Kanton Schaffhausen entdecken: Rheinfall, Baukultur, Familienziele und Weinland

Der Kanton Schaffhausen vereint auf 298 Quadratkilometern erstaunlich viele Facetten. Der Rheinfall trifft auf mittelalterliche Städte, Rebberge auf Industriekultur und bewaldete Höhen auf eine 150 Kilometer lange Grenze zu Deutschland. Historische Bauwerke, Familienausflüge, Wanderwege, Museen und eine exportorientierte Wirtschaft liegen nah beieinander.

Schaffhausen ist weit mehr als das Ziel eines kurzen Abstechers zum Wasserfall. Die gleichnamige Hauptstadt, Stein am Rhein, der Klettgau, der Randen und die Gemeinden am Hochrhein ergeben eine Region, die sich für Kulturreisen, Naturferien, Familienausflüge und kulinarische Entdeckungen eignet. Ende 2025 zählte die kantonale Wohnbevölkerung 90’285 Personen. Damit gehört Schaffhausen zu den kleineren Kantonen der Schweiz, besitzt jedoch eine weit über seine Grösse hinausreichende wirtschaftliche und touristische Bedeutung.

Ein Kanton mit ungewöhnlicher Geografie

Schaffhausen liegt im äussersten Norden der Schweiz und ist stark mit dem deutschen Grenzraum verflochten. Von der gesamten Kantonsgrenze von 184,8 Kilometern verlaufen 150,1 Kilometer entlang Deutschlands, einschliesslich der deutschen Exklave Büsingen. Lediglich im Süden bestehen Grenzen zu den Kantonen Zürich und Thurgau.

Das Kantonsgebiet bildet keine geschlossene Fläche. Es besteht aus drei Teilen: dem Hauptgebiet mit der Stadt Schaffhausen, dem östlichen Gebiet um Stein am Rhein und dem südlichen Teil mit Buchberg und Rüdlingen. Dazwischen liegen deutsches Staatsgebiet und Teile der Kantone Zürich und Thurgau. Diese Lage prägt Verkehrswege, Pendlerströme, Einkauf, Arbeitsmarkt und Alltag.

Zum Kanton gehören 26 politische Gemeinden. Die Bandbreite reicht von der Hauptstadt mit rund 40’000 Einwohnern bis zu kleinen Landgemeinden mit wenigen Hundert Einwohnern. Neuhausen am Rheinfall, Thayngen und Beringen bilden weitere grössere Wohn- und Wirtschaftsstandorte.

Mit 912 Metern über Meer ist der Hagen auf dem Randen der höchste Punkt. Am Rhein bei Buchberg liegt das Kantonsgebiet auf 344 Metern über Meer am tiefsten. Fast 41 Prozent der Fläche bestehen aus Wald und Gehölzen. Weitere 47 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt. Berge im alpinen Sinn gibt es nicht. Stattdessen bestimmen Jurahöhen, offene Täler, Rebberge, Felder und Flusslandschaften das Bild.

Schaffhausen ist aus dem Handel am Rhein entstanden

Der Rheinfall unterbrach im Mittelalter die durchgehende Schifffahrt auf dem Hochrhein. Waren mussten vor dem Wasserfall entladen, über Land transportiert und danach wieder auf Schiffe verladen werden. Rund um diesen Umschlagplatz entwickelte sich die Stadt Schaffhausen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1045 enthält mit „Scafhusun“ eine frühe Nennung des Ortes.

Das Kloster Allerheiligen spielte für die Entwicklung der Siedlung eine zentrale Rolle. Handel, Handwerk und die günstige Lage am Fluss förderten das Wachstum. 1501 trat Schaffhausen der Eidgenossenschaft bei. Die Reformation wurde 1529 eingeführt. Mit der Aufhebung der Klöster veränderten sich Besitzverhältnisse, Bildungswesen und politische Ordnung.

Die territoriale Entwicklung des heutigen Kantons dauerte Jahrhunderte. Stadt und Landschaft verfügten lange nicht über dieselben politischen Rechte. Erst im 19. Jahrhundert entstand schrittweise die moderne kantonale Ordnung. Die ausgeprägte Gemeindevielfalt und das Verhältnis zwischen städtischem Zentrum und ländlichen Regionen sind bis heute sichtbar.

