern im Bereich des Kinns; Spielposition, Körperhaltung und persönliche Technik können eine andere Länge sinnvoll machen. Bevor ein neuer Schläger gekürzt wird, sollte deshalb ein Trainer die Haltung ansehen. Kürzen verändert zudem das Spielgefühl und lässt den Schläger steifer wirken.
Der Flex beschreibt, wie stark sich der Schaft unter Belastung biegt. Ein zu harter Schläger mag professionell wirken, hilft einem Anfänger aber selten. Kinder und Einsteiger brauchen ein Modell, das sie technisch kontrolliert belasten können. Teures Leichtbaumaterial ist für die ersten Schritte weniger wichtig als eine passende Abstimmung.
Gebraucht kaufen: Bei diesen Teilen kann es sich lohnen
Kinder wachsen schnell, weshalb Clubbörsen und gepflegte Secondhand-Ausrüstung das Budget deutlich entlasten können. Brustschutz, Ellbogenschoner, Hose, Handschuhe und Schienbeinschoner lassen sich gebraucht kaufen, wenn sie passen, sauber sind und keine Risse, gebrochenen Schalen, fehlenden Nieten oder ausgeleierten Verschlüsse aufweisen.
Auch gebrauchte Schlittschuhe können eine gute Wahl sein. Voraussetzung sind eine passende Form, ein stabiler Schuh, intakte Halterungen und ausreichend Kufenmaterial. Beim Helm, Hals- und Nackenschutz sowie beschädigten Protektoren ist die Prüfung besonders streng. Im Zweifel entscheidet ein Fachmann oder der Materialverantwortliche des Clubs – nicht der niedrige Preis.
Praktisch ist diese Reihenfolge:
- Zuerst leihen: beim Schnuppertraining testen, ob der Sport wirklich passt.
- Dann Passform bestimmen: Grössen und Modelle mit Trainer oder Fachgeschäft klären.
- Gebraucht gezielt suchen: nur Teile kaufen, deren Zustand zuverlässig kontrolliert werden kann.
- Neu priorisieren: dort investieren, wo Passform, Vorgeschichte oder Schutzwirkung zweifelhaft sind.
So wird die Ausrüstung richtig angezogen
Der frühere deutsche Nationalspieler und NHL-Verteidiger Christian Ehrhoff zeigt in diesem Video Schritt für Schritt, in welcher Reihenfolge die Ausrüstung angezogen wird und worauf bei der Passform zu achten ist. Das Video bietet eine anschauliche Einführung; für verbindliche Vorgaben im Schweizer Spielbetrieb bleiben die jeweils aktuellen SIHF-Reglemente massgebend.
Die Hockeytasche ist kein Aufbewahrungsschrank
Nach dem Training sollte die Ausrüstung möglichst rasch aus der geschlossenen Tasche. Feuchte Textilien und Protektoren werden getrennt und gut belüftet getrocknet. Was in die Waschmaschine darf, steht auf dem Pflegeetikett des jeweiligen Produkts. Hitze, aggressive Reinigungsmittel oder der Wäschetrockner können Materialien und Verklebungen beschädigen.
Die Kufen werden nach Gebrauch mit einem weichen Tuch sorgfältig getrocknet. Harte Kufenschoner dienen dem kurzen Weg ausserhalb des Eises, sollten aber nicht dauerhaft auf feuchten Kufen bleiben. Vor jedem Training lohnt sich ein schneller Blick auf Schrauben, Riemen, Schnallen, Nähte, Gitter und Schalen. Defekte Teile werden repariert oder ersetzt, bevor der Spieler aufs Eis geht.
Der Fünf-Punkte-Check vor dem ersten Training
- Vollständig? Sind alle vom Club verlangten Schutzteile vorhanden?
- Passend? Bleibt alles auch in der tiefen Hockeyhaltung an seinem Platz?
- Regelkonform? Entsprechen Helm, Gesichts-, Ohr-, Zahn- sowie Hals- und Nackenschutz der Altersklasse und Liga?
- Intakt? Gibt es Risse, lockere Schrauben, ausgeweitete Bänder oder beschädigte Schalen?
- Einsatzbereit? Sind Kufen geschliffen, Ausrüstung trocken und Trinkflasche gefüllt?
Fazit: Erst passend, dann vollständig, zuletzt luxuriös
Ein Einsteiger braucht keine Profiausrüstung, aber vollständigen und richtig sitzenden Schutz. Der beste Start führt deshalb über Schnuppertraining, Leihmaterial und eine ehrliche Passformkontrolle. Danach lässt sich gezielt entscheiden, welche Teile gebraucht gekauft werden können und wo eine Neuanschaffung sinnvoll ist.
Das teuerste Modell ist nicht automatisch das beste. Ein Helm, der korrekt sitzt, Schlittschuhe, die Halt geben, und Protektoren ohne Schutzlücken bringen auf dem Eis mehr als ein ultraleichter Schläger mit Profipreis.
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