Velowandern am Genfersee: Die schönste Etappe der Rhône-Route – Montreux bis Genf

Wenige Velotouren in der Schweiz vereinen so viel auf so engem Raum: UNESCO-Welterbe, Seepanorama, historische Schlösser, mondäne Städte und die besten Weissweingläser des Landes. Die Velostrecke entlang des Genfersees – auf Schweizerdeutsch auch Lac Léman – gehört zu den schönsten Radtouren der Schweiz, ist bestens ausgeschildert und für Veloreisende aller Niveaus geeignet.

Der Genfersee ist mit 582 Quadratkilometern der grösste See Westeuropas. Sein Nordufer – die Schweizer Seite – bietet auf rund 100 Kilometern Strecke ein einzigartiges Wechselspiel aus Seeblick, Rebbergen, eleganten Uferpromenaden und kleinen Hafenstädtchen. Die Highlights liegen hier so dicht beieinander, dass man kaum weiss, wo man zuerst anhalten soll.

Die Route: Tour du Léman und Rhône-Route (Veloroute Nr. 1)

Für Velowandern am Genfersee gibt es zwei Hauptoptionen, die sich gut kombinieren lassen:

Die Rhône-Route (Nationale Veloroute Nr. 1) führt auf der Schweizer Seite des Genfersees von Villeneuve/Montreux über Vevey, Lausanne, Morges und Nyon bis nach Genf. Dieser Abschnitt ist rund 100 Kilometer lang, überwiegend gut ausgebaut und auf SchweizMobil-Karten sowie in der kostenlosen SchweizMobil-App vollständig dokumentiert.

Die Tour du Léman (SchweizMobil-Route Nr. 46) umrundet den gesamten See – Schweizer und französische Seite – auf insgesamt rund 190 Kilometern. Sie lässt sich in vier Tagesetappen mit durchschnittlich 30 bis 50 Kilometern aufteilen und ist mittelschwer. Auf der Schweizer Seite gibt es vereinzelt kleinere Steigungen, die französische Seite ist flacher.

Tipp: Wer nur die Schweizer Seite fährt und dabei etwas Abwechslung möchte, kann die Hinfahrt auf der Uferroute und die Rückfahrt mit Schiff oder Zug gestalten – der öffentliche Verkehr entlang des Sees ist ausgezeichnet.

Etappe 1: Montreux – Lausanne (ca. 30 km)

Wer die Schweizer Seite von Ost nach West befährt, startet ideal in Montreux – bekannt durch das Jazzfestival, die Freddie-Mercury-Statue am Ufer und die elegante Belle-Époque-Architektur. Direkt ausserhalb der Stadt liegt das Château de Chillon, das meistbesuchte historische Bauwerk der Schweiz und eines der fotogensten Wasserschlösser Europas. Ein Halt lohnt sich unbedingt.

Von Montreux führt die Route durch die Lavaux – und hier erwartet einen einer der grössten Velogenüsse der Schweiz. Die steilen Terrassen des UNESCO-Welterbes fallen direkt zum See ab, Weinrebe an Weinrebe, mit dem Alpenpanorama im Hintergrund. In Rivaz, Épesses, Saint-Saphorin und Dézaley laden kleine Winzerkeller zur Degustation ein. Wer hier ein Glas Chasselas direkt im Weinberg trinkt, mit Blick auf den See und das Massiv der Dents du Midi dahinter, erlebt einen dieser Momente, für die man überhaupt reist.

Die Etappe endet in Lausanne, der Olympiastadt der Schweiz mit ihrer gotischen Kathedrale, der belebten Altstadt und dem Museum Olympique direkt am Seeufer.



Etappe 2: Lausanne – Morges – Nyon (ca. 40 km)

Auf dieser Etappe wird die Route etwas ruhiger und entspannter. Von Lausanne aus führt der Weg durch Saint-Sulpice und entlang schattiger Uferpromenaden nach Morges. Das Städtchen mit seinem gut erhaltenen mittelalterlichen Schloss und dem Hafen lohnt eine Pause. Von Juli bis Oktober ist die Uferstrasse auf 1,5 Kilometern mit Dahlien geschmückt – ein aussergewöhnlicher Anblick.