Noch weiter zurück führt das Kesslerloch bei Thayngen. Die Höhle zählt zu den bedeutenden europäischen Fundstellen aus der späten Eiszeit. Siedlungsspuren werden der Magdalénien-Kultur zwischen etwa 14’000 und 12’000 vor Christus zugeordnet. Funde aus Thayngen, das römische Juliomagus bei Schleitheim und weitere archäologische Plätze zeigen, dass die Region seit Jahrtausenden genutzt wurde.

Die Stadt Schaffhausen: Erker, Gassen und der Munot

Die weitgehend erhaltene Altstadt lässt sich gut zu Fuss erkunden. Besonders charakteristisch sind die 171 Erker. Die vorspringenden Bauteile dienten der Belichtung, vergrösserten den Wohnraum und ermöglichten einen besseren Blick in die Gassen. Zugleich wurden sie zu sichtbaren Zeichen des Wohlstands. Bemalte Fassaden, Zunfthäuser, Brunnen und Bürgerhäuser formen ein Stadtbild, in dem mehrere Epochen nebeneinanderstehen.

Über der Altstadt erhebt sich der Munot. Die kreisförmige Festung wurde zwischen 1564 und 1589 teilweise in Fronarbeit errichtet. Der Bau reagierte auf veränderte militärische Anforderungen, war technisch jedoch schon bald nicht mehr auf dem neusten Stand. Seine städtebauliche Wirkung blieb umso grösser. Von der Zinne reicht der Blick über Dächer, Rhein, Rebhänge und das Umland.

Zum historischen Ensemble gehört das Münster zu Allerheiligen. Der romanische Kirchenbau, der Kreuzgang und der Kräutergarten vermitteln einen Eindruck von der einstigen Klosteranlage. Heute verbindet das Museum zu Allerheiligen Archäologie, Stadt- und Kulturgeschichte, Naturkunde und Kunst. Es eignet sich damit als Schlechtwetterziel und als Ergänzung zum Rundgang durch die Altstadt.

Auch die jüngere Baugeschichte prägt die Stadt. Mit Eisenbahn, Wasserkraft und Industrialisierung entstanden im 19. Jahrhundert Fabriken, Arbeiterquartiere, Verkehrsanlagen und technische Infrastrukturen. Die Uhrenindustrie, der Maschinenbau und die Metallverarbeitung machten Schaffhausen zu einem bedeutenden Industriestandort. Historische Produktionsareale und moderne Nutzungen liegen heute teilweise direkt nebeneinander.


Der Munot, die dicht bebaute Altstadt und der Rhein zeigen, wie eng Befestigungsbau, Handel und Stadtentwicklung in Schaffhausen miteinander verbunden sind.

Der Rheinfall: Naturgewalt an der Kantonsgrenze

Rund vier Kilometer westlich der Stadt erreicht der Rheinfall eine Breite von etwa 150 Metern. Das Wasser stürzt 23 Meter über eine widerstandsfähige Felskante. Die Wassermenge verändert sich stark mit Jahreszeit, Niederschlag und Schneeschmelze. Bei mittlerer Wasserführung im Sommer können ungefähr 600 Kubikmeter pro Sekunde über die Felsen strömen.

Der Wasserfall liegt an der Grenze der Kantone Schaffhausen und Zürich. Das rechte Ufer gehört zu Neuhausen am Rheinfall, das linke zu Laufen-Uhwiesen. Beide Seiten eröffnen unterschiedliche Perspektiven. Aussichtsplattformen führen nahe ans Wasser, während Wege entlang des Beckens ruhigere Gesamtansichten ermöglichen. Je nach Wasserstand verkehren Boote im Rheinfallbecken und zum markanten Mittelfelsen.

2024 wurden rund 2,05 Millionen Besucher am Rheinfall gezählt. Wer das Naturereignis in einer stilleren Atmosphäre erleben möchte, findet am frühen Vormittag, am Abend oder ausserhalb der sommerlichen Hauptreisezeit häufig bessere Bedingungen. Bei hohem Wasserstand können einzelne Angebote aus Sicherheitsgründen eingeschränkt werden.

Für die Anreise bieten sich Bahn und Bus an. Die Stationen Neuhausen Rheinfall und Schloss Laufen am Rheinfall liegen nahe an den Zugängen. Dadurch lässt sich der Besuch mit einer Wanderung, einer Schifffahrt oder einem Rundgang durch die Schaffhauser Altstadt verbinden. Weitere Hintergründe und Ausflugsideen enthält der belmedia-Beitrag „Kein Reinfall: Ein Besuch am Rheinfall!“.


