Erste Wildbienen-Zählung Europas soll Leben in Gärten und Städten sichtbar machen
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Alltag Bildung Bildung & Arbeit Business Digitalisierung Draussen elterntipps.ch Erziehung Europa Events events24.ch Experten Familie Familienleben Forschung Freizeit Frühling Garten gartenaktuell.ch Gartengestaltung Haus, Garten & Einrichtung hometipp.ch Inspiration Jahreszeiten Konzeption Lifestyle Magazine Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch Natur Natur & Naturereignisse Natur & Umwelt News Orte People Pflanzen Prävention Projekte Regionen Schweiz Schweiz Strategie Themen Tiere Tierschutz Tierwelt tierwelt.news Tipps Trends wetter24.ch Wildtiere Wohnen wohnenaktuell.ch Ⳇ Verbreitung
Wer gerade aufmerksam durch den Garten geht, merkt schnell: Die Natur ist zurück. Es summt, brummt und baut überall. Mauerbienen schlüpfen, Hummelköniginnen suchen Nistplätze, Sandbienen graben ihre Brutröhren. Doch wie viele Wildbienen tatsächlich mitten unter uns leben, weiss bisher kaum jemand. Genau das wollen Wildbiene + Partner und tausende Naturfreundinnen und Naturfreunde am Weltbienentag ändern: Am 20. Mai findet die erste App-gestützte Wildbienen-Zählung Europas statt.
Bereits heute zeigt die MyBeeHome App, welches Potenzial in der gemeinsamen Beobachtung steckt: Über 4’500 Nutzerinnen und Nutzer haben bisher mehr als zwanzigtausend Beobachtungen dokumentiert und fast eine Million Quadratmeter Lebensraum sichtbar gemacht. Auf der Karte der App sind schon über 6’000 Wildbienen-Oasen eingetragen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Kampagne „Mission 10’000 BeeHomes“. So entsteht nach und nach ein wachsendes Netzwerk bienenfreundlicher Orte in der Schweiz und Deutschland.
Schwarmintelligenz für Wildbienen
Wer ein Bienenhotel oder eine andere Nisthilfe mit Hohlräumen besitzt, fotografiert sie am 20. Mai mit der MyBeeHome App von Wildbiene + Partner. Die integrierte Bilderkennung analysiert, wie viele Nistgänge bereits verschlossen sind und zeigt, welche Arten wahrscheinlich eingezogen sind. So wird sichtbar, was sonst verborgen bleibt.
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Das Prinzip dahinter heisst Citizen Science: Tausende Bürgerinnen und Bürger liefern gemeinsam Daten, die kein Forschungsteam allein erheben könnte. Die anonymisierten Ergebnisse fliessen in einen Wildbienen-Report ein, der nach der Zählung erstmals ein möglichst flächendeckendes Bild der Situation in Siedlungsräumen der Schweiz und Deutschlands zeichnen soll.
„Jedes fotografierte Bienenhotel ist ein wichtiges Puzzleteil. Wenn viele Menschen zeitgleich mitmachen, erhalten wir eine grossflächige Momentaufnahme der verschiedenen Wildbienenpopulationen. Richtig spannend wird es, wenn wir diese Daten standardisiert über längere Zeit erfassen: Dann können wir Entwicklungen direkt mit Faktoren wie Klima, Lebensraumveränderungen oder dem lokalen Blütenangebot in Zusammenhang bringen“, sagt Tom Strobl, Biologe bei Wildbiene + Partner.
Jeder Garten zählt
Von den über 600 in der Schweiz heimischen Wildbienenarten gilt etwa die Hälfte als gefährdet. Wissenschaftliche Erhebungen finden meist in Schutzgebieten oder auf landwirtschaftlichen Flächen statt – über ihr Leben in Gärten, auf Balkonen und im Stadtgrün ist bisher wenig bekannt. Dabei werden genau diese Räume immer wichtiger:
Viele Arten haben einen Aktionsradius von nur 200 bis 300 Metern. Ob sie dort Nahrung und Nistplätze finden, entscheidet über ihr Überleben.
„Ein Garten ist heute für viele Arten kein Nebenschauplatz mehr, sondern ein wichtiges Rückzugsgebiet. Umso wichtiger ist es zu wissen, was dort wirklich passiert“, so Strobl.
Jedes Bienenhotel, jede Blühfläche und jeder unversiegelte Quadratmeter zählt. Wildbienen brauchen Nahrung in unmittelbarer Nähe ihres Nistplatzes – und das von März bis in den Herbst hinein. Reihen sich naturnahe Gärten und Balkone aneinander, entstehen sogenannte Trittsteine: ein Netz aus Lebensräumen, zwischen denen Wildbienen sich bewegen, Nahrung finden und neue Nistplätze besiedeln können. So wird aus vielen kleinen Wildbienen-Oasen ein zusammenhängender Lebensraum.
Was Wildbienen jetzt am meisten hilft
Aktuell sind besonders viele Arten unterwegs auf der Suche nach Pollen, Nektar und Brutplätzen. Schon kleine Massnahmen können viel bewirken:
- Vielfalt statt Einheitsgrün: Eine Mischung aus Früh-, Sommer- und Spätblühern versorgt unterschiedliche Arten über die ganze Saison. Heimische Wildstauden wie Glockenblume, Natternkopf oder Wiesensalbei sind besonders wertvoll.
- Nistplätze zulassen: Rund 70 Prozent der Wildbienen nisten im Boden. Offene, sandige Stellen, Totholz oder vertrocknete Pflanzenstängel vom Vorjahr sind wertvoll.
- Auf Pestizide verzichten: Schon der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel schafft Lebensraum.
Das Citizen-Science-Projekt am 20. Mai soll zeigen, wo dieses Netz aus Gärten, Balkonen und Grünflächen bereits trägt – und wo noch Lücken bestehen. „Die Bilder der Bienenhotels helfen uns, die Entwicklung der Wildbienenpopulationen im Siedlungsraum besser zu verstehen und sichtbar zu machen, wo noch Handlungsbedarf besteht“, erklärt Tom Strobl.
„Der Weltbienentag ist eine gute Gelegenheit, einmal genauer hinzuschauen. Mit der MyBeeHome App kann man nicht nur wertvolle Daten beitragen, sondern auch selbst entdecken, wer sich im eigenen Bienenhäuschen verbirgt.“
So machst du mit
Lade die kostenlose MyBeeHome App herunter, öffne sie am 20. Mai und fotografiere dein Bienenhotel oder deine Nisthilfe. Die App übernimmt die Analyse.
In den Folgetagen können Nutzerinnen und Nutzer die Artvorschläge prüfen und so die Genauigkeit des abschliessenden Reports weiter verbessern.
Nach der Zählung veröffentlicht Wildbiene + Partner einen ausführlichen Bericht in der App. Dieser zeigt, welche Arten nachgewiesen wurden, wie viele Nester dokumentiert wurden und wie das Gesamtbild in Deutschland und der Schweiz aussieht.
MyBeeHome ist kostenlos im App Store und bei Google Play erhältlich.
Quelle: Wildbiene + Partner
Bildquelle: Wildbiene + Partner