Gewitter und Blitzschlag: Sicherheitsregeln für zuhause, unterwegs und auf dem Campingplatz

Gewitter gehören in der Schweiz zum Sommer wie das Grillieren auf dem Balkon. Meist ziehen sie folgenlos vorbei, manchmal aber richten Blitzschlag, Sturmböen und Starkregen erhebliche Schäden an. Wer die wichtigsten Verhaltensregeln kennt – zuhause, unterwegs und auf dem Campingplatz – senkt das Risiko für sich und andere deutlich.

Ob im Garten, beim Wandern oder beim Wildcampen im Zelt: Ein aufziehendes Gewitter lässt sich nicht verhindern, sein Risiko aber gezielt reduzieren. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es dabei ankommt.

Wie ein Gewitter entsteht

Gewitter bilden sich, wenn warme, feuchte Luft rasch aufsteigt und sich zu mächtigen Quellwolken auftürmt. Innerhalb der Wolke laden sich Wassertröpfchen und Eiskristalle elektrisch auf, bis sich die Spannung schliesslich als Blitz entlädt – meist zwischen zwei Wolken, seltener zwischen Wolke und Erdboden. In der Schweiz werden je nach Jahr zwischen 150’000 und über 300’000 Blitzeinschläge registriert. Besonders im Sommer, wenn Wärme und Feuchtigkeit zusammenkommen, können sich Gewitter innert kurzer Zeit und mit unberechenbarer Zugbahn entwickeln.

Die 30-30-Regel: Wann es Zeit ist, drinnen zu bleiben

Eine einfache Faustregel hilft, die Distanz zu einem Gewitter einzuschätzen: Zeit zwischen Blitz und Donner in Sekunden zählen und durch drei teilen – das Ergebnis entspricht der Entfernung in Kilometern. Wichtiger noch ist die sogenannte 30-30-Regel: Vergehen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, sollte man sofort Schutz suchen. Erst wenn seit dem letzten Blitz rund 30 Minuten vergangen sind, ist es wieder sicher, ins Freie zurückzukehren. Diese Regel gilt gleichermassen im Garten, auf der Wanderung und auf dem Campingplatz.


Fenster und Storen rechtzeitig schliessen schützt vor Wasser- und Windschäden.

Richtiges Verhalten im Freien

Wer von einem Gewitter überrascht wird, sollte einige Grundregeln beachten:

  • Schutz suchen: Ein Gebäude oder ein Auto bietet die sicherste Zuflucht – das Fahrzeug wirkt dabei wie ein schützender Käfig.
  • Abstand halten: Mindestens drei Meter Distanz zu Masten, Antennen, Metallzäunen und einzeln stehenden Bäumen einhalten.
  • Offene Flächen und Wasser meiden: Freie Felder, Anhöhen und Gewässer sind bei Blitzschlag besonders gefährlich.
  • Kauerstellung einnehmen: Ist kein Schutz in der Nähe, in die Hocke gehen, Füsse eng zusammenstellen und möglichst wenig Bodenkontakt haben.
  • In der Gruppe Abstand halten: So werden nicht alle Personen gleichzeitig getroffen, und Unverletzte können Erste Hilfe leisten.

Ein hartnäckiger Mythos im Check

„Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen» – dieser alte Spruch hält sich hartnäckig, ist aber irreführend. Kein Baum bietet bei einem Gewitter zuverlässigen Schutz, im Gegenteil: Einzeln stehende Bäume gehören zu den gefährlichsten Orten überhaupt, weil Blitze bevorzugt in hohe, exponierte Objekte einschlagen. Wer sich im Wald befindet, ist zwischen gleichmässig hohen Bäumen etwas sicherer als bei einem einzelnen Baum auf freier Fläche, doch echten Schutz bietet nur ein Gebäude oder ein Fahrzeug.


Unbefestigte Gartenmöbel können bei Sturmböen umkippen oder beschädigt werden – rechtzeitiges Sichern zahlt sich aus.

Sicher zuhause durchs Gewitter

Auch im Haus lassen sich Schäden mit wenig Aufwand vermindern. Fenster und Storen rechtzeitig schliessen, lose Gegenstände auf Balkon und Terrasse sichern oder hereinholen und empfindliche Pflanzen abdecken. Elektrische Geräte wie Fernseher oder Computer lassen sich zum Schutz vor Überspannung vom Stromnetz trennen. Wer ein Auto besitzt, parkiert es nach Möglichkeit in der Garage, um Hagelschäden zu vermeiden – dabei aber nicht unter einem Baum abstellen, da Äste abbrechen können.

Camping bei Gewitter: Zelt, Wohnwagen und Wohnmobil

Auf dem Campingplatz gelten zusätzliche Regeln, denn ein Zelt schützt vor Regen und Wind, nicht aber vor einem Blitzeinschlag – das Metallgestänge leitet Strom sogar besonders gut. Zieht ein Gewitter auf, gilt deshalb: Zelt verlassen und ein festes Gebäude auf dem Campingplatz aufsuchen, etwa das Sanitär- oder Aufenthaltsgebäude. Es lohnt sich, schon bei der Ankunft zu erkunden, wo sich der nächste sichere Unterschlupf befindet.