Der breite Blick auf Felsen, Stromschnellen und Rheinfallbecken verdeutlicht die Dimension des Wasserfalls und die starke Veränderlichkeit der Wassermenge.

Stein am Rhein: bemalte Fassaden am Übergang zum Untersee

Der östliche Kantonsteil besitzt mit Stein am Rhein ein zweites historisches Zentrum. Die Kleinstadt liegt dort, wo der Rhein den Untersee verlässt. Ihr Rathausplatz gehört zu den geschlossensten historischen Platzräumen der Schweiz. Bemalte Hausfassaden, Fachwerk, Erker und Zunftzeichen verwandeln den Stadtrundgang in eine Einführung in mehrere Jahrhunderte Bau- und Alltagsgeschichte.

Die Fassadenmalereien zeigen religiöse Szenen, historische Ereignisse, Tugenden, Sagen und Motive aus dem bürgerlichen Leben. Manche Werke stammen aus der frühen Neuzeit, andere wurden später erneuert oder ergänzt. Gerade diese Überlagerung macht deutlich, dass ein historisches Ortsbild kein unverändertes Relikt ist. Es wird über Generationen restauriert, interpretiert und weitergenutzt.

Das ehemalige Benediktinerkloster St. Georgen liegt unmittelbar am Rhein. Seine spätgotischen Räume, Kreuzgänge und Ausstattungen dokumentieren klösterliche Lebenswelten vor der Reformation. Über der Stadt steht die Burg Hohenklingen. Der Aufstieg verbindet Baugeschichte mit einem weiten Blick über Untersee, Rhein und Hegau.

Stein am Rhein eignet sich für einen Tagesausflug, gewinnt jedoch durch eine Übernachtung. Am Abend und am frühen Morgen wird es rund um den Rathausplatz meist ruhiger. Dann treten Fassadendetails, Proportionen und die Beziehung zwischen Stadt und Fluss stärker hervor.


Die detailreichen Wandbilder an den historischen Bürgerhäusern gehören zu den prägenden Merkmalen des Ortsbildes von Stein am Rhein.

Rhein, Randen und Reiat: Natur ohne alpine Extreme

Schaffhausen bietet keine Hochgebirgslandschaft. Gerade darin liegt ein Vorteil für Wanderer, Familien und Velofahrer. Viele Wege bleiben bereits im Frühling und noch lange im Herbst begehbar. Die Distanzen sind überschaubar, und zahlreiche Ausgangspunkte lassen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Der Randen ist ein Ausläufer des Juras. Wälder, Trockenwiesen, Felder und Aussichtspunkte wechseln sich ab. Der Randenweg führt auf 16,3 Kilometern von Schleitheim nach Merishausen. Unterwegs werden 640 Höhenmeter überwunden. Vom Hagenturm reicht der Blick bei klarer Sicht über den Klettgau und den Hegau bis zu den Alpen.

Der Reiat östlich der Stadt wirkt offener. Landwirtschaftliche Flächen, kleine Dörfer, Hecken und sanfte Höhen bestimmen die Landschaft. Archäologische Fundstellen rund um Thayngen ergänzen das Naturerlebnis um eine historische Ebene. Der Klettgau im Westen ist dagegen von weitem Talboden, Dörfern und Rebbergen geprägt.

Der Regionale Naturpark Schaffhausen verbindet Naturpflege, Kulturlandschaft, regionale Produkte und eine grenzüberschreitende Perspektive. Seltene Lebensräume finden sich besonders an trockenwarmen Hängen, in lichten Wäldern und entlang der Gewässer. Rücksicht auf Schutzgebiete, bewirtschaftete Felder und Wildtiere bleibt deshalb wichtig.

Übernachtungen ausserhalb offizieller Camping- und Stellplätze müssen jeweils anhand der kommunalen Regeln, Schutzbestimmungen und Eigentumsverhältnisse geprüft werden. Der belmedia-Ratgeber „Wildcampen in der Schweiz: Was erlaubt ist und wie das Naturerlebnis sicher gelingt“ fasst die wichtigsten Grundsätze zusammen.

