Regenwasser sammeln im Garten: Was erlaubt ist – und welches System sich lohnt
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Blumen Draussen Familie Familienleben Garten gartenaktuell.ch Gartengestaltung Gesundheit Haus, Garten & Einrichtung hometipp.ch Inspiration Lifestyle Magazine Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse Natur & Umwelt News Orte Pflanzen Sicherheit Themen Tipps Trends wohnenaktuell.ch Zubehör Ⳇ Verbreitung
Regenwasser kostenlos vom Himmel auffangen und damit den Garten bewässern – das ist in der Schweiz nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Wer eine Regentonne oder Zisterne installiert, spart bis zu 50 Prozent des Trinkwasserverbrauchs, gibt den Pflanzen kalkarmes Wasser und tut dabei noch etwas Gutes für die Umwelt. Und der Einstieg ist einfacher als viele denken.
Der durchschnittliche Schweizer Haushalt verbraucht pro Person und Tag rund 162 Liter Trinkwasser. Davon könnten laut Ripalgo AG allein durch Regenwassernutzung bis zu 69 Liter ersetzt werden – für Gartenbewässerung, Wäschewaschen und Toilettenspülung. Wer die Wasserrechnung kennt, weiss, wie wertvoll diese Zahl ist. Wer seinen Garten liebt, weiss ausserdem: Regenwasser ist das bessere Giesswasser.
Rechtliche Lage in der Schweiz: Erlaubt, erwünscht, gefördert
Die häufigste Frage vorab: Darf man das überhaupt? Die Antwort ist eindeutig: Ja. Es gibt in der Schweiz kein Gesetz, das die Nutzung von Regenwasser in Garten und Haushalt verbietet, wie Ripalgo AG klar zusammenfasst. Im Gegenteil liegt dies im Sinne der Öffentlichkeit.
Wer Regenwasser vom Dach einsammelt und im Garten als Giesswasser nutzt, hat in der Regel keine behördlichen Kosten zu erwarten, wie hausinfo.ch bestätigt. Wichtig: Regenwasser darf nicht als Trinkwasser genutzt werden. Wer eine grössere Hausanlage – also WC-Spülung oder Waschmaschine – installieren möchte, sollte die kantonalen Vorschriften prüfen und die Schweizer Norm SN 592 000 beachten. Der Verband Regenwassernutzung Schweiz (VRS) berät kostenlos. Einige Gemeinden fördern Regenwasseranlagen mit Beiträgen – eine kurze Anfrage lohnt sich.
Grundlage für die Nutzung ist das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (GSchG), das das sorgfältige Umgehen mit Wasserressourcen ausdrücklich vorschreibt – und Regenwassernutzung entspricht diesem Geist vollständig.
System 1: Die Regentonne – günstig und sofort wirksam
Die Regentonne ist die einfachste und günstigste Lösung für den Einstieg. Sie wird ans Fallrohr der Dachrinne angeschlossen und fasst je nach Modell 100 bis 400 Liter. Preis ab CHF 30.– im Baumarkt. Die wichtigsten Punkte beim Kauf und Aufstellen:
- Lichtundurchlässig wählen: Helle oder transparente Tonnen begünstigen Algenwachstum und lassen das Wasser kippen. Immer dunkle oder opake Modelle nehmen
- Schattig aufstellen: Kühles Wasser bleibt länger frisch und hemmt Bakterienwachstum. Keine direkte Sonneneinstrahlung
- Deckel verwenden: Schützt vor Mückenbrutstätten, Laub und Schmutz
- Fallrohrfilter einbauen: Günstiger Einsatz zwischen Dachrinne und Tonne – filtert Laub und grobe Verunreinigungen heraus und verlängert die Wasserqualität erheblich
- Überlaufventil einplanen: Wenn die Tonne voll ist, muss das Wasser kontrolliert weiterfliessen – zurück ins Fallrohr oder in den Garten
Ein einfacher Fallrohrfilter kostet CHF 10.– bis 20.– und macht den Unterschied zwischen trübem Sumpfwasser und klarem Giesswasser. Unbedingt einplanen.