Weiter geht es durch RolleAllaman und Perroy – letzteres der letzte Strand auf Schweizer Seite vor Genf, ein beliebter Zwischenstopp an heissen Tagen. Wer dem zeitweiligen Hauptstrassenabschnitt ausweichen möchte, nimmt ab Perroy bis Nyon die Route du Vignoble de La Côte – eine Weinroute durch die Rebberge oberhalb des Sees, mit wunderbaren Ausblicken auf das Mont-Blanc-Massiv.

In Nyon lohnt ein Abstecher zum Schloss mit seinem Panoramablick über den See. Auch das Château de Prangins, Hauptsitz des Schweizerischen Nationalmuseums in der Romandie, ist nur einen Katzensprung entfernt.

Etappe 3: Nyon – Genf (ca. 30 km)

Die letzte Etappe auf Schweizer Seite führt durch die sanften Hügel des Kantons Genf, vorbei an Weinbergen und kleinen Dörfern, direkt in die Weltstadt. Die Velowege sind in Genf überraschend gut ausgebaut. Der Abschluss am Jet d’Eau – der 140 Meter hohen Wasserfontäne – und einem Kaffee auf einer der Seepromenaden ist ein würdiger Abschluss dieser Tour.

Highlights entlang der Route auf einen Blick

  • Château de Chillon (Montreux): Das meistbesuchte historische Bauwerk der Schweiz, direkt am Seeufer – unbedingt von innen besichtigen
  • Lavaux (Vevey bis Lausanne): UNESCO-Welterbe-Weinberge mit direktem Seeblick und Degustation bei Winzern – das Herzstück der Route
  • Lausanne: Olympiastadt mit gotischer Kathedrale und lebhafter Altstadt, das Museum Olympique direkt am See
  • Morges: Mittelalterliches Schloss, schöner Hafen, im Sommer Dahlienpromenade
  • Nyon: Charmante Kleinstadt mit Römervergangenheit und Blick auf das Mont-Blanc-Massiv
  • Genf: Weltstadt am See, Jet d’Eau, elegante Promenaden, Altstadt und Röstis


Praktische Tipps für die Velotour

Die beste Reisezeit am Genfersee ist von Mai bis Oktober. Der Mai ist besonders empfehlenswert: Die Weinberge sind frisch begrünt, die Temperaturen angenehm und die Saison noch nicht überlaufen. Im August herrscht Hochsaison – wer Ruhe sucht, meidet diese Wochen oder fährt früh morgens.

  • Velotyp: Die Route lässt sich gut mit einem Tourenrad oder E-Bike absolvieren. E-Bikes sind besonders empfehlenswert für die Lavaux-Abschnitte mit gelegentlichen Steigungen
  • Gepäck: Mehrere Anbieter bieten tägliche Gepäcktransfers von Hotel zu Hotel an – so fährt man leicht und trotzdem komfortabel
  • Öffentlicher Verkehr: Züge und Schiffe verbinden alle grösseren Ortschaften. Einzelne Etappen können jederzeit abgekürzt oder übersprungen werden
  • Navigation: Die App SchweizMobil ist kostenlos und führt GPS-gestützt über alle nationalen Velorouten – auch offline verfügbar
  • Unterkunft: Die ganze Bandbreite ist vorhanden: von einfachen Hostels in Lausanne bis zu Belle-Époque-Hotels am Seeufer in Montreux und Vevey

Video-Tipp: Die Rhone – vom Gletscher bis zum Genfersee

Wer die Landschaft entlang der Route einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchte, dem empfehlen wir diese faszinierende SRF-DOK-Sendung aus dem November 2024, in der Sandro Sabatini die Rhone von ihrem Ursprung am Gletscher bis zum Genfersee bereist – eine atmosphärische Einstimmung auf die Tour:



Fazit

Velowandern am Genfersee ist eines der schönsten Freizeiterlebnisse, das die Schweiz zu bieten hat – und eines der am meisten unterschätzten. Wer die Route einmal gefahren ist, versteht sofort, warum die Waadtländer Riviera mit dem Bodenseeradweg oder dem Rheinradweg problemlos mithalten kann. Schloss Chillon, die Lavaux-Terrassen, Lausanne, Morges, Nyon und Genf – das ist kein Tourismusprospekt, das ist die Route selbst.

 

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