Das Schaffhauser Blauburgunderland

Reben gehören seit Jahrhunderten zur Kulturlandschaft. Ende 2024 umfasste die bestockte Rebfläche rund 468 Hektaren. Der Schwerpunkt liegt im Klettgau mit Hallau, Oberhallau, Wilchingen, Trasadingen, Löhningen und Siblingen. Weitere Reblagen befinden sich unter anderem bei Schaffhausen, Stein am Rhein, Buchberg und Rüdlingen.

Der Blauburgunder, international als Pinot Noir bekannt, nimmt fast 70 Prozent der Schaffhauser Rebfläche ein. Kalkreiche Böden, vergleichsweise geringe Niederschläge und geschützte Lagen bieten günstige Bedingungen. Neben klassischen Rotweinen entstehen Rosé, Schaumwein und unterschiedlich ausgebaute Spezialitäten. Bei den weissen Sorten spielt Riesling-Silvaner eine wichtige Rolle.

Eine Besonderheit der Region ist die Nähe zwischen Weinbau, Dörfern und Wanderwegen. Rebbergwege führen an Trockenmauern, Rebhäuschen und Aussichtspunkten vorbei. Degustationen ermöglichen einen direkten Vergleich zwischen Lagen, Jahrgängen und Ausbauarten. Termine sollten vorab geprüft werden, da viele Betriebe keine durchgehend geöffneten Verkaufsräume führen.

Auch die Küche greift regionale Produkte auf. Wein, Traubenprodukte, Käse, Fleisch, Getreide und saisonales Gemüse erscheinen in Gasthäusern, Hofläden und bei Veranstaltungen. Der kulinarische Wert des Kantons liegt weniger in einem einzigen berühmten Gericht als in der engen Verbindung von Landwirtschaft, Weinbau und regionaler Gastronomie.


Die Rebzeilen an den Hängen bei Hallau machen sichtbar, wie stark der Weinbau Landschaft, Landwirtschaft und Tourismus im Klettgau prägt.

Ausflugsziele für Familien

Die kurzen Wege erleichtern Ausflüge mit Kindern. Rheinfall, Altstadt und Munot lassen sich an einem Tag kombinieren, ohne lange Fahrzeiten zwischen den Stationen einplanen zu müssen. Dennoch lohnt es sich, den Tagesablauf nicht zu dicht zu gestalten. Treppen, Kopfsteinpflaster und Steigungen können mit Kinderwagen mehr Zeit beanspruchen.

In Neuhausen zeigt die Indoor-Miniaturwelt Smilestones Schweizer Landschaften und Städte im Kleinformat. Auf mehr als 1’300 Metern Gleis verkehren zahlreiche Modelleisenbahnen. Das Angebot eignet sich besonders als Ergänzung bei Regen, Hitze oder für Familien mit unterschiedlichen Altersgruppen.

Das Museum zu Allerheiligen verbindet Naturkunde, Archäologie und Geschichte. Dadurch lässt sich ein Besuch an den Interessen der Kinder ausrichten. Das Kesslerloch bei Thayngen und das rekonstruierte Pfahlbauhaus in der Umgebung machen die frühe Besiedlung der Region anschaulich. Informationstafeln ersetzen allerdings keine Aufsicht: Höhlen, Ufer, Felsen und archäologische Plätze sind keine gewöhnlichen Spielanlagen.

Für eine längere Aktivität bietet sich die Familienroute von Stein am Rhein über Schaffhausen zum Rheinfall an. Die ausgeschilderte Velostrecke misst 23,2 Kilometer und folgt weitgehend dem Rhein. Sie lässt sich mit Bahnverbindungen kombinieren, sodass nicht zwingend zum Ausgangspunkt zurückgeradelt werden muss. Vor der Abfahrt sind Streckenführung, Baustellen und die Eignung für das Alter der Kinder zu prüfen.

Spielplätze, Freibäder, Schifffahrten und kurze Themenwege erweitern die Auswahl. Bei Ausflügen ans Wasser gehören Sonnenschutz, ausreichend Getränke und ein klarer Abstand zu Strömungen zur Vorbereitung. Der Rhein wirkt an ruhigen Stellen harmlos, besitzt jedoch vielerorts kräftige Strömungen und wechselnde Bedingungen.