System 2: IBC-Container – mehr Volumen für grössere Gärten
Wer mehr Kapazität braucht oder mehrere Beete bewässert, greift zu einem IBC-Container (Intermediate Bulk Container) mit 600 bis 1000 Litern. Diese robusten Kunststoffbehälter im Gitterrahmen sind gebraucht günstig erhältlich – ab CHF 50.– – und haben einen praktischen Ablasshahn, der sich direkt an ein Tropfbewässerungssystem anschliessen lässt.
Wichtig beim Kauf: Nur Tanks verwenden, die vorher keine Chemikalien, Öl oder Lösungsmittel enthielten. Immer nach der genauen Verwendungshistorie fragen – sogenannte „Food-Grade-IBC» sind die sicherste Wahl und auch für die Gartenbewässerung unbedenklich.
System 3: Unterirdische Zisterne – die nachhaltigste Lösung
Für Hauseigentümer, die ihren Wasserverbrauch langfristig und spürbar senken wollen, ist die unterirdische Zisterne die effektivste Lösung. Mit 3000 bis 10 000 Litern Fassungsvermögen lässt sich bei Neubauten auch die WC-Spülung oder Waschmaschine betreiben. Laut hausinfo.ch amortisiert sich eine solche Anlage bei Neubauten in der Regel innerhalb von zehn Jahren.
Der Boden schützt das Wasser ganzjährig vor Licht und hält es konstant bei 6 bis 8 Grad Celsius – ideal für die Wasserqualität und gegen Algenbildung. Für Altbauten ist die Installation aufwendiger; ein zertifizierter Fachbetrieb und eine Abklärung mit der Gemeinde sind empfohlen.
Warum Regenwasser besser ist als Leitungswasser
Regenwasser enthält praktisch keinen Kalk. Das macht es besonders wertvoll für kalkempfindliche Pflanzen wie Rhododendron, Hortensien, Heidelbeeren, Azaleen und Kamelien, die bei hartem Leitungswasser Chlorosen (Blattverfärbungen durch Nährstoffmangel) entwickeln können. Schweizer Leitungswasser ist je nach Region sehr kalkreich – im Mittelland und im Jura regelmässig über 30 Grad französischer Härte.
Dazu kommt: Regenwasser hat eine für Pflanzen angenehme Temperatur und enthält leicht gelöste Stickstoffverbindungen aus der Luft – ein natürlicher Mikrodünger, der im Leitungswasser fehlt. Hornbach Schweiz bestätigt: Wer Regenwasser nutzt, kann bis zu 50 Prozent des täglichen Trinkwasserverbrauchs für Garten und Haushalt einsparen.
Praktische Tipps für den Alltag
- Regentonne im Winter leeren: Frost kann Kunststofftonnen beschädigen. Vor dem ersten Frost abstellen oder leeren und mit dem Deckel nach unten einlagern
- Wasser regelmässig verbrauchen: Stehendes Wasser, das wochenlang nicht genutzt wird, kann Qualitätseinbussen entwickeln. Im Sommer ist das kein Problem – in kühlen Frühlingsphasen das Wasser turnusmässig verwenden
- Dachflächen berücksichtigen: Nicht alle Dachflächen eignen sich gleich gut. Ziegel- und Betondächer sind ideal; Kupfer-, Blei- oder frisch gestrichene Dächer können das Wasser belasten
Video-Tipp: Regenwasser im Garten sinnvoll sammeln und nutzen
„Natur im Garten» zeigt in diesem praxisnahen Video, wie man Regenwasser effizient auffängt und für die Gartenbewässerung nutzt – von der einfachen Regentonne bis zum ausgeklügelten System:
Fazit
Wer Regenwasser sammelt, tut dreifach Gutes: spart Geld, schont das Trinkwasser und verwöhnt seine Pflanzen mit dem besten Giesswasser, das es gibt. Der Einstieg kostet wenig – eine einfache Regentonne mit Fallrohrfilter reicht für den Anfang völlig aus und amortisiert sich innerhalb einer einzigen Gartensaison. Wer grösser denkt, investiert in eine Zisterne und reduziert den Trinkwasserverbrauch dauerhaft um die Hälfte.
Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © J.J. Gouin/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Kristine Rad/Shutterstock.com