Dunkle Wolken über dem Gebirge kündigen ein Gewitter an – auf dem Campingplatz heisst es dann: rechtzeitig Schutz suchen.

Ein verbreiteter Irrtum: Wohnwagen und Wohnmobile gelten pauschal als sicher, weil sie wie ein Faradayscher Käfig wirken sollen. Tatsächlich trifft das nur zu, wenn das Fahrzeug über einen durchgehenden, geschlossenen Metallrahmen verfügt. Bei vielen Wohnwagen, teilintegrierten Wohnmobilen, Alkoven oder Dachzelten fehlt dieser Rahmen – sie bieten dann kaum mehr Schutz als ein Zelt. Am sichersten ist in der Regel die Fahrerkabine eines Wohnmobils, da sie meist vollständig von Metall umschlossen ist.

Wichtig zudem: Wasserhahn, Dusche und andere metallverbundene Installationen während des Gewitters nicht benutzen, Stromkabel rechtzeitig vom Netz trennen und keine metallischen Gegenstände im Innenraum berühren.

Die richtige Standplatzwahl beim Camping

Wer sein Zelt oder Fahrzeug aufstellt, kann das spätere Risiko schon im Voraus reduzieren:

  • Nicht unter Bäumen oder Masten: Einzelne Bäume und Fahnenmasten ziehen Blitze an, ein Überschlag ist auch aus einigen Metern Entfernung möglich.
  • Abstand halten: Mindestens drei Meter Distanz zu Nachbarzelten oder -fahrzeugen einplanen, um Überschlagsentladungen zu vermeiden.
  • Keine Mulden oder Flussbetten: Solche Standorte können sich bei Starkregen rasch mit Wasser füllen oder zu reissenden Rinnsalen werden.
  • Keine Metalldrähte spannen: Wäscheleinen oder Abspannungen aus Metall zwischen mehreren Unterkünften vermeiden.
  • Nicht der höchste Punkt sein: Ein Standort auf einer Anhöhe oder auf freier Fläche ohne Vergleichsobjekte ist ungünstiger als ein Platz zwischen ähnlich hohen Fahrzeugen oder Gebäuden.

Wenn im Zelt keine Flucht mehr möglich ist

Zieht das Gewitter schneller auf, als der Weg zum sicheren Gebäude reicht, gilt es, das Risiko wenigstens zu verringern: in der Zeltmitte auf einer trockenen Unterlage – etwa einer Isomatte – in Kauerstellung gehen, Füsse eng zusammenstellen und Zeltwand sowie Zeltstangen nicht berühren. Auf keinen Fall hinlegen, da so eine grössere Körperfläche mit dem Boden in Kontakt kommt. Diese Massnahme ersetzt keinen echten Schutz, macht das Ausharren im Zelt aber weniger gefährlich, bis das Gewitter vorbeigezogen ist.

Checkliste für die Reisetasche

Ein paar einfache Vorbereitungen erleichtern das Ausharren bei einem Gewitter erheblich:

  • Wetter-App mit Gewitterwarnung für die Region installieren
  • Taschenlampe oder Stirnlampe griffbereit halten
  • Zusätzliche Heringe und Sturmleinen für eine stabilere Zeltverankerung mitführen
  • Nahtdichter oder Reparaturband für kleinere Zeltschäden einpacken
  • Standort und Rückkehrzeit einer Vertrauensperson mitteilen, besonders beim Wildcampen abseits offizieller Plätze

Nach dem Gewitter: Aufräumen mit Vorsicht

Ist das Unwetter vorbei, gilt weiterhin Vorsicht. Herabhängende Kabel sollten auf keinen Fall berührt werden, beschädigte Gebäudeteile oder Bäume sind zu meiden. Bei Verletzungen oder akuter Gefahr hilft der Notruf, bei umgestürzten Bäumen oder blockierten Strassen die Feuerwehr. Camperinnen und Camper sollten Zelt und Umgebung auf Schäden prüfen, bevor sie wieder nach draussen gehen, und ein durchnässtes Zelt möglichst rasch lüften und trocknen, um Schimmelbildung vorzubeugen. Grössere Schäden lassen sich am besten noch vor Ort dokumentieren – das erleichtert eine allfällige Versicherungsmeldung.

Video-Tipp: Wie verhalte ich mich bei Gewitter und Blitzschlag richtig?

Wie ein Blitzschlag im Körper wirkt und welche Verhaltensregeln im Ernstfall Leben retten können, zeigt dieses Video anschaulich.



Fazit

Gewitter lassen sich nicht verhindern, ihre Folgen aber oft abmildern. Wer die 30-30-Regel kennt, im Freien rechtzeitig Schutz sucht und zuhause wie auf dem Campingplatz ein paar einfache Vorkehrungen trifft, reduziert das Risiko spürbar – egal ob im Garten, unterwegs oder im Zelt.

 

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