Unterwegs auf dem Rhein

Zwischen Schaffhausen, Diessenhofen, Stein am Rhein und dem Untersee verkehrt in der Saison die Kursschifffahrt. Die Strecke führt durch eine Flusslandschaft, in der bewaldete Ufer, Dörfer, Brücken, Klöster und Rebberge langsam vorbeiziehen. Schleusen gibt es auf diesem Abschnitt nicht, dafür verlangt die schmale Rheinpassage bei Diessenhofen eine präzise Navigation.

Schiff, Bahn und Velo lassen sich gut miteinander kombinieren. Eine Strecke kann auf dem Wasser, die Rückfahrt mit dem Zug oder dem Fahrrad erfolgen. Fahrplan und Wasserstand müssen vorab kontrolliert werden. Niedrige Pegel, Hochwasser oder technische Einschränkungen können den Betrieb beeinflussen.

Zur Schaffhauser Flusskultur gehört der Weidling. Das schmale Flachboot wird traditionell mit einem langen Stachel gegen die Strömung bewegt oder gerudert. Ende 2024 waren im Kanton 209 Weidlinge und andere Boote ohne Motor registriert. Die Boote stehen für eine lokale Tradition, die Geschick, Erfahrung und genaue Kenntnisse der Strömung verlangt.


Die Schifflände verbindet Altstadt, Rheinpromenade und Kursschifffahrt und eignet sich als Ausgangspunkt für Ausflüge in Richtung Stein am Rhein und Untersee.

Kultur zwischen Kloster, Uhrmacherei und Gegenwart

Das Museum zu Allerheiligen bildet das wichtigste Mehrspartenmuseum des Kantons. Seine Sammlungen reichen von prähistorischen Funden über die Stadtgeschichte bis zur bildenden Kunst. Die Lage im ehemaligen Kloster macht bereits das Gebäude zu einem Teil der Ausstellung.

Die Uhrmacherei ist mit Schaffhausen eng verbunden. Das IWC Museum dokumentiert die Entwicklung von Taschenuhren, Armbanduhren, technischen Werken und Gestaltung. Damit verbindet es Handwerksgeschichte, Präzisionstechnik, Design und internationale Industriegeschichte.

Weitere Kulturorte nutzen ehemalige Gewerbe- und Industriegebäude. Konzerte, Theater, Kleinkunst und Ausstellungen zeigen, wie historische Bausubstanz weiterverwendet werden kann. Zu den bekannten Veranstaltungen gehören das Schaffhauser Jazzfestival, das Internationale Bachfest und Open-Air-Konzerte in der Altstadt. Programme und Spielorte verändern sich, weshalb eine aktuelle Terminprüfung zur Reiseplanung gehört.

Industriestandort mit grenzüberschreitendem Arbeitsmarkt

Schaffhausen entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort. Wasserkraft, Eisenbahnanschluss und die Nähe zu Deutschland begünstigten Metallverarbeitung, Maschinenbau, Uhrenherstellung, Chemie und weitere exportorientierte Branchen. Georg Fischer und IWC gehören zu den international bekannten Namen, deren Geschichte mit dem Kanton verbunden ist.

Die industrielle Prägung ist weiterhin messbar. Das kantonale Bruttoinlandprodukt erreichte 2022 rund 100’959 Franken pro Einwohner und lag damit über dem damaligen Schweizer Durchschnitt von 90’131 Franken. Metallprodukte, elektronische und optische Erzeugnisse sowie Maschinenbau besitzen weiterhin Gewicht. Gleichzeitig spielen Handel, Gesundheitswesen, Logistik, Gastronomie und unternehmensbezogene Dienstleistungen eine wichtige Rolle.

Die Grenzlage erweitert den Arbeitsmarkt. 2024 arbeiteten 6’787 Grenzgänger im Kanton. Zugleich pendeln viele Einwohner innerhalb der Region oder in Richtung Zürich, Winterthur, Thurgau und Süddeutschland. Internationale Verbindungen treffen damit auf einen Kanton, in dem Wege zwischen Wohnort, Arbeitsplatz und Natur häufig kurz bleiben.

Auch Bildung und Berufsbildung sind eng mit der Wirtschaftsstruktur verbunden. 2024 befanden sich 2’361 Personen in einer beruflichen Grundausbildung. Besonders vertreten waren kaufmännische Berufe, Maschinenbau, Metallverarbeitung, Bau, Energie, Gesundheit und Verkehr. Ergänzt wird das Angebot durch Kantonsschule, Berufsbildungszentrum, Pädagogische Hochschule sowie höhere Fachschulen für Technik und Pflege.

Wohnen zwischen Stadt, Dorf und Reblandschaft

Die Hauptstadt bietet kurze Wege zu Bahnhof, Einkauf, Kultur und Rhein. Neuhausen ist dichter bebaut und stark von Industriegeschichte sowie Rheinfalltourismus geprägt. Beringen und Thayngen verbinden grössere Wohngebiete mit Gewerbe und guter Verkehrsanbindung. Im Klettgau und auf dem Reiat dominieren kleinere Gemeinden, Landwirtschaft und eine dörfliche Siedlungsstruktur.

Der Wohnungsmarkt lag 2023 bei mehreren Wohnungsgrössen unter dem Schweizer Mittel. Für eine Vierzimmerwohnung wurde kantonal ein durchschnittlicher Mietpreis von 1’400 Franken ausgewiesen, gegenüber 1’670 Franken im Schweizer Durchschnitt. Solche Durchschnittswerte sagen allerdings wenig über Zustand, Lage, Nebenkosten und die aktuelle Angebotssituation aus.

Die Bevölkerungsentwicklung erhöht den Druck auf Wohnraum und Infrastruktur. Zwischen 2019 und 2024 nahm die kantonale Wohnbevölkerung um 7,9 Prozent zu. Ende 2025 wurde mit 90’285 Einwohnern ein weiterer Höchststand erreicht. Wachstum stellt Gemeinden vor Aufgaben bei Schulen, Verkehr, Betreuung, Altersversorgung und Siedlungsentwicklung. Gleichzeitig eröffnet es Chancen für die Belebung von Ortszentren und die Umnutzung bestehender Gebäude.

So lässt sich der Kanton sinnvoll bereisen

Für einen ersten Besuch eignet sich eine Aufteilung nach Regionen:

  • Ein Tag: Rheinfall am Vormittag, danach Altstadt, Klosteranlage und Munot in Schaffhausen.
  • Zwei Tage: Am zweiten Tag Fahrt nach Stein am Rhein, Besichtigung des Ortskerns und Spaziergang am Rhein oder Aufstieg zur Burg Hohenklingen.
  • Drei Tage: Ergänzung durch eine Wanderung auf dem Randen, eine Velotour entlang des Rheins oder eine Weinroute durch den Klettgau.
  • Mit Kindern: Rheinfall mit Miniaturwelt oder Museum verbinden und genügend freie Zeit zwischen den Programmpunkten lassen.
  • Bei Regen: Museum zu Allerheiligen, IWC Museum und Smilestones einplanen.

Frühling und Herbst eignen sich besonders für Wanderungen und Velotouren. Im Sommer stehen Rhein, Schifffahrt und Veranstaltungen im Mittelpunkt. Die Weinlese verleiht dem Klettgau im Spätsommer und Herbst eine besondere Atmosphäre. Im Winter wirken die historischen Städte ruhiger, während Museen und saisonale Veranstaltungen wetterunabhängige Alternativen bieten.

Video: Der Rheinfall aus nächster Nähe



Das Video „Der Rheinfall, ein grandioses Naturschauspiel“ von Schaffhauserland Tourismus zeigt den Wasserfall, die Aussichtsbereiche und die Perspektive aus dem Rheinfallbecken.

Fazit: Kleine Fläche, ungewöhnlich grosse Vielfalt

Schaffhausen verbindet Natur, Baukultur, Familienangebote, Weinbau und Industrie auf engem Raum. Der Rheinfall bildet den bekanntesten Anziehungspunkt, sollte jedoch nicht das Ende der Entdeckungsreise sein. Die Schaffhauser Altstadt erzählt von Handel, Klosterleben und Wehrarchitektur. Stein am Rhein bewahrt ein aussergewöhnliches Ensemble bemalter Bürgerhäuser. Randen, Reiat und Klettgau öffnen den Blick auf Wälder, Landwirtschaft und Rebberge.

Die Grenzlage macht den Kanton wirtschaftlich und kulturell eigenständig. Schweizer Geschichte, deutscher Nachbarschaftsraum und internationale Industrie greifen ineinander. Gerade diese Mischung eignet sich für mehrere Perspektiven: als Reiseziel, als Lebensraum, als Wirtschaftsstandort, als Familienregion und als Beispiel für den sorgfältigen Umgang mit historischen Ortsbildern.

